Rumpelspiel

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100 Jahre altes Rumpelspiel im Wirtshaus in Baum

Das Rumpelspiel (auch "Dranl", "Drauhn'l" genannt - von drehen, Kreisel) ist ein Tischkegelspiel, das seit Jahrhunderten im Alpenraum gespielt wird. Mit einem über 100 Jahre alten Rumpelspiel wurde im Wirtshaus in Baum, Gemeinde Berg im Attergau, bis in die 1930er Jahre gespielt. Jetzt kann es im Museum Aignerhaus in St. Georgen im Attergau besichtigt werden. 2013 wurde ein Nachbau für Vorführungen im Aignerhaus und bei Veranstaltungen erstellt.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Der Name Rumpelspiel leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort "rumpeln" ab, das poltern, lärmen, geräuschvoll oder auch tollpatschig bewegen usw. bedeutet.

"Die Welt ist sein (des Teufels) Rumpelspiel", meinte schon Martin Luther um 1525 in einem Brief an die Antwerpener.

Der Begriff Rumpelspiel wird auch für unansehnliche Fußballspiele verwendet. Angeblich soll Franz Beckenbauer im Jahr 2000 diesen Begriff erstmals in einem Interview verwendet haben.

Im Auseerland werden Spieler der steirischen Harmonika Rumpelspieler genannt. Dies wird aber wohl nicht wie beim Fussball abwertend gemeint sein.

Bauvarianten

Das Rumpelspiel kommt in verschiedensten Ausführungen vor. Interessante Ausführungen sind der "Ultner Rumpler" aus dem Ultental in Südtirol, das "Drauhn'l" (Dranl, Draunh'l = Kreisel) aus dem Ennstal in der Steiermark oder das Kegelspiel aus dem Felixe-Minas-Haus im Tannheimertal, Tirol.

Die einzelnen Kammern im Ultner Rumpler werden nach Räumen in einem Bauernhof benannt. So gibt es die Rossknechtskammern, die Mägdekammern oder auch die Speckkammer im hintersten Teil des Spiels, wo der "wertvollste" Kegel steht.

Die Besonderheit des Drauhn'ls, wie es in Wirtshäusern des Ennstals verwendet wurde, ist, dass es direkt in einen Wirtshaustisch eingebaut wurde und mit der Tischplatte schnell geschlossen werden kann. Zu sehen im Schlossmuseum Trautenfels.

Im Attergauer Rumpelspiel - wahrscheinlich früher auch "Dranl, Drauhn'l" genannt - steht der König (der wertvollste Kegel) in einer offenen Kammer (vergleichbar einem Fronleichnamshimmel) in der Mitte des Spiels, fast perfekt geschützt durch eng stehende Stangen.

Spielablauf

Gemeinsam ist all diesen Ausführungen, dass Kegel in verschieden schwer erreichbaren Kammern aufgestellt sind und daher auch unterschiedliche Wertigkeiten aufweisen. Die Kegel in den leichter erreichbaren Kammern haben einen niedrigeren Wert, während die Kegel in den hintersten schwer erreichbaren Kammern die höchsten Werte aufweisen.

Die Kegel werden durch einen Kreisel zu Fall gebracht. Der Kreisel wird mit einer Schnur in Bewegung gesetzt, und so einem das Glück hold ist passiert er die verschiedensten Durchlässe in die Kammern. Ein guter Spieler ist in der Lage den Kreisel so in Drehung zu bringen, dass er lange in Bewegung bleibt. Weniger Einfluss hat er aber auf die Wege des Kreisels und damit auf das Fallen der Kegel. Gewinner ist jener Spieler, der die höchste Punktezahl erreicht, die vom Fallen vor allem der höherwertigen Kegel abhängig ist.

Den besten Eindruck über die Funktion des Spiels kann man in dem folgenden Video gewinnen. Ein Klick auf das Videobild genügt und schon fallen die Kegel, aber nicht immer so schnell.

Rumpelspiel im Video

Verbotenes Spiel

Das Rumpelspiel war früher vor allem ein Spiel der Männer im Wirtshaus. Wie bei vielen Spielen wurde auch um Geld gespielt. Um die Spieler vom Verlust hoher Summen (bis zum Verlust von Haus und Hof) zu schützen, wurden diese Spiele schon im 18. Jahrhundert verboten. Vielfach wurden sie aber im Geheimen weiter betrieben. Da war es durchaus praktisch, wenn man so wie beim Drauhn'l im Ennstal mit dem Auflegen der Tischplatte das Spiel schnell "verschwinden" lassen konnte.

Quellen und Weblinks