Waschtag

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Waschtag in Alkersdorf um 1960

Der Bericht über einen Waschtag stammt aus den Lebenserinnerungen der Altbäuerin vom „Gut an der Stauf“ Johanna Knoll, geb. Fischinger (1921 – 1994), Gemeinde Weißenkirchen im Attergau.

Der Waschtag

Ein besonderes Unternehmen war der große Waschtag. Da ich im Schulalter schon immer dabei war, wusste ich den ganzen Hergang und fand die ganze Prozedur selbstverständlich.

Eine Waschküche gab es in fast keinem Haus. Wenn’s gut ging, eine kleine Hütte für den Sommer oder ein ständiger Tisch unter der Holzschupfe1 für die Wochenwäsche. Denn das Werktags– und Stallgewand musste sich im Sommer jeder selber am Sonntag waschen um ja keine Zeit für den nächsten Arbeitstag zu verlieren. Alle übrige Leibwäsche, Baumwollhemden, Bettwäsche und Handtücher wurden in die Truhe geschmissen und alle drei bis vier Wochen wurde „groß“ gewaschen.

Das Sechteln2 brachte , wenn es richtig gemacht wurde, von den schwärzesten Schuhfetzen3 allen Grind heraus. Socken trugen die Männer nur sonntags. Wo wäre man hin gekommen mit dem Waschen, Stopfen und Stricken! Meist ging man barfuß oder mit ausgetretenen Holzschuhen fürs Feld. Die älteren Leute trugen Schuhe mit alten Stofflappen, Gummistiefel waren noch nicht erfunden.

Also: die große längliche Holzwanne, die der Binder gemacht hatte, wurde aus der Rumpelkammer4 hervor geholt. Sie hatte in der Seitenmitte einen Holzzapfen zum Ablassen der Lauge. Am Vorabend wurde darin alle Wäsche mit etwas Soda eingeweicht. Unser Waschort war im Winter das Vorhaus. Ein Dämpfer5 wurde mit Blechrohren am Küchenrauchfang angeschlossen. Wasser konnte man in der Küche beim Grander6 holen. Das war wohl ein großes Geplätscher, doch hatten wir den Vorteil, ein selbstrinnendes Wasser zu haben. Andere mussten alles Wasser vom Ziehbrunnen herauf pumpen oder von irgend einer Lacke, die es in jedem Dorf gab, schöpfen. Ein Frosch war dabei nicht selten.

Im Sommer schlugen wir unsere Waschtische samt Zuberl7 und Schaffeln vor der Haustür auf. Einen Sechtlofen baute der Vater mit einem alten noch von früher vorhandenen „Negerkessel“8. Auch der Dämpfer wurde aufgestellt um die schöneren Sonntagshemden extra auszukochen. Jedes einzelne Stück musste gut eingeseift und gebürstet werden. Eine Bürste war ein neuartiger schonungswürdiger Gegenstand. Meist war noch der übliche Rübler in Betrieb. Der wurde aus den Haaren der Kuhschwänze mit besonderem Geschick von älteren Frauen zu einer länglichen Rolle gebunden. Nun wurde die ganze Wäsche in die Wanne geschlichtet, oben ein rupfenes9 Tuch, das mit alten Rechenzähnen an der Wanne befestigt wurde. Dann kam ein Schüppel10 Weizen hinein, darauf ein großes Häfen11 Asche aus Buchenholz, ein Pechknüppel12, Eierschalen, ein Schuss Petroleum und nur eine kleine Hand voll Waschmehl. Nun wurde mit einem langstieligen Holzschöpfer das kochende Wasser darauf geschüttet, und das zwölf Mal! Das Wasser wurde beim Zapfen wieder abgelassen und kam zurück in den Kessel, bis es wieder kochte und so fort. Da gab es den Spruch: Beim zehnten Mal Überschütten fragt die Laus: „Tuats leicht sechteln ?“ Beim zwölften Mal war es ihr dann doch zu viel. Nachdem alles sauber war, musste noch jedes einzelne Stück, auch die große Bettwäsche, mit der Hand ausgewrungen werden. Das anschließende Ausschwemmen der Wäsche konnten wir, da wir ja schon fließendes Wasser im Haus hatten, im Grander in der Küche besorgen. Andere Frauen mussten ihre Wäsche oft zu einem Bach oder zu einer dorfeigenen Wäsch13 bringen.

Hätte je ein Mensch sich träumen lassen es gäbe einmal eine Waschmaschine, die nur so nebenbei und völlig selbständig alles erledigt?

Erklärungen

1 breiterer Dachvorsprung zum Abstellen von Geräten und Wägen
2 Waschen mit Sechtllauge
3 Tuch zum Umwickeln der Füße anstatt Socken
4 Abstellraum
5 Heißwasserkessel
6 betonierter, gemauerter oder steinerner Wasserbehälter
7 kleines Holzschaff mit Handhaben
8 großer Metallkessel, nur so genannt in der Familie der Autorin
9 aus grober Leinwand
10 Bündel, Büschel
11 Blechgefäß
12 Knüppel aus harzreichem Weichholz
13 Waschhütte

Quellen

  • Lebenserinnerungen der Altbäuerin Johanna Knoll, geb. Fischinger (1921 – 1994) vom „Gut an der Stauf“, Gemeinde Weißenkirchen im Attergau,
    Herbert Saminger: Heimatbuch der Gemeinde Weißenkirchen im Attergau, Verlag Moserbauer 1999, ISBN 3-900847-56-8
  • Stöckl Wolfgang, Die Mundart zwischen Hausruck und Mondsee, edition sommerfrische