Wirtshaus in Baum

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Gasthaus Hauser in Baum

Das Wirtshaus "zum grünen Baum" in Baum war ein traditionelles Landgasthaus in der Gemeinde Berg im Attergau.

Inhaltsverzeichnis

Chronik

Im Urbarium des Vizedombamtes (Reeger und Weissenburger Ämter) von 1634 steht geschrieben:
Bey diser Behausung ist von uhralten Zeiten her das Zapfen und Danzrecht Jährlich gewöhnlicher massen bezahlt wordten.
Zapfrecht 12 Pfennig
Danzrecht 12 Pfennig
Der Zehent ist zum Ambthof Seewalchen gehörig, und werdt in Natura aufm Feld gehebt.''

Aus dieser Eintragung ist erkennbar, dass das Wirtshaus in Baum schone einige Jahrhunderte besteht. In den älteren Urbaren von 1538 und 1574 fehlt eine Eintragung des Wirtshauses. Wahrscheinlich gehörte das Wirtshaus zu dieser Zeit noch zum Bauernhaus (jetzt Roither). Die Ortschaft Baum (damals Pam genannt) gehörte geschlossen zum Kayserlich Vizedombamt und war daher direkt dem Landesfürsten untertan.

Als erster Wirt wird im Urbarium Thobias Stainer genannt. Seit dieser Zeit gibt es eine lückenlose Besitzeraufstellung. Im Jahr 1910 kaufte Franz Schachinger (aus Aurach am Hongar) mit seiner Braut Elisabeth Kranzinger (aus Friedburg-Lengau) das Wirtshaus, das seit dieser Zeit im Familienbesitz der Familien Schachinger-Hauser ist.

Landgasthaus

Notgeld Berg - Gasthaus in Baum - gezeichnet von T. Schmoller 1920

Ein Wirtshaus außerhalb eines Zentralortes (ein sogenanntes Gäu-Wirtshaus) hatte vielfältige Funktionen. Es war der Treffpunkt der Bauern aus der Umgebung. Handel und Geschäfte wurden hier vor allem mit Viehhändlern abgeschlossen. An Ballveranstaltungen, Gartenfeste, Erntetänze, Partien, Hochzeiten und auch Totenmahle erinnern sich die älteren Bewohner noch gerne.

Zur Unterhaltung wurde auch eine Kegelbahn errichtet, die bis in die 1930er Jahre Bestand hatte und die zumindest auch einmal von Gustav Klimt besucht wurde, der im 3 km entfernten Litzlberg zur Sommerfrische war. Im Winter wurde die Eisstockbahn in Betrieb genommen. Im nahe liegenden Wald kann noch heute die Anlage einer Eisstockbahn erahnt werden, die vor mehr als 100 Jahren errichtet wurde. Tischkegelspiele, die noch heute benützbar sind, sorgten schon vor über 100 Jahren für Abwechslung. Ein Stammtisch ohne Gesang war nicht vorstellbar, noch in den 1970er Jahren wurde eifrig gesungen und musiziert. Sollte keine Lust zur Selbstunterhaltung bestanden haben, nahm man das Grammophon in Betrieb. Nicht immer ging es friedlich zu, so manche kleine Meinungsverschiedenheit endete auch oft mit einem Raufhandel.

Im Sommer kamen einige Familien zur Sommerfrische. Da die Gäste meist mehrere Wochen blieben und jedes Jahr wieder kamen, entwickelten sich auch enge Freundschaften.

In den 1950er und 1960er Jahren erlebte das Wirtshaus noch einmal eine Blütezeit. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde das Wirtshaus in Baum geschlossen.

Über viele Ereignisse der letzten Jahrhunderte könnte das Wirtshaus berichten. Das älteste Ereignis, dass uns bekannt ist, betrifft eine Begebenheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts als die Franzosen im Land waren. Die Franzosen hatten ein Quartier in Piesdorf (1 km von Baum entfernt) aufgeschlagen und besuchten auch das Wirtshaus. Einmal verwickelten die anwesenden Bauern die Franzosen in eine Rauferei, die damit endete, dass die verhassten Franzosen durch die "Durisicht" des Ofens gezogen wurden. Der Bauer Moser aus Staudach soll sich dabei besonders ausgezeichnet haben. Aus Rache für die "unsanfte" (Wärme)-Behandlung schlugen die französischen Soldaten auf ihrem Heimweg nach Piesdorf noch beim Bauern Eicher in Baum die Fensterscheiben ein.

Belegt ist auch die unrühmliche Geschichte des "Bauern Hans", der 1845 einen Mord begangen hat und nach dem Mord, noch leicht blutverschmiert, am Stammtisch des Wirtshauses teilgenommen hat. Dieser Bauern Hans wurde am 22. August 1846 am Galgenberg in der Nähe von Schwanenstadt hingerichtet. Es war die letzte Hinrichtung, die am dortigen Platz stattfand. Der damalige Mordfall erregte offensichtlich großes Aufsehen, eine seitenlange Moritat wurde geschrieben und noch bis in die 1960er Jahre gesungen.

Pabst, Kaiser und König

Anfangs der 1960er Jahre war der Neubau der Westautobahn im Raum St. Georgen – Seewalchen in vollem Gang. Viele Menschen arbeiteten an den Baustellen und wohnten bei Privaten und in Gasthäusern. Unter ihnen war auch der Transporteur Kaiser aus Sierning, der mit seinem (einzigen) Lastwagen für den Autobahnbau Transportarbeiten besorgte. Er war beim Wirt in Baum untergebracht, saß beim Abendessen in der Wirtsstube und unterhielt gern die anderen Gäste mit Witzen und Anekdoten.

Eines Abends kam auch der Seewalchener Pfarrer Gerhard König, der in der Gegend zu tun hatte, und setzte sich an den Tisch. Als sich auch noch der Molkereifahrer Rudolf Pabst dazugesellte, meinte der Wirt: „Das wird´s wohl nie wieder geben, dass in meinem Wirtshaus der Papst, der Kaiser und der König an einem Tisch sitzen.“

Hügelgräberausstellung in Baum

Eröffnung Hügelgräberausstellung 2006

2005 und 2006 wurden vom Bundesdenkmalamt drei Hügelgräber geöffnet. Ein Grab im Baumer Holz und zwei Gräber am Dienstberg wurden untersucht, die Funde geborgen und restauriert. Anschließend wurden die restaurierten Funde erstmals der Öffentlichkeit im ehemaligen Gasthaus Hauser in Baum vorgestellt. Gleichzeitig wurde auch die Geschichte des Hauses präsentiert.

Die Hügelgräberausstellung wurde 2011 vom Heimatverein Attergau im Haus der Kultur in St. Georgen im Attergau installiert und kann seit dieser Zeit dort besichtigt werden.

Informations-Pavillon

Ein vom Heimatverein Attergau im Jahr 2006 neben dem ehemaligen Gasthaus errichteter Informations-Pavillon - jetzt steht er 200 m entfernt bei der Kreuzung Baumer Holz - berichtet über die Grabung und die Funde des Bundesdenkmalamtes.

Mittelpunkt des Bezirkes Vöcklabruck

Mittelpunkt Bezirk Vöcklabruck

In der Ortschaft Baum, ca. 200 m östlich vom Gasthaus, liegt der geografische Mittelpunkt des Bezirkes Vöcklabruck.

Dieser Punkt stellt den geometrischen Schwerpunkt einer ebenen Fläche (=Flächenschwerpunkt) dar. Dieser rechnerisch ermittelte Punkt kann auch rein mechanisch durch balancieren bzw. durch zwei Aufhängepunkte (Schnittpunkt der Schwerelinien) bestimmt bzw. überprüft werden. Diese Methode wird oft angewandt, wenn es um die Feststellung geografischer Mittelpunkte geht.

Bildergalerie

Quellen

  • Konsulent Johann Eicher, Baum - Berg im Attergau
  • Franz Hauser, Baum - Berg im Attergau
  • OÖ. Landesarchiv
  • DORIS-Informationssystem des Landes OÖ.