Schätzung Seewalchen 1834

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Die Schätzung Seewalchen 1834 der Katastralgemeinde Seewalchen aus dem Jahr 1832 gibt einen guten Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse einer bäuerlichen Gemeinde im Attergau zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Anmerkung: Diese Beschreibung bezieht sich auf die Katastralgemeinde Seewalchen, für die Katastralgemeinde Litzlberg gibt es eine gesonderte Beschreibung.

§ 1 Topographie
§ 2 Grenzen
§ 3 Bevölkerung
§ 4 Viehstand
§ 5 Flüsse und Bäche
§ 6 Straßen und Wege
§ 7 Marktplätze
§ 8 Cultivierte - unbenützte und unbenützbare Grundstücke
§ 9 Grunderzeugnisse
§ 10 Cultur des Bodens
§ 11 Grunderzeugnisse - Qualität und Anwerth derselben
§ 12 Gattungen des Grundeigenthums und Anzahl der Bestiftungen
§ 13 Häuser
§ 14 Industrialgewerbe


Österreich ob der Enns Schätzungs District Nº VII
Kreis: Hausruck Steuerbezirk Kammer
Catastral Schätzungs-Elaborat der Steuergemeinde Seewalchen

§ 1 Topographie

Diese Catastral Gemeinde liegt abwärts am linken Ufer des Agerflußes und in der Verbindung südlich am Kammer- oder Attersee, ¼ Stund westlich von Kammer, ½ Stund von Schörfling und 1½ Stund südwestlich von der l.f. Stadt Vöcklabruck entfernt, wie nicht minder der Vereinigungspunkt der Bezirksstraße nach Kogl-Gampern- Vöcklabruck und Schörfling sich hier befindet, von welchem die Gemeinde in allen Richtungen durchschritten wird.
Die Oberfläche der Gemeinde hat durchaus wellenförmige Hügeln, und ist nur in Nordwesten etwas flach - sie nimmt am Fuß der Gewässer eine aufsteigende sanft hügelichte Abdachung von Norden gegen Süden und Osten an, daher verflachte Freye oftene und gewölbte Hügeln mit sanften wiegenartigen Thällern häufig miteinander abwechseln. Die sonnseitige Lage führt auch ein etwas gemäßigtes Klima herbei, welches in trockenen Jahren hier nicht ganz erwünscht seyn kann, übrigens unterliegt diese Gegend dem Wetterstrich, welche von Westen gegen Osten sich gerne ziehen, und in den großen See entleerrn. Wie man in einer 10 jährigen Beobachtung hier fünf Hagelschläge wahrnehmen konnte, mithin nur alle 2te Jahr richtig periodisch wiederkehrende Hagelschläge annehmen kann. Das Gebiet dieser Gemeinde hat eine ziemlich wohl arrondierte Figur und zählt mit Inbegriff des aus 84 Joch 256 Klftr zugetheilten Antheil des Attersees eine Fläche von 2053 Joch 717.4 Klftr.
Der Ort von welchem die Gemeinde den Namen hat, ist der Pfarrort und Michl Bayrische Stift Domin. Seewalchen, ist geschlossen und zählt 66 Häuser. Er liegt an der südlichen Bergabdachung am Ufer des Attersees ist ganz von Obstgärten umschlossen, wovon theils Wiesen, theils Felder große Parzellen bildend anstoßen, nur im Westen am Attersee steigt eine kleine Waldparthie nördlich auf. Die weite Aussicht von diesem Ort ist merkwürdig, den man übersieht daselbst den ganzen östlichen Gebirgszug, wie auch den ganzen sechs Stund langen und eine Stund breiten Attersee. Es befinden sich am Ufer des Attersees Schilfhütten und Holzablagerungsplätze, weil dieser lebhaft befahren, hier in den Agerfluß ausmündet.

Zu dieser Ortschaft gehören noch sieben selbständige Dörfer und zwar

die geschlossenen sind:

Ortschaft Häuser
Kraims 15
Neubrunn 6
Pettighofen 15
Roitham 5
Steindorf 42

die zerstreuten:

Ortschaft Häuser
Haidach 7
Reichersberg 5
Thall 1, mithin keine Ortschaft

Die Obstgärten und die Wiesen liegen jederzeit um die Ortschaften in der wiegenartigen Tiefe, wenige sind hoch oder in kleinen Fluren beysammen, an die Ortschaften grenzen die Felder in breiten und langen Abtheillungen, die nach der Wölbung des Terrains eine abdachende und wellenförmige Gestalt haben. Die Hutweiden sind kleine unfruchtbare Thäler, die mit Gesträuch verwachsen an steilen Leithen zerstreut umher liegen.
(Anmerkung: Hutweiden sind baum- oder buschbestanden Gründe entlang der Bäche, die weder als Acker oder Felder taugten. Sie dienten dem Vieh als Unterstand oder Weide. )
Die Waldungen bilden nur einige kleinen Parthien, die sich der großen Fläche der Gemeinde verlieren. Die selbständigen Amtschaften, so im Durchschnitt eine von den anderen eine starke Viertelstunde zerstreut liegen, haben ihr Besitzthum unter eigener Amtschaftsgrenze, sind demnach klein, daher hier auch keine eigentliche Ried und Flurbenennung besteht, indem der Riede immer den Namen der betreffenden Ortschaft führen.
Die Steurebezirksobrigkeits-Commisariat und Landgericht ist das Dominium Kammer, die Pfarre mittels einer Kirche zum heiligen Jakob, dem Großen erbaut, ist in loco wie auch eine Schule. Die Kirchen und Schulvogtei besitzt hierüber das Salzburgische Stift Michael Bayern und die Vogtei hierüber die Grafschaft Kammer ausübt.
Aus dem grauen Alterthum der Römerszeiten zeigen sich Spuren, da Seewalchen unter den Nahmen Sevans schon bevölkert war, als auch die nördlichen Gegenden von Vöcklabruck aus bloßen Waldungen bestand; Im Jahr 978 aber, da auch dort schon die Absiedlungen vorkamen, führte eine Straße von Juvavum |: jetzt Salzburg :| hier am Attersee vorüber nach Voklaportum.
Erst im Jahre 1135 kommt Seewalchen wieder in der geschichtlichen Welt vor, in dem das Kloster von Michael Bayern aldort die Zehend und Güter vom Bischof in Passau erhielt, welches sie noch gegenwärtig besitzen, später im Jahr 1436 wurde die gegenwärtige Kirche - wie auch im Jahre 1592 und 1613 der gegenwärtige Amthof erbaut, daher die ältesten Zehentbriefe bis 1635 zurückreichen. Die Geschichte der Zeit, die mit jenen von Kammer genau verbunden ist, liefern auch Sagen, das im Bauernaufstand vom Jahre 1626 bis 1632 in der bayrischen Occupation vom Jahr 1620 bis 1628 die Herrschaft und Pfarre große Drangsalen erlitten haben; nicht minder wurde diese Gegend durch die französischen Kriege und Feldzüge vom Jahre 1800, 1805 und 1809 hart mitgenommen, deselben großen Schaden zugeführt und die benannte Pfarre war vom Jahre 1809 bis 1816 als zum Landgericht Vöcklabruck gehörig- dem Königreich Bayern unterthänig.
Die Ager und die Mitte des Attersees bildeten die Landesgrenze, und seit dieser Zeit herrscht im gemeinen Lebenswandel noch immer die bayrische Reichsmünze, jenseits der Agerbrücke aber trift man nur Wien. Währ. Elsch: als circulierende Münze

§ 2 Grenzen

Diese Gemeinde wird begrenzt
im Osten von Oberachmann und Kammer
im Westen von Litzlberg
im Süden ist der Attersee und
im Norden von Gampern und Pichlwang.

§ 3 Bevölkerung

Nach den Konskriptions Kataster vom Jahre 1834 bestehen selbe aus

438 männlichen und
468 weiblichen
zusammen aus 906 Seelen,
die in 161 Häusern wohnen und 200 Wohnpartheyen bilden.

Von die voranmeldten Wohnpartheyen beschäftigen sich
mit der Landwirtschaft 114 Familien
mit Gewerbe 44 - " –
mit beiden zugleich 15 - " –
mit keinem von beiden 27 - " –
zusammen vorige 200 Familien,

welche letzteren theils Geistliche -Honatioren- theils Auszügler - Taglöhner und Ortsarme sind.

Die gewöhnliche Nahrung besteht aus Brod von Roggen und Linsgetreid, Fleisch im geräucherten Zustand aus den eigenen Rindern oder Schweinen- nicht minder aus Erdapfen, Gemüse - Milch und Mehlspeisen und zum Trunk wird der arbeitenden Menschenklasse und bei schwerer Arbeit Most dargereicht. Bey den größeren Bestiftungen werden 2 Knechte und 2 Mägde, dann bei Schnitt und Heumahd auch Taglöhner verwendet.

§ 4 Viehstand

Dieser besteht

Bennenung der
Thiergattungen
Nach der Conskrip-
tion vom Jahr 1834
Nach der Kataster-
erhebung vom Jahre 1833
S t ü c k e S t ü c k e
an Pferden 115 119
." Ochsen 8 12
" Kühen 401 290
" Jungvieh . 117
" Schaafen 152 152
" Ziegen . 5
" Schweinen . 40

Der Viehstand nach der Katastral=Erhebung ist für die Ertrags=Aufschätzung hinsichtlich der von der Gemeinde im Erhebungs=Protokoll angegebenen Düngererzeugung viel anwendbare- als jener nach der Konskription wie bei der ersteren auch das Jung= und Borstenvieh aufgenommen erscheint; Übrigens kommt aber zu bemerken, daß der Viehstand im Lauf des Jahres auch bisweilen das Doppelte dadurch erreicht, weil durch Viehzucht und Handel derselbe stets veränderlich bald zu bald abnimmt, jedoch wurde bei der Katastral=Erhebung nur der zum Betrieb des Feldbaus und zur Zucht nothwendige stabile Viehstand angenommen.
Die Pferde sind von mitlerem theils böhmischen oder deutschen Schlages, und jener der eigenen Zucht wurde durch die kk. Beschellanstalt zu St. Georgen, wo sich ein Remantierierungsposten befindet, veredelt.
Sie werden mit Heu - gedörrten Klee, dann Weizenstroh als Häkerling ge-schnitten, wie auch mit Hafer und Linsgetreid, sowohl Winter als Sommer genährt, sie dienen zum Handelsfuhrwerk auf dem Markte, Holzverfähren, hauptsächlich aber zum Betrieb der Wirtschaft.
Das Hornvieh, sowohl Ochsen wie Kühe stammen aus eigner Zucht ab, sie sind langen niederen Gebirgsschlags, und werden auch nicht selten durch Salzburger Raue verbessert. Ihre Farbe ist entweder licht - dunkelbraun - oder weiß und braun gescheckt.
Die Ochsen werden im Sommer mit Gras und grünem Klee, im Winter mit gedörrten Klee und Linsfutter dann Stroh als Häksel geschnitten gefüttert und einer bei den stärkeren Verrichtungen erhalten dieselben etwas Körner vermengt unter geschnittenes dürres Futter. Wenn sie zur Arbeit zu schwer oder zu langsam werden, wird ihnen Mastfutter abgereicht und nach geschehener Mastung werden sie an die Mezger oder Viehhändler abgesetzt.
Die Nahrung der Kühe besteht im Sommer aus Gras und grünem Klee - im Winter aus Heu und Lins- und Haberstroh, ziemlich lang als Häksel geschnitten, ihre Nutzung ist Milch-, Schmalz und Kälber- sie sind zum Verkauf und zur Viehzucht bestimmt, daher sie im galten oder alten Stande fett gefüttert und sodann an die Mezger verkauft werden, bei dem Verkauf werden dieselben durch das eigene herangewachsene Jungvieh ersetzt, welches im Sommer mit Gras im Winter mit Weizen und Linsstroh erhalten wird, wie nicht minder auch im Frühjahr einiges Jungvieh zum Verkauf angebothen sich darstellt. Bey der allgemeinen eingeführten Stallfütterung findet hier keine Beweidung dieser Viehgattung statt - und nur im Herbst bei trockenem Wetter läßt man sie bisweilen zu einer Luftbewegung in das Freye. Die Schaafe sind gemeiner grobwolliger Art, haben im Sommer und Herbst die Weide auf der Brache, Stoppelfelden und Angern, im Winter Stroh- dann bei Lämmern gutes Heu zur Nahrung, ihr Nutzen ist Wolle- Felle und Lämmer.
Das Borstenvieh, langer gestreckter Art, bayrischer Herkunft, erhält sich auch mitunter durch eigene Zucht, größtentheils werden aber die Ferkeln im Frühjahr von den Händlern angekauft und sind entweder zur Zucht oder Mastung bestimmt, der vom selben entspringende Nutzen besteht an Fleisch-, Schmalz- Speck, welches aber insgesamt zum Haushalte verwendet wird. Zum Streuh wird das Habern- auch Stoppelstroh - Baumlaub und gehaktes Reisig gebraucht.
Die Erhaltungsprodukte der bemeldten Viehgattungen sind aber nicht vorzüglicher Menge- daher der Dünger nicht so ausgiebig, als in reicheren Gegenden ist, wo durch Fütterung und Streu besonders darauf gesehen wird. Übrigens wird der gesamten Dünger ohne Ausnahme auf die Äcker und Wiesen verwendet.
Bei den größeren Bestiftungen besteht der Viehstand in
3 Pferden oder 2 Ochsen
6 Kühen
4 Stk. Jungvieh
3 Schaafen und
2 Stück Schweinen zur Zucht.
Hühner und Gänse sind wenige - und decken bloß den Hausbedarf - im weiteren sind keine besonderen Zuchten am Federvieh bemerkbar.

§ 5 Flüsse und Bäche

Ein Theil des Attersees ist dem Gebieth der Gemeinde zugetheilt worden, er ist sehr tief- hat lichtgrünes Wasser, ist mit Fischen aller Art gefüllt- und besitzt eine lebhafte Schiffahrt, sowohl mit Blätten, die mit einem Segl versehen werden, als auch mit schmalen langen Einbäumen. Auf diesen werden auch Salz - Holz - Viktualien- Kalk- Vieh und d.gl. nach Kammer- Weißenbach - Unterach - Nußdorf - Steinbach - Weyregg- und Attersee hin- und hergeführt, besonders aber geht Salz - Holz und Kälber. Nach den hier sich bildenden Agerfluß, der sich in Norden bei Lambach in die Traun ergießt, ab, und belebt den Handel. Der Agerfluß wird durch das Ablauf des Attersees gebildet und läuft zwischen hier - Kammer und Oberachmann nördlich bis zur Gemeinde Pichlwang. Er treibt an den Ufer dieser Gemeinde drey Mahlmühlen mit 12 Gängen, 3 Brettersagen und eine Papiermühle. Dieser Fluß ist den umliegenden Gründen nicht schädlich, weil er sich nie über sein Ufern erhebt, auch ist durch die vielen Wasserwerke mit Bauten und Wöhren in der Art versehen, daß er ziemlich geregelt freien Lauf einhält. Der Steinbach kommt westlich von Litzlberg, läuft östlich durch das Steinthall nach Pichlwang und ist ein kleines unbedeutendes Wasser, welches die umliegenden Wiesen bewässert.

§ 6 Straßen und Wege

Bezirksstraßen, die aus der Kreiskonkurrrenz erhalten werden, sind

  • a) von hier nach Schörfling über die hölzerne Agerbrücke, die halb hieher - halb nach Kammer gehört,
  • b) von hier nach Attersee nach St. Georgen
  • c) von hier nach Pichlwang an die Kaiserstrtaße zu Vöcklabruck
  • d) von hier über Gampern, einer hölzernen Brücke über den Steinbach führend, auf die Kaiserstraße und quer über diese nach Frankenburg.

Sie befinden sich alle in gut fahrbahrem Zustande. Gemeindewege, die aus der Pfarrkonkurrenz erhalten werden, geht eine nach Pichlwang, eine andere nach Litzlberg, welche in mittleren Stande sich befindet, andere Gemeindewege von einer Ortschaft zur anderen werden von den Ortsbewohnern in ziemlich schlechten Zustande hergehalten.
Der See, der Agerfluß und die vielen Kommerizalstraßen tragen alle zum lebhaften Verkehr für den Pfarrort Seewalchen besonders bei.

§ 7 Marktplätze

Einflußhabende Marktplätze sind

  • a) Schörfling, wo alle Mittwoch, und
  • b) Vöcklabruck, wo alle Samstag Wochenmarkt abgehalten wird,
  • auch Frankenburg - Vöcklamarkt (12) und St. Georgen, besonders die Viehmärkte werden besucht.

§ 8 Cultivierte - unbenützte und unbenützbare Grundstücke

Die Katastralvermessung - die Vorarbeiten und die auch diesem zum Behuf der Schätzung verfaßten Klassifizierungen wiesen folgende Resultate
(vereinfacht)

Benennung der
Grundstücke
Flächenmaaß  
  Joch Klftr
A) Cultivierte    
Aeker 1150 813.4
Wiesen 484 565.2
kleine Garten 12 878.0
Gärten 35 202.5
Hutweiden 15 123.9
Hochwaldungen 196 188.5
B) Unbenüzte Sämtl.
Partificationen
   
die Bau Area 10 182.4
C) Unbenützbare 149 963.5
Zusammen 2053 717.4


Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich folgendes Verhältnis:
die kultivierten Flächen verhalten sich
zu den Unbenützten wie 189 : 1
zu den Unbenützbaren wie 10 : 1.

§ 9 Grunderzeugnisse

Auf dem Ackerland werden gemeindeüblich erzeugt:
Winterweizen, Winterkorn, Linsgetreid, Hafer, Erdapfl, Leinsamen, Flachs, Kleefutter, ausnahmesweise auch Sommerwaizen und Korn, reiner Gerste und weiße Rüben.
Die Wiesen geben süßes, gemischtes und saures Heu und Grummet.
Die Gärten Frisch-, Dörr- und Mostobst, wie auch Grasplätze zum Grünfutter.
Die Hutweiden liefern süße Gräser und Gestrüpp aller Arten.
Die Hochwaldungen geben Fichten und Tannen.
Seit dem Jahre als der Viehaustrieb aufgehört hat, nahm die Beschrenkung eines regelmäßig eingehaltenen wandernden Dreyfeldersystems ab, indem die Zäune mit Ausnahme der arrondierten Gebirgsgütter, in den Feldfluren abgebrochen werden. Man bemühte sich seit dieser Zeit den Kleebau zu vermehren, welchen die Fläche des ehemaligen Brachfeldes angewiesen wird, wodurch der Gewinn an Futter auch den Viehstand vergrößerte und mit diesem Dung die mehr Düngererzeugung dem Feldbau verbesserte und zwar der Art, daß jetzt bedeutend mehr Waitzen gebaut wird, wie auch selbst die Erdapfl und der Flachs in die Brache tretten.
Auf diese Weise entstand stillschweigend die nunmehrige Fruchtwechselwirtschaft, die selbst durch den Gewinn des Düngers auf die Wiesenkulturen den wohlthätigsten Einfluß nimmt, indem diese bei der schon allgemein einführten Stallfütterung, doch zweimal gemäht werden können. Somit seit einer Generationsfolge die Produktion mit den Gras derzeit in Allen vorwärts geschritten ist.

§ 10 Cultur des Bodens

Selbst den das man hier den in loco vorfindigen Kalk- und Steinmergel als Erdmischung zur Verbesserung des Bodens in langen Zwischenräumen periodisch wie-der-holt, hat auch die Kultur des Bodens einen Aufschwung erhalten, indem durch ein öfteres Akern und Eggen in schmalen bettartigen Furchen der Boden gelockert und das überflüssige Wasser nach den Niederungen oder Abzugsgräben, oder auch in die das Ackerland umfangenden Wiesen abgeleitet wird.
Die Düngung geschieht regelmäßiger und zwar zum Roggen, Erdapfeln und Flachs ganz, zum Klee und Waizen aber als Saatdünger nur halb. Der vermehrte Viehstand, dann die vorhandenen Waldstreu lassen ein Quantum Dünger erwarten, der so viel beträgt, als der Aker in der Quantität Früchte abwarf- nur jene somit den Viehstand zurück sind, müssen die Aeker noch unbenützt in der Brache erhohlen lassen.
Die Saaten werden fleißig gejättet, weil in der feuchten Lage die Grasnarbe natürlich vorherrschend ist. Die Winterfrüchte werden so hoch abgeschnitten, daß noch über Schuh langes Stoppelstroh zum Mähen für die Streu bleibt- diese samt den eingerissenen Kleestoppeln dient als vegetabilische Düngung, welche in Verbindung mit den animalischen Hilfsmitteln die humöse Fruchtbarkeit des Bodens noch steigert, den überhaupt eine glückliche Mischung von Sand-, Lehm- und Kalkschotter hat, daraus nun folgert sich auch der Grund, warum häufiges Linsgetreid gebaut wird, indem der nun loker tiefe Boden schon der Gerste zuträglich wird und die untermengten Schattengewächse meistens in grünem Zustand mit der Sommerfrucht gemäht, das sogenannte Linsfutter produciert, welcher dem Heu im Werthe gleichgehalten wird. Man fördert auch, daß alle Sommerfrüchte gemäht und in Rittich eingebracht werden. Der Klee wird gegypst und auf Stangen gehüfelt, der Flachs gerauft, und die Bohlen da man bloß Spremglein baut, in der Sonne gereift. Der Saamen aller Früchte wird eingeeggt und der Kleesaamen unter das Linsgetreid gemengt, mit diesem gebaut.
Der große Fleiß und die hohe Betriebsamkeit, die fruchtbare Lage und Bodeneigenschaft in einem mäßig feuchtem Klima erhält und lohnt die Kultur des Bodens ungemein.
Die besseren Wiesen werden ihrer besseren Verrichtung wegen bewässert. Die Hausgärten und anderen Wiesen werden aber gedüngt, und nur die schlechten einmähdigen bleiben der Natur überlassen, übrigens auch in den sauren Wiesen Gräben gezogen und Entwässerungen vorbereitet.
Die Gärten so zum Obst- und Grasnutzen bestimmt sind erhalten starke Düngung, und werden auch mit Düngejauche übergossen.
Die Hutweiden so meistens aus veredelten Mergelgruben bestehen wie auch die Hochwaldungen erhalten keine Kultur.
Die Hindernisse welche der Verbesserung des Kulturstandes im Wege stehen, sind die periodisch wiederkehrenden Hagelschläge, die manchmal total , manchmal aber nur oben hin Schaden machen.
Daß dieser Umstand öfters den Landwirth nöthiget, wegen Mangel an allen, den Viehstand einzuschrenken , und sich dafür Brod für den Winter und Saamen für den Bau einkaufen muß, sezt ihm empfindlich in der Kultur des Bodens zurück, mithin dieses als ein bedeutendes Hindernis hier eingesehen werden kann.
Wird mit Bezug auf den § 8 das daselbst nachgewiesen Flächenmaß der ganzen Gemeinde einer Größe von 1000 gleich gehalten, so ergibt sich in nachstehenden Kulturgattungen ein gleichmäßiges Verhältnis zu einander wie folgt
beim Ackerland 608 zu 1000
beim Wiesenland 256 zu 1000
bei kleinen Garten 6 zu 1000
bei Gärten 18 zu 1000
bei Hutweiden 8 zu 1000
beim Waldland 104 zu 1000.
Dem zu folge stehen die Kulturgattungen in gutem Verhältnis zu einander, nur an Waldungen dürfte diese Gemeinde einen größeren Flächenraum besitzen. Der Viehstand ist sowohl was die Bearbeitung der Grundstücke als die Düngererzeugung anbelangt im richtigen Verhältnis zu den Ausdehnungen der Wirtschaften - der Bau des Klees - Linsfutter und Erdapfl gibt hinlänglich Viehfutter, wodurch die Viehzucht und der Erwerb durch Viehverkauf schon sehr um sich greift.

Auch die Zahl der Arbeiter bey allen Wirtschaften ist mehr als hinlänglich.

Bey den landwirtschäftlichen Verrichtungen bedient man sich

  • des gemeinen Pfluges
  • der Egge mit hölzernen und eisernen Zähnen
  • der Leiterwägen und Schlitten
  • der Garren [Karren]
  • der Adelfässer
  • der Stich-, Fuß- und Grabschaufel
  • der Mistgabeln
  • der Sicheln und Sensen mit Sensendängeln
  • der Heugabeln - Rechen und Kleehüfelstangen
  • der Kornschaufeln
  • der Korn und Flachsblachen
  • die Körbe und Säcke
  • der Haaröfen und Brecheln
  • der Mostpresse und Gartenmesser
  • der Getreidebutzmühle
  • der Trischeln und Stecken
  • der Sieben und Reitern
  • der Kraut und Rübenhachel mit Bodungen und Stoßeisen wie auch
  • der Fässer zum Most und Essig
  • des Butterrührfassels
  • der Holz-, Ast, Schratt- und Handhacke,

den Tischler-, Zimmer- und Eisenwerkzeuge, als

  • der Hand- Baum- und großen Waldsäge
  • Stricke, Beile, Hämmer und dgl. und überhaupt aller zum Betrieb der Wirtschaft

notwendigen Werkzeuge.

Die Zeit des Anbaus fällt nach den local und heimatlichen Verhältnissen

  • beim Waizen und Korn Anfangs September
  • Linsgetreid und Hafer Ende März
  • Erdapfel und Lein im May mit dem Brotgetreid zugleich.

Die Ernte erfolgt

  • beim Korn Ende July
  • beim Waitzen Ende July und Anfang August
  • beim Linsgetreid dto.
  • beim Hafer mit Ende August
  • Erdapfln mit halben Oktober
  • Lein und Flachs mit halben September.

Der Klee wird mit halben July zum ersten, und halben September zum 2ten Male geschnitten.

Die Heufechsung fällt um Johani - und jene des Grummets im Monath September, bei den einmähdigen Langwiesen um Laurenzie.

§ 11 Grunderzeugnisse - Qualität und Anwerth derselben

Die Produkte des Ackerlandes sind im ganzen genommen, in ziemlich guter Qualität, den die sonst trockene sonnseitige Lage hat Einfluß auf die Reife der Körner. Die Futterkräuter als Klee und Linsfutter sind von der besten Qualität und werden bei Hause verwendet.
Die Erzeugnisse des Wiesenlandes sind gut, bis auf jene der einmähdigen sauren Wiesen, die schlechte sumpfartige Gräser hervorbringen.
Die Garten=Produkte, bestehend aus Obst und Gras, sind nur mittlerer Qualität. Die Wälder geben gutes weiches Brennholz.
Ueber den Bedarf wird an Körnern nicht viel erzeugt, denn die Volksmenge ist zu groß, weshalb auch hier besonders das Linsgetreid, welches schon mit der Reife der Gräser gemäht wird, zur Brodfrucht dient, dagegen der Roggen auf den herumliegenden Märkten verkauft wird.
Das Heu findet Anwerth und Absatz in loco selbst, wozu die vielen Straßen besonders beytragen. Das Holz wird hier auf dem Holzplatz auch aus anderen Gemeinden sowohl hartes als weiches hier aufgestellt, und auf dem See oder auch zu Land, nach den nördlichen Gegenden verführt.

§ 12 Gattungen des Grundeigenthums und Anzahl der Bestiftungen

In dieser Gemeinde bestehen Domicialgründe
Rustical Haus gründe
und freye Überlandgründe
welche letzte unter den Nammen walzende Gründe in allen Kulturgattungen vorkommt.

An Bestiftungen sind vorhanden:
1 große Domicial Oeconomie des Michael Bayrischen Stiftes, genannt der Amthof, dann
4 ganze Bauern mit 41 Joch
18 halbe Bauern mit 20 bis 30 Joch
32 Viertel Bauern mit 10 bis 20 Joch
48 Söllnen mit 3 bis 10 Joch
12 Pointen mit 1 bis 3 Joch

Widmung der übrigen Häuser 1 Kirche
1 Pfarrhof
1 Schulhaus
1 Domicialgebäude
1 Papierfabrik und
41 Kleinhäusler ohne Grundbesitz.

In dieser Gemeinde nehmen folgende 11 Grundherrschaften Einfluß, als
Herrschaft Freyn
 - "   Kammer
 - "   Litzlberg
 - "   Mondsee
 - "   Schmieding
 - "   Amthof Seewalchen
 - "   Pfarrhof Straßwalchen
 - "   Wagrein
 - "   Walchen und
 - "   Windern.

Die Zehentherrschaft ist der Amthof zu Seewalchen allein, die Vogteiherrschaft stellt das Dominium Kogl und Kammer vor.

§ 13 Häuser

In der Ortschaft Seewalchen selbst sind die Wohnhäuser selbst halb aus Stein halb aus Holz erbaut niedrig und mit 1 Stockwerk versehen. Die Wirtschaftsgebäude aus Holz mit Brettern eingedeckt.
Die Mühlen und Gewerkshäuser sind gut und fest erbaut, und zeigen von Wohlhabenheit ihrer Besitzer. In den übrigen Ortschaften sind die Wohnungen meistens aus Holz, und haben nur eine gemauerte Grundfeste; Wohn- und Wirtschaftsgebäude umschließen den Hof; die Dachungen sind Holz und das Ganze sieht ärmlich und unrein aus.
In den wechselseitigen Feuerversicherungsanstalt zu Salzburg sind von dieser Gemeinde 132 Häuser assecuriert.

§ 14 Industrialgewerbe

Unter den hier befindlichen 59 Gewerben sind folgende, die sich durch Indust-rie besonders auszeichnen.

  • 1) 3 Mahlmühlen mit 15 Gängen und 5 Arbeitern
  • 2) 3 Sägen, welche beiläufig im Durchschnitt des Jahres 4200 Blöcher verschneiden und 1400 Fuhren Zeugholz aller Art liefern.
  • 3) eine Papiermühle, welche beyläufig im Jahr 120 Ballen Schreibpapier erzeugt, wozu 700 Ztnr. Stratzen - 50 Ztnr. Leinloden und 6 Ztnr. Alaun, dann 180 Klft. Holz verbraucht werden.
    Diese Papiermühle hat eine Hallnede und 2 Bütten wird durch 6 Arbeiter betriebm.
    Das erzeugte Papier wird sowohl in das Inn- als auch Ausland verwerthet.
  • 4) eine kleine unbedeutende Brandweinbrauerey, welche im Ganzen fünf Eimer Erdapflbrandwein erzeugt.
  • 5) Sieben Leinweber, wovon die Gewerbstreiber zum Bauern auf dir Sterr gehen, und in der Zwischenzeit auf ihre Faust aus 200 Buschen Garn beyläufig 140 Stke Leinwand verfertigen.

Quelle

  • OÖ. Landesarchiv, aus der Kurrentschrift übertragen von Johann Rauchenzauner.