Sagen aus Seewalchen

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Die Sagen aus der Pfarre Seewalchen und Umgebung sind Kulturgut am Attersee.

Inhaltsverzeichnis

Die Kirche von Kemating

Über die Erbauung gibt es folgende Sage:

Die Gläubigen wollten ihr Gotteshaus anfänglich auf dem nahen Hausberg errichten (dort wo heute Wiespoint liegt). Fleißig schleppten sie Baumaterial herbei, aber in der Nacht trugen Engelshände die Steine auf den heutigen Standplatz der Kirche. Die Leute wunderten sich und brachten die Sachen wieder an den alten Ort. Doch sieh da! Am nächsten Tag waren Holz und Steine wieder im Tal. Jetzt erkannten die Leute den Willen des Herrn und erbauten an der angezeigten Stelle das Heiligtum.[1]

Die Franzosen in Kemating

Vor vielen Jahren kamen nach Kemating fremde Soldaten, die in den Häusern der Ortschaft einquartiert wurden. Hier schlemmten und prassten sie, während die Dorfleute hungernd zuschauen mussten. In einem Hause, wo es besonders toll zuging, verlangten die wüsten Gesellen von der alten Inwohnerin ein gutes Mahl. Bereitwillig erfolgte die Zusage; denn das Weib war eine Hexe. Neugierig und lüstern folgten die Krieger in die rußige Stube. Die Frau machte Feuer und murmelte dabei unverständliche Worte. Plötzlich sprangen zur Türe schwarze Schweine herein und umtanzten grunzend die Alte. Den Soldaten wurde unheimlich zumute und scheu drückten sie sich in die Ecke.

Nun nahm die Hexe eine große Pfanne von der Wand und rief mit grellender Stimme: „Kommt herbei ihr lieben Tiere und gebt!”. Da klatschte und platschte es auf dem Steinpflaster des Vorhauses und dicke Kröten mit rollenden Augen hüpften herein und spien das Schmalz in die Pfanne. Jetzt packte kaltes Grausen die wilden Krieger. Sie stürzten zur Tür hinaus und flohen zum Nachbar, der sofort einspannen und sie fortbringen musste. So groß war ihr Schrecken.[1]

Das Anbinden

Dem alten Bartl von Oberwang wurden in der Nacht alle Ketten von den Schlitten gestohlen. Früh meldete dies der Knecht. Der alte Bartl sagte: „Sei nur ruhig, heute um Mitternacht bekomme ich sie wieder.” Und wirklich! Um Mitternacht klopfte es ans Fenster und eine Stimme fragte, wo sie die Ketten hinlegen soll. Bartl antwortete, man möge sie am Boden liegen lassen, morgen fände man sie ohnehin. Es war der Nachbar gewesen, der aus Furcht vor dem „Anbinden”, welche Zauberei Bartl verstand, die Ketten zurückbringen musste.[1]

Was ein Vergeltsgott wert ist!

Ein armes Weiblein kam zu einem Fleischer und verlangte ein Stückchen Fleisch. Der Metzger fragte die Frau, ob sie auch zahlen könne. Die Frau meinte, sie hätte kein bares Geld, sie könne aber dafür ein Vergeltsgott rückgeben. Jetzt lachte der Metzger höhnisch und rief, dass er für ein Vergeltsgott kein Fleisch geben könne. Da machte ihm das Weiblein den Vorschlag, soviel Fleisch herabzuschneiden, was ein solcher Dank wiege. Der Fleischhauer war damit einverstanden. Das Weib schrieb das Wort auf ein Blatt Papier und legte es in die Waagschale. Der Metzger warf ein Stücklein Fleisch in die andere Schale und erwartete, dass diese nun sinken werde. Wie erstaunte er aber, als sie empor schnellte, und er gar ein ganz großes Stück nehmen musste, bis die Fleischwaagschale zum Sinken gebracht werden konnte. Er schenkte dem Weiblein das Fleisch und merkte sich die Lehre.[1]

F. C. Ginzkey dichtete zu dieser Sage die „Ballade vom Vergeltsgott”, Balladenbuch 1931
Ballade vom Vergeltsgott von F. K. Ginzkey

Die Sage vom Daniel Hausjell

Ein gewisser Daniel Hausjell ging eines Abends von Pichlwang nach Ulrichsberg. Auf einmal kam ein mit zwei schwarzen Rappen bespannter Wagen nach und Daniel wurde eingeladen, mitzufahren. Wie im Sturmwind ging es über Stock und Stein. In seiner Todesangst rief Daniel: „Im Gottesnamen”. Da lag er auch schon auf einem Maulwurfshügel in der Wiese.

Im Witzlkirchner Walde hörte er ein anderes Mal jämmerlich rufen. Auf seinen Antrag der Hilfeleistung wurde er aber abgelehnt, weil er ein Stück Brot in der Tasche hatte (Gottesgabe).

Bei der Schönpossenwiese sah er einmal sieben kohlschwarze Rappen. Er wollte sich einen einfangen. Doch im Nu waren es bei fünfzig Stück, die ihn umringten. Auf einmal kam ein Mann mit einer roten Hahnenfeder auf dem Hütchen und sagte, er könne sich den schönsten Rappen auswählen, wenn er seinen Namen in dieses Buch schreibe. Jetzt ahnte er, wen er vor sich habe und schaudern lief er, verfolgt von der Rossherde und ihrem Hirten nach Hause.[1]

Der fluchende Bauer

Ein Bauer fluchte bei jeder Gelegenheit. Einmal tat er dies auch auf dem Acker. Plötzlich hielt eine unsichtbare Hand das Gespann und ließ es nicht fort. Der Mann verlor neun Jahre die Sprache zur Strafe.[1]

Hundegejaid

Sämtliche Hunde der Gemeinde jagten oft vom Hausberg bei Kemating bis nach Rutzenmoos. Einmal kam auch der Häusler „Moser im Knäul” zu der Meute, die da heulend an ihm vorüberzog. Plötzlich stand ein prachtvoll aufgezäumter Rappe vor ihm und ließ ihn nicht mehr weitergehen. Unheimlich funkelten die Augen des Renners und heißer Odem strömte aus seinen Nüstern. Moser ergriff die Zügel und mit den Worten „Da geht´s in Gottesnamen!” schwang er sich auf den Rücken des Hengstes. Doch im selben Augenblick ertönte ein unheimliches Gewieher und Gelächter und Moser lag auf einem Scherrhaufen in der Wiese. Hunde und Ross waren verschwunden. Schweißtriefend kam der Wanderer nach Hause und erzählte zitternd von der Begebenheit.[1]

Die Teufelsgrube

Zwischen Steindorf und Gampern - abseits der Bezirksstraße - ist eine Grube, in der voreinst der Leibhaftige hauste. Jeden Wanderer, der in nächtlicher Stunde vorüberging, lockte er unter allerlei Gestalten verborgen in die Grube, wo er ihn die ganze Geisterstunde quälte und höhnte, bis der erste Schrei eines Hahnes Erlösung brachte.[1]

Anmerkung: Weniger Gläubige sahen die Ursache für eine derartige Übernachtung in dieser Grube weniger im Teufel, sondern eher im Alkohol. Und der Rausch sollte eben bei ersten Hahnenschrei ausgeschlafen sein.

Die versunkene Kapelle

Zwischen Seewalchen und Steindorf ist eine Stelle, in der es ziemlich sumpfig ist. (Fleischhackerwiese). Dort soll einst eine schöne Kapelle gestanden sein, die nunmehr in der Erde versunken ist. Einmal hatte es lange Zeit geregnet und die Ernte war gefährdet. Die Leute beteten und opferten, aber der liebe Gott erhörte sie nicht. Da murrten sie wider den Schöpfer und in ihrem Zorne beschlossen sie, zum Satan um Hilfe zu rufen. Sie gingen in die Kapelle, verspotteten dort Gott, höhnten ihn und riefen: „Wenn du es nimmer kannst, so hilft uns ja der Teufel.” Kaum gesprochen, umzuckten fahlgelbe Blitze das Kapellchen, brausend fuhr ein Windstoß daher und ein furchtbarer Donnerschlag erzitterte die Wände. Die Erde tat sich auf, Schwefelflammen loderten empor und Luzifer stieß höhnisch lachend seine Beute in das ewige Feuer.[1]

Der Hund des Teufels

Ein Bauer ging einst zur mitternächtlichen Stunde durch den Tann. Heulend fuhr der Wind durchs Gezweig, daß die alten Föhren ächzten und stöhnten, und am Himmel jagte er Wolken dicht geballt am bleichen Mond vorüber. Ängstlich lief der Bauer seinen Weg und scheu blickte er nach allen Seiten. Da gewahrte er zu seinem Entsetzen einen riesigen schwarzen Hund an seiner Seite, der lautlos neben ihm hertrabte. Die funkelnden Augen, die gespenstisch den Weg erleuchteten, und die lange rotglühende Zunge, ließen den Wanderer ohne Zweifel, wer sein Begleiter sei. Zähneklappernd fing nun der Mann zu beten an, aber nur leise, um ja den Höllischen nicht zu reizen. So gings durch den Wald und als der Rand des Gehölzes erreicht war, sah der Mann auch den Hund nicht mehr, lautlos war er in der Erde versunken. Nun war der Bauer wieder froh und betend eilte er seiner Behausung zu.[1]

Der Geizhals

Vor vielen Jahren lebte hier ein Mann, der durch seine Habgier eine Truhe Gold zusammengewuchert hatte. Als er sein Ende herannahen fühlte, vergrub er seinen Schatz im tiefen Walde und auch den Schlüssel zur Truhe, damit ja niemand das Gold erhalten sollte. Bald darauf verschied der Mann und seine schwarze Seele hatte der Höllenfürst heimgeholt. Nach langer, langer Zeit verirrten sich einige Wanderer in diesem Walde. Auf einmal leuchtete ein Gebüsch grellrot auf, und die Erschreckten erblickten einen Mann, um den Flammen züngelten, der bitterlich weinte. Händeringend rief er ihnen zu: „Ich bin in der Hölle, weil ich hier unrecht Gut verscharrt habe. Die Tränen der Armen, aus denen ich das Geld erpresste, treffen mich als glühend heiße Tropfen. Ich kann nicht eher Ruhe und Erlösung finden, bis nicht Menschenhände den vergrabenen Schatz gehoben und unter den Armen verteilt haben. Nehmt den Schlüssel, den ich schon gefunden habe und sucht nach der Goldtruhe hier in der Erde, dann bin ich Unglückseliger erlöst.” Die Leute bekreuzten sich und eilten entsetzt davon, denn sie meinten, Urian wolle sie nur in den Zauberbereich locken und dann verderben. Und so versank der Geizige wieder in die Tiefe und muss dort für ewig Qualen erleiden für seine Habgier.[1]

Die Sage von der Kapelle in Roitham

In Roitham bei Seewalchen lebte einst ein armer frommer Knabe, der oft zum Muttergottesbilde in die Kapelle kam, um hier zu beten. Einmal wollte er der Himmelskönigin eine kleine Freude bereiten. Er hatte nämlich einen großen rotbackigen Apfel erhalten. Mit diesem eilte er zur Muttergottes, um ihr die köstliche Frucht zu schenken. Wie so der Kleine inbrünstig den Apfel empor reichte, kam Leben ins Bild. Die Hehre neigte sich, nahm lächelnd das Geschenk des unschuldigen Kindes und wies auf einen Stein des Pflasters des Kirchleins. Dann war alles wieder wie vorher. Der Knabe griff zitternd vor Überraschung und Schrecken nach dem schweren Steine und, siehe da, der ungefüge Pflasterstein ließ sich drehen und federleicht heben. Dem Knaben, der vor Erstaunen Augen und Mund aufriss, funkelten gleißende Goldstücke entgegen. Sein Blicke wandte sich zur Himmelsmutter und diese nickte mild und gütig dem Bittenden zu. Rasch füllte sich der Junge die Taschen mit dem edlen Metall und sprang frohgemut nach Hause. Bald hatte sich das Glück des Kindes im Dorfe verbreitet und es wurde der Knabe so lange bestürmt, bis er den Platz zeigte. Jetzt schleppten die Leute kostbare Geschenke der Mutter Gottes herbei, aber das Bild blieb starr und kein Stein des Pflasters rührte sich. Und als man mit Gewalt das Pflaster aufbrach, fand man eine Menge Kieselsteine unter demselben liegen. Dem braven Kinde blieb Maria aber immer gewogen und in Zeiten großer Not durfte er sich in der Kapelle immer einige Goldstücke holen.[1]

Der Fluch

In Gampern schnitt einmal ein Mann während des Gebetläutens Futter. Die Sache nahm aber nicht den gewünschten schnellen Verlauf, drum fluchte und wetterte der Knecht in schrecklichen Worten. „Da soll der Teufel Futter schneiden”, war der Wunsch des Ungläubigen. Kaum gesagt, fing der Futterstock von selbst zu schneiden an und eine schwarze Gestalt mit einem Bockfuße bediente das Messer, dabei grässliche Flüche ausstoßend. Dem Knecht stieg das Grausen auf und nun fand er Worte des Gebetes. Der Mann am Futterstock wurde immer kleiner und mit einem furchtbaren Blicke auf den Zitternden zerfloss er in Nebelschwaden, der nach Schwefel riechend zur Dachluke hinauszog. Jetzt wusste der Mann, wer sein Gehilfe gewesen war und nie mehr kam ein Fluch über seine Lippen.[1]

Die Sage von Berg

Der Rödbauer von Berg und seine Tochter gingen in die Mette. Als sie schon ein Stück vom Haus weg waren, fiel es der Tochter ein, dass sie das Gebetbuch vergessen habe. Sie eilte zurück und ist seit dieser Stunde spurlos verschwunden. Niemand hatte sie mehr gesehen. Am nächsten Tag stand ein schwarzer Stier im Stall, der das Zuggeschirr trug. Als man es ihm abnahm, flog es von selbst wieder auf das Tier. Dabei hatte der Stier unheimliche Kräfte und konnte ganze Bäume samt der Wurzel umreißen und fortschleppen. Bald starben beide Bauersleute zu gleicher Stunde. Als die Leute während des Wachtens in der Stube saßen, verschwanden die Leichen und der Stier. Die drei sah man dann öfters. Er fuhr mit einem Schubkarren, sie trug eine große Laterne und die Tochter einen Krug. Den Fragenden antworteten sie: „Im Jahr drei Tag.” Dann ziehen sie weiter zur Strafe für ihren Geiz. [1]

Diese Sage gibt es auch in einer anderen Version:

Zwei Schwestern gingen am Osterbeichttag nach St. Georgen im Attergau. Eine lief um das vergessene Gebetbuch zurück und wurde seit dieser Zeit nicht mehr gesehen. Nach vielen Jahren soll man sie mit einer Scheibtruhe und einer Schaufel fahren gesehen haben.

Beim Aicher im Baum

wurde alle Nacht das Vieh ledig. Der Besitzer, welcher alles mögliche dagegen tat, konnte sich zum Schluss nicht mehr helfen. In seiner Verzweiflung wandte sich der Bauer an ein altes Weiblein in Aich bei Nußdorf am Attersee. Die Frau stand im Rufe einer Wahrsagerin und Zauberin. Diese erklärte dem Bauern, dass jene Person, die ihm immer das Vieh ablasse, mittags, wenn es in Gampern 12 Uhr läutet, beim Fenster, das neben dem Brunnen ist, hereinschaue. Es war die Magd des Hauses.[1]

Anmerkung: Im Volksmund wird diese seltsame Frau, als Zauberin aus Aich bei Nußdorf als Binkerl Annamirl genannt. Sie soll verschiedene Zauber, wie „Anbinden" (d.i. z.B. Festhalten eines Obstdiebes am Baum) oder mit Hilfe eines „Weltspiegels" das Auffinden von Diebsgut beherrscht haben.
Der Name „Binkerl-Annamirl" kommt, weil sie kranken Leuten ein „Binckerl" mit Heilkräutern gab.
Siehe auch „Geschichten aus Nußdorf" von Oskar Schmutzer (Salzkammergut-Zeitung 1928).

Der Schneider auf der Stör

Ein Schneider war in Hinterbuchberg auf der Stör. Der Hausherr rührte die Butter. Als die Butter fertig war, nahm er sie heraus und schmierte sie. Dies sah der Schneider. Als der Mann hinausging, nahm sich der Schneider von dieser Schmiere. Abends gab er der Schneiderin von dieser Salbe und sie schmierte das Butterfass. Als sie zu rühren anfingen, klopfte es am Fenster. Ein Mann rief herein: „Wenn du mit meiner Schmiere willst rühren, musst du zuerst unterschreiben.” Die Schneiderleute wussten jetzt, wer draußen stand, unterschrieben nicht und waren so gerettet.[1]

Die gottlose Wirtin

Drei Bauern und eine gottlose Wirtin trieben einmal Spott mit dem Allerheiligsten. Die Wirtin „speiste” die drei Männer mit Wurstradeln ab. (Nachahmung der hl. Kommunion) Kaum hatten sie begonnen, stürzten sie leblos nieder.[1]

Der Peterbauer in Lichtenberg

war ein Viehhändler. Als er einmal um Mitternacht seinem Hause zuging, sah er schon von weitem, dass alle Fenster beleuchtet waren. Er beschleunigte seine Schritte, da tönte ihm Jodeln und Stampfen, sowie das Singen der Tanzenden entgegen. Er klopfte an die Haustür und im selben Augenblicke erlosch das Licht und tiefe Stille lag über dem Anwesen. Der Bauer weckte seine Leute und frug um das Gesehene und Gehörte. Doch diese haben nichts vernommen, da sie alle geschlafen hatten. Zu gleicher Zeit, als sie das erzählten, erscholl aus der Hoarstube derselbe Lärm einer Musik- und Tanzunterhaltung. Mit klopfenden Herzen liefen sie alle hin, aber im selben Augenblick war der Spuk weg und niemand weiß bis heute die Deutung.[1]

Die Sage vom Kronberg

Ein Bursch ging einmal um Mitternacht vom „Heimgarten” heim. Da hörte er vom Lichtenberg herüber Juchzen. Da dachte er sich, er müsse auch einmal rufen, damit die am Lichtenberg wissen, dass die Kronberger auch noch munter seien. Aus voller Brust jauchzte er und schickte noch einen frischen Jodler nach. Plötzlich juchzte es bedeutend näher und der Bursch gab darauf die Antwort. In diesem Momente hörte er hinter sich ein Rauschen und gröllende Jauchzen, dass er Reißaus nahm und über Stock und Stein nach Hause sprang. Unter der Tür machte er noch einen Jauchzer und dann flog sie ins Schloss. Neugierig guckte der Bursch zum Fenster hinaus und sah eine riesige zottige Gestalt herzuspringen, die behende am Fensterkreuz emporstieg und das Haus rüttelte, dass es in allen Fugen krachte. Dann eilte der Geißhörnige - er war's gewesen - weiter. Wenn später der Bursch mit seinen Kameraden durch den finsteren Wald ging und diese juchzen wollten, so weinte er und bat so lange, bis sie von ihrem Vorhaben abließen, weil er meinte, die schreckliche Gestalt verfolge ihn wieder.[1]

Die versunkene Kirche

Der Attersee und der Mondsee sollen einmal ein See gewesen sein. In der Nähe von Seewalchen stand einmal ein kleines Kirchlein. Es hatte sich zugetragen, dass es lange Zeit trocken war. Als die Leute in dieser Kirche waren, murrten sie gegen Gott und riefen den Teufel um Hilfe. Da öffnete sich die Erde und die Gottlosen versanken in der Tiefe.[1]

Der unheimliche Gast

Einmal spielten die Männer in einem Hause Karten. Sie fluchten und lästerten dabei. Auf einmal klopfte es an der Haustür und ein großer Man trat herein, um Herberge ersuchend, die ihm gewährt wurde. Bald spielte er auch mit und gewann alle Spiele. Jetzt gingen die Nachbarn heim und die Hausleute legten sich zur Ruhe, dem Fremden noch vorher in der Stube ein Lager bereitend. Um Mitternacht weckte ein unheimliches Getöse die Schläfer. Als man aber Licht machte, war es still. Dreimal wiederholte sich der Lärm. Am frühen Morgen weckte die Bäuerin den Fremden, welcher sich zum Tisch setzte und der Bäuerin Brotaufschneiden zu Suppe zuschaute. Da fiel der Hausfrau eine Schnitte unter den Tisch. Sie bückte sich und sah, dass der Mann Geißfüße hatte. Die verängstigte Bäuerin bekreuzigte sich und im selben Augenblick war der Wanderer verschwunden.[1]

Die Habgier

Ein Mann in Seewalchen hatte durch seine Habgier eine ganze Truhe voll Gold zusammengewuchert. Als er sein Ende nahe fühlte, vergrub er die Truhe mit dem Reichtum und den Schlüssel im tiefen Wald, damit niemand das Gold bekäme. Bald darauf starb er. Einige Zeit darauf verirrten sich Leute im Wald und sahen es plötzlich im Gebüsch aufleuchten. Ein Mann stand dort, von roten Flammen umzüngelt. Weinend und händeringend rief er ihnen zu: „Mein Gold das ich armen Leuten herausgepresst habe, ist hier im Wald vergraben und ich kann nun nicht eher Ruhe finden als bis Menschen den Schatz gehoben und ihn den Armen geschenkt haben. Nehmt den Schlüssel, den ich schon gesucht habe, aus meiner Hand und helft mir!". Die Leute aber hielten diese Erscheinung für einen Teufelsspuk, bekreuzigten sich und liefen davon. Daraufhin versank der Geizige und er leidet weiterhin an seinen Qualen, bis sich einmal jemand seiner erbarmen wird.[2]

Quellen

  • [1] Adolf Bocksleitner: Seewalchen am Attersee, ein Heimatbuch; Verlag Julius Wimmer, Linz, September 1929
  • [2] Oberösterreichisches Sagenbuch, Albert Depiny, Linz 1932