Sagen aus Aurach

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Alte Sagen aus Aurach wurden von Albert Depiny (1932) im Oberösterreichisches Sagenbuch herausgegeben und von den Aurachern über Generationen weitergegen.

Inhaltsverzeichnis

Das versunkene Schloß auf der Riesleite

Der Schirfgrubberg in der Nähe von Aurach am Hongar, ein vorspringender Rücken des Hongars, weist gegen Norden einen Steilabfall auf, den der Volksmund als Riesleite bezeichnet. Diese senkrecht abstürzende Sandsteinwand dürfte auf einen ehemaligen Felssturz zurückzuführen sein. Durch die sogenannte Teichgasse gelangen wir zum Fuße der Riesleitenwand, wo sich ein kleiner Teich, der einmal viel größeren Umfang gehabt haben soll, ausbreitet. Alte Leute wissen durch Überlieferung zu berichten, daß die Spitze dieses Berges einst von einem stolzen Schlosse gekrönt war. Bis vor etwa 100 Jahren ragte aus der Tiefe des Teiches ein Kreuz als letzter Überrest des darin versunkenen Schlosses hervor.

Mit dem Untergange hatte es folgende Bewandtnis: Die stolz ins Land hinausragende, unbezwingliche Burg wurde von einem mächtigen Rittergeschlechte bewohnt. Rauschende Festlichkeiten, ausgelassene Fröhlichkeit und übermütiges Leben und Treiben widerhallten Tag und Nacht in den Räumen der Burg. Was die zinspflichtigen Bauern der Umgebung ablieferten, das verpraßten die Ritter mit ihren Freunden und verlegten sich schließlich, um ihren gewöhnten Genüssen nicht entsagen zu müssen, auf Raub, Mord und Plünderung. Unermeßliche Schätze trugen sie zusammen und führten ein Leben ärger denn je. Die rächende Nemesis schwebte aber bereits über den Zinnen des Raubritterschlosses und eines Nachts, als sich die Ritter mit ihren Frauen wiederum einem tollen Gelage hingaben, versank die Burg samt allem. Kein Stein blieb auf dem anderen, nur ein Holzkreuz ragte noch als unheimliche Warnung freventlichen Tuns aus dem trüben Wasser des Teiches. Von dieser Stunde an lag lange Zeit auf dem am Fuße des Schirfgrubberges von Aurach nach Sicking führenden Fußweges ein schwarzer Hund mit glühenden Augen und bewachte einen mit Schätzen gefüllten Sack. Es war niemand anderer als der Burgherr, der ob seines lasterhaften Lebenswandels samt seinen Genossen der ewigen Höllenstrafe verfallen war.

Quelle: Hödl, Aurach

Die Sage vom Hosenflickerwald zu Aurach

In der Nähe der Ortschaft Grafenbuch der Gemeinde Aurach ist ein Wald, der den seltsamen Namen „Hosenflicker" führt. Man erzählt sich von diesem Wald folgende Sage:

Einst stand in dem Talboden des Waldes eine Brunnenhütte, die der Teufel gerne zu seinem Aufenthalt wählte. Er saß auf dem Dache der Hütte und flickte an seiner Hose. Gingen Leute vorbei, die zerrissene Kleider anhatten, so wurden ihnen die schadhaften Stellen vom Teufel in sehr unliebsamer Weise ausgebessert und „ausgebaut". Seit damals trägt der Wald den besonders unter Kindern sehr gefürchteten Namen „Hosenflicker".

Quelle: R. Bernhard

Die riesigen Wirtstöchter beim Turm (Hongar)

Ein reicher Wirt hatte zwei schöne Töchter, die aber an Größe und Stärke alles übertrafen. Weit und breit eilten die Burschen herbei, um die Hand einer der Schönen zu erreichen, aber alle mussten sich wieder zurückziehen, denn die Riesinnen, obwohl recht gutmütig, hassten jeden Widerspruch, und stets waren alle verloren, die nicht nach ihrem Geheiß taten. Das verdroß die Männer und es warb niemand mehr um sie. Trotz ihres Reichtums und ihrer Schönheit mussten sie unvermählt sterben.

Quelle: K. Glonings, Volkssagen

Die Sage vom Teufelsbauer

Der Teufelsbauer in Aurach, ein arger Flucher, ging mit dem Riedl Peter von Vöcklabruck heim und fluchte so, dass ihn Peter verließ. Der Bauer holte ihn aber wieder ein. Bei der Straßenkreuzung Aurach – Schörfling trennten sie sich. Peter war kaum 50 Schritte weggegangen, hörte er den Bauer jammern und schreien, lief rasch zurück und fand ihn, am Boden liegend, mit etwas Unsichtbarem kämpfen. Er wollte ihm aufhelfen, brachte ihn aber keine Handbreit weg, erst als er zu beten begann, gelang das Werk, dabei rauschten die Bäume und eine dunkle Gestalt glitt in den Wald. Peter trug den bewusstlosen Bauer heim. Der siechte dahin und starb unbußfertig, wie er gelebt hatte.

Quelle: Website sagen.at

Quelle

  • Oberösterreichisches Sagenbuch, hrsg. v. Albert Depiny, Linz 1932