Pfahlbauten: Unterschied zwischen den Versionen

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== Pfahlbauten am Attersee ==
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Aus der Jungsteinzeit Zeit stammen die ersten Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit am Attersee. Die jüngste wissenschaftliche Untersuchung von Pfahlbauresten (2000/2001) hat die ältesten Funde auf die Zeit um 3770 v.Chr. datiert. Das bedeutet, die Geschichte der Pfahlbauten am Attersee beginnt sehr viel früher, als ursprünglich angenommen. 1870 konnte der erste Pfahlbau im Salzkammergut bei Seewalchen am Attersee, unmittelbar am Austritt der Ager, nachgewiesen werden. Seit dieser Zeit werden die Pfahlbausiedlungen des Attersees systematisch erforscht, und eine Unzahl von Fundgegenständen vermitteln uns heute ein sehr genaues Bild davon, wie die Menschen in dieser Zeit gelebt haben. Sie hausten in Hütten, die auf Pfählen im Seeuferbereich errichtet wurden. Die romantische Vorstellung von Pfahlbauten auf dem Wasser ist wissenschaftlich überholt. Die klimatischen Untersuchungen ergeben für die Pfahlbauzeit nämlich einen niedrigeren Wasserspiegel als heute, so dass sich die Bauten damals am Seeufer befunden haben und nur bei Hochwässern zeitweilig überschwemmt worden sind.
Aus der Jungsteinzeit Zeit stammen die ersten Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit am [[Attersee (See)|Attersee]]. Die jüngste wissenschaftliche Untersuchung von Pfahlbauresten (2000/2001) hat die ältesten Funde auf die Zeit um 3770 v.Chr. datiert. Das bedeutet, die Geschichte der Pfahlbauten am Attersee beginnt sehr viel früher, als ursprünglich angenommen.
 
Am 25. August 1870 konnte der erste Pfahlbau im [[Salzkammergut]] bei [[Seewalchen am Attersee]], unmittelbar am Austritt der [[Ager]], durch Gundaker Graf Wurmbrand, nachgewiesen werden. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wurden weitere Pfahlbausiedlungen (insgesamt zehn) am Attersee, Mondsee und Traunsee nachgewiesen. Seit dieser Zeit werden die Pfahlbausiedlungen des Attersees systematisch erforscht, und eine Unzahl von Fundgegenständen vermitteln uns heute ein sehr genaues Bild davon, wie die Menschen in dieser Zeit gelebt haben. Sie hausten in Hütten, die auf Pfählen im Seeuferbereich errichtet wurden. Die romantische Vorstellung von Pfahlbauten auf dem Wasser ist wissenschaftlich überholt. Die klimatischen Untersuchungen ergeben für die Pfahlbauzeit nämlich einen niedrigeren Wasserspiegel als heute, so dass sich die Bauten damals am Seeufer befunden haben und nur bei Hochwässern zeitweilig überschwemmt worden sind.
 
Eine besondere Rolle bei der Entdeckung von Pfahlbaufunden spielte Theodor Wang aus Seewalchen am Attersee. Als Sandfischer stieß er beim Baggern nach Sand am Seegrund immer wieder auf Pfahlbaufunde. Da er diese Funde sowohl an das Naturhistorische Museum in Wien wie auch an den Fabrikanten Max Schmidt, der eine [[Villa Daheim|Sommervilla]] in Seewalchen besaß, gut vermarkten konnte, konzentrierte er sich auf die Suche nach solchen Funden. Vor allem der gut bezahlende Max Schmidt baute ein Pfahlbausammlung mit bis zu 4000 Stück auf, die er im Ersten Weltkrieg nach Altofen in Ungarn verbrachte, wo sie in den letzten Kriegswirren zugrunde gegangen sein soll. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Max Schmidt nur mehr wenige Funde von Theodor Wang. Das Naturhistorische Museum bezahlte angeblich schlecht und so wurde ab etwa 1932 das [[Heimathaus Vöcklabruck]] ein neuer Abnehmer.


Nicht nur die Seeufer waren in der Jungsteinzeit bereits besiedelt, auch aus dem Hinterland ([[Aurach am Hongar]]; Buchberggipfel und Eggenberg, Gemeinde [[Berg im Attergau]]; Ahberg bei Thalham, Gemeinde [[St. Georgen im Attergau]]), bezeugen Funde wie Steinbeile, Keramikscheiben und Spinnwirtel das Vorhandensein menschlicher Siedlungen.
Nicht nur die Seeufer waren in der Jungsteinzeit bereits besiedelt, auch aus dem Hinterland ([[Aurach am Hongar]]; Buchberggipfel und Eggenberg, Gemeinde [[Berg im Attergau]]; Ahberg bei Thalham, Gemeinde [[St. Georgen im Attergau]]), bezeugen Funde wie Steinbeile, Keramikscheiben und Spinnwirtel das Vorhandensein menschlicher Siedlungen.
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Nach neuesten Erkenntnissen soll es um etwa 3300 v. Chr. zu einem großen Felssturz vom [[Schafberg]] gekommen sein, der den Wasserspiegel des Mondsees stark ansteigen ließ, sodass die Pfahlbauten am Ufer vernichtet wurden.<ref>[http://www.archaeologie-online.de/magazin/fundpunkt/forschung/2010/untergang-mondseekultur/seite-1/ Untergang der Mondseekultur]</ref>
Nach neuesten Erkenntnissen soll es um etwa 3300 v. Chr. zu einem großen Felssturz vom [[Schafberg]] gekommen sein, der den Wasserspiegel des Mondsees stark ansteigen ließ, sodass die Pfahlbauten am Ufer vernichtet wurden.<ref>[http://www.archaeologie-online.de/magazin/fundpunkt/forschung/2010/untergang-mondseekultur/seite-1/ Untergang der Mondseekultur]</ref>


Pfahlbauten wurden am Attersee, z. B. in der Katastralgemeinde Abtsdorf (Gemeinde [[Attersee am Attersee]]), auch aus der Bronzezeit nachgewiesen. Auch im [[Gerlhamer Moor]] konnten Pfahlbauten aus der Bronzezeit nachgewiesen werden, daher steht das Gerlhamer Moor nicht nur unter Naturschutz, sondern auch Teile davon unter Denkmalschutz.
Pfahlbauten wurden am Attersee, z. B. in der Katastralgemeinde Abtsdorf (Gemeinde [[Attersee am Attersee]]), auch aus der Bronzezeit nachgewiesen.  
 
== Bronzezeitliche Moorsiedlung in Gerlham ==
Im Jahr 1904 wurden vom damaligen Leiter der Prähistorischen Abteilung im Naturhistorischen Museum Wien (Josef Szombathy, Entdecker der „Venus von Willendorf“), in Begleitung von Theodor Wang aus Seewalchen, bei einem Besuch des Torfstiches der damaligen Seehof- und Bräuhauseigentümer (Familie Oelinger) prähistorische Siedlungsreste entdeckt. Von den Arbeitern wurden ihm diverse Fundstücke übergeben (Keramiken), die aber nicht so bedeutend waren wie die bereits vorher gefundenen  (Langdolch, Gürtelhaken), welche der frühen bis mittleren Bronzezeit zugeordnet wurden. Im Jahr 1966 wurde von Kurt Willvonseder (Salzburger Archäologe, Direktor des Museums Carolino Augusteum) die prähistorische Siedlung im Gerlhamer Moor näher beschrieben.
 
Die im [[Gerlhamer Moor]] liegende Pfahlbaustation wird vom Bundesdenkmalamt (BDA) als einzige in Österreich erhaltene Moorsiedlung (Feuchtbodensiedlung) bezeichnet. Sie stellt laut Gutachten des BDA nicht nur wegen der ausgezeichneten Erhaltungsbedingungen, sondern auch wegen ihrer Außergewöhnlichkeit ein einzigartiges Kulturdenkmal dar. Am 17. August 1978 fand in Seewalchen eine denkmalschutzrechtliche Verhandlung mit den Grundeigentümern statt, die sich gegen eine Unterschutzstellung aussprachen, und schließlich wurde das Unterschutzstellungsverfahren nicht weitergeführt. Erst nach dem Erwerb des Moorgebietes durch die ÖNJ im Jahr 1988 wurde das Verfahren wieder aufgenommen, und die bronzezeitlichen Siedlungsreste im Gerlhamer Moor wurden mit Bescheid des BDA vom 4. Oktober 1994 aufgrund ihrer Einzigartigkeit unter Denkmalschutz gestellt.
 
Das Gerlhamer Moor steht daher sowohl unter Denkmalschutz wie auch unter Naturschutz.


== Pfahlbausammlungen in der Region ==
Umfangreichere Sammlungen zur Pfahlbauzeit sind im [[Heimathaus Schörfling]], im [[Heimathaus Vöcklabruck]] und im Pfahlbaumuseum Mondsee zu besichtigen.
Umfangreichere Sammlungen zur Pfahlbauzeit sind im [[Heimathaus Schörfling]], im [[Heimathaus Vöcklabruck]] und im Pfahlbaumuseum Mondsee zu besichtigen.


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==Quellen==
==Quellen==
*Kurt Willvonseder: ''Eine bronzezeitliche Moorsiedlung in Gerlham bei Seewalchen'', Jahrbuch des O.Ö. Musealvereins 111, 1966.
* {{Kulturführer}}
* {{Kulturführer}}
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Version vom 13. März 2011, 15:38 Uhr

Pfahlbau-Nachbau am Attersee um 1910

Pfahlbauten bzw. Pfahlbautensiedlungen sind an mehreren Stellen rund um den Attersee nachgewiesen.

Allgemeines

Als mit dem Ende der Eiszeit die Gletscher abschmolzen und die Salzkammergutseen in ihrer heutigen Form zurückblieben, war eine klimatisch günstige Zeit, in der die Temperaturen etwas höher waren als heute.

Die Landschaft war bald von einem dschungelartigen Wald bedeckt, in dem zahlreiche Tiere Nahrung fanden. In der menschlichen Geschichte kam es zu einem gewaltigen Entwicklungsschub. Die Jäger und Sammler, die über die Jahrtausende auf nomadische Weise das Land durchstreift hatten, wurden sesshaft. Man nennt diese Zeit die Jungsteinzeit, da als Werkzeug nur Geräte aus Stein in Verwendung waren und die Technik der Metallgewinnung noch nicht bekannt war. Aus dieser Zeit stammen die ersten Pfahlbauten. Pfahlbauten gab es aber auch in den späteren Epochen der Bronze- und Eisenzeit.

Die Pfahlbauten haben im Alpenbereich eine derartige Bedeutung, so dass eine Erhebung in den Status eines Weltkulturerbes angedacht ist. Eine entsprechende Beschlussfassung steht im Juni 2011 zur Entscheidung an.

Pfahlbauten am Attersee

Zeiten-Tafel

Aus der Jungsteinzeit Zeit stammen die ersten Spuren menschlicher Siedlungstätigkeit am Attersee. Die jüngste wissenschaftliche Untersuchung von Pfahlbauresten (2000/2001) hat die ältesten Funde auf die Zeit um 3770 v.Chr. datiert. Das bedeutet, die Geschichte der Pfahlbauten am Attersee beginnt sehr viel früher, als ursprünglich angenommen.

Am 25. August 1870 konnte der erste Pfahlbau im Salzkammergut bei Seewalchen am Attersee, unmittelbar am Austritt der Ager, durch Gundaker Graf Wurmbrand, nachgewiesen werden. Innerhalb der nächsten zehn Jahre wurden weitere Pfahlbausiedlungen (insgesamt zehn) am Attersee, Mondsee und Traunsee nachgewiesen. Seit dieser Zeit werden die Pfahlbausiedlungen des Attersees systematisch erforscht, und eine Unzahl von Fundgegenständen vermitteln uns heute ein sehr genaues Bild davon, wie die Menschen in dieser Zeit gelebt haben. Sie hausten in Hütten, die auf Pfählen im Seeuferbereich errichtet wurden. Die romantische Vorstellung von Pfahlbauten auf dem Wasser ist wissenschaftlich überholt. Die klimatischen Untersuchungen ergeben für die Pfahlbauzeit nämlich einen niedrigeren Wasserspiegel als heute, so dass sich die Bauten damals am Seeufer befunden haben und nur bei Hochwässern zeitweilig überschwemmt worden sind.

Eine besondere Rolle bei der Entdeckung von Pfahlbaufunden spielte Theodor Wang aus Seewalchen am Attersee. Als Sandfischer stieß er beim Baggern nach Sand am Seegrund immer wieder auf Pfahlbaufunde. Da er diese Funde sowohl an das Naturhistorische Museum in Wien wie auch an den Fabrikanten Max Schmidt, der eine Sommervilla in Seewalchen besaß, gut vermarkten konnte, konzentrierte er sich auf die Suche nach solchen Funden. Vor allem der gut bezahlende Max Schmidt baute ein Pfahlbausammlung mit bis zu 4000 Stück auf, die er im Ersten Weltkrieg nach Altofen in Ungarn verbrachte, wo sie in den letzten Kriegswirren zugrunde gegangen sein soll. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Max Schmidt nur mehr wenige Funde von Theodor Wang. Das Naturhistorische Museum bezahlte angeblich schlecht und so wurde ab etwa 1932 das Heimathaus Vöcklabruck ein neuer Abnehmer.

Nicht nur die Seeufer waren in der Jungsteinzeit bereits besiedelt, auch aus dem Hinterland (Aurach am Hongar; Buchberggipfel und Eggenberg, Gemeinde Berg im Attergau; Ahberg bei Thalham, Gemeinde St. Georgen im Attergau), bezeugen Funde wie Steinbeile, Keramikscheiben und Spinnwirtel das Vorhandensein menschlicher Siedlungen.

Wie sah das Alltagsleben in dieser Zeit aus? In mühevoller Rodungsarbeit mit Steinbeilen wurde dem Wald Land für den Ackerbau abgerungen. Fischfang und Jagd waren eine wichtige Nahrungsquelle. Tongefäße mit Henkel und eingeritzten Verzierungen (Leitform: der "Mondseekrug"), Textilien und Schmuck zeugen von einem vergleichsweise hohen Lebensstandard. Da es viele organische Funde gab, konnten die Lebensumstände sehr gut rekonstruiert werden. Da es keine Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen gibt, spricht die Forschung von einem "Goldenen Zeitalter der Urgeschichte". Aufgrund von gut erhaltenen verzierten Keramikfunden in See am Mondsee, wird von der Mondseekultur gesprochen.

Nach neuesten Erkenntnissen soll es um etwa 3300 v. Chr. zu einem großen Felssturz vom Schafberg gekommen sein, der den Wasserspiegel des Mondsees stark ansteigen ließ, sodass die Pfahlbauten am Ufer vernichtet wurden.[1]

Pfahlbauten wurden am Attersee, z. B. in der Katastralgemeinde Abtsdorf (Gemeinde Attersee am Attersee), auch aus der Bronzezeit nachgewiesen.

Bronzezeitliche Moorsiedlung in Gerlham

Im Jahr 1904 wurden vom damaligen Leiter der Prähistorischen Abteilung im Naturhistorischen Museum Wien (Josef Szombathy, Entdecker der „Venus von Willendorf“), in Begleitung von Theodor Wang aus Seewalchen, bei einem Besuch des Torfstiches der damaligen Seehof- und Bräuhauseigentümer (Familie Oelinger) prähistorische Siedlungsreste entdeckt. Von den Arbeitern wurden ihm diverse Fundstücke übergeben (Keramiken), die aber nicht so bedeutend waren wie die bereits vorher gefundenen (Langdolch, Gürtelhaken), welche der frühen bis mittleren Bronzezeit zugeordnet wurden. Im Jahr 1966 wurde von Kurt Willvonseder (Salzburger Archäologe, Direktor des Museums Carolino Augusteum) die prähistorische Siedlung im Gerlhamer Moor näher beschrieben.

Die im Gerlhamer Moor liegende Pfahlbaustation wird vom Bundesdenkmalamt (BDA) als einzige in Österreich erhaltene Moorsiedlung (Feuchtbodensiedlung) bezeichnet. Sie stellt laut Gutachten des BDA nicht nur wegen der ausgezeichneten Erhaltungsbedingungen, sondern auch wegen ihrer Außergewöhnlichkeit ein einzigartiges Kulturdenkmal dar. Am 17. August 1978 fand in Seewalchen eine denkmalschutzrechtliche Verhandlung mit den Grundeigentümern statt, die sich gegen eine Unterschutzstellung aussprachen, und schließlich wurde das Unterschutzstellungsverfahren nicht weitergeführt. Erst nach dem Erwerb des Moorgebietes durch die ÖNJ im Jahr 1988 wurde das Verfahren wieder aufgenommen, und die bronzezeitlichen Siedlungsreste im Gerlhamer Moor wurden mit Bescheid des BDA vom 4. Oktober 1994 aufgrund ihrer Einzigartigkeit unter Denkmalschutz gestellt.

Das Gerlhamer Moor steht daher sowohl unter Denkmalschutz wie auch unter Naturschutz.

Pfahlbausammlungen in der Region

Umfangreichere Sammlungen zur Pfahlbauzeit sind im Heimathaus Schörfling, im Heimathaus Vöcklabruck und im Pfahlbaumuseum Mondsee zu besichtigen.

Pfahlbaudorf Kammer

Ansichtskarte vom Pfahlbaudorf Kammer um 1900

1910 entstand in Kammer am Attersee eines der ersten Freilichtmuseen in Europa. Die Rekonstruktion eines jungsteinzeitlichen Pfahlbaudorfes im Wasser beruhte auf dem damaligen Wissensstand. Das Pfahlbaudorf wurde 1922 anlässlich von Dreharbeiten für den Spielfilm "Sterbende Völker" niedergebrannt.

Quellen

Weblinks