Papiermühle

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Die Papiermühle um 1870

Die Papiermühle oder Mühle in der Au, ehemalige Adresse Pettighofen 12, Gemeinde Seewalchen am Attersee, ab 1939 Gemeinde Lenzing, war eine Mühle und Säge an der oberen Ager, die unter dem Begriff Siebenmühlen zusammengefasst wurden. 1601 begann die Papiererzeugung aus Hadern.

Inhaltsverzeichnis

Chronik

Der Beginn

Die Mühle in der Au ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Sie gehörte zum Stift Michaelbeuern, vertreten durch den Amthof Seewalchen.

Am Beginn des 16. Jahrhunderts war Linz ein wichtiger Umschlagplatz für süddeutsches Papier, welches in Konkurrenz zu italienischem Importpapier stand. Wahrscheinlich haben die Kaufleute von den Papiermärkten in Augsburg und Nürnberg schwäbische Papiermacher ermutigt, nach Österreich, darunter auch nach Oberösterreich zu kommen, um dort ihr eigenes Papier herzustellen. So wurde u. a. in Vöcklabruck und Steyr ein eigenes Papier mit hohem Flächengewicht, mit großer Dicke und mit fester harter Qualität hergestellt.

1601 vermerkt die Chronik den Namen Andreas Wider, seines Zeichens „Papierer in der Au”, der die Mühle in der Au erwarb und in eine Hadernmühle umwandelte. Seit dieser Zeit war sie als Papiermühle in Betrieb. Ursprünglich wurde das Papier handgeschöpft, später kam ein Walzwerk dazu.

Die Hochblüte unter Peyr

Die Papiermühle war von 1690 bis 1877 im Besitz der Familie Peyr. Nachdem ein späterer Besitzer, Georg Niederdorfer, früh verstarb, heiratete die Witwe Maria Susanna im Jahr 1690 den aus dem Sächsischen kommenden Papierer Christian Peyr und begründete damit eine über vier Generationen erfolgreiche Papierer-Familiendynastie. Dem Christian Peyr folgte sein namensgleicher Sohn (+1784), diesem Franz Joseph und ihm Anton Peyr, der erste Bürgermeister von Seewalchen am Attersee.

Die Papiermühle in der Au erlebte im 19. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte. Das Papier kam bis nach Spanien und Amerika. Auch der österreichische Hof und die österreichische Armee kauften heimisches Papier, darunter auch solches aus oberösterreichischen Mühlen. 1798 stand die Mühle in der Au mit einer Jahresproduktion von 124 Ballen an dritter Stelle der oberösterreichischen Papiermühlen (nach Harrachstal und Garsten).

1835 wurde im Papiermacherbuch auf die „neu Art Papier zu machen” hingewiesen. Bis in die 1850er Jahre dürfte aber die Handpapierherstellung noch recht gut gegangen sein. Danach geriet die Peyr’sche Papiermühle zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sie hatte die entscheidende Umstellung von der bisherigen Hadernverarbeitung auf die industrielle Papiererzeugung aus Zellstoff, vor allem wegen dem frühzeitigen Tod eines Peyr-Erben, nicht mitgemacht. Die Papiermühle hatte sich überlebt, die Kunst des handgeschöpften Papiers wurde von Papiermaschinen konkurriert.

Ende und Neubeginn

1870 wurde die Handschöpferei eingestellt, 1871 suchte Peyr um die grundbücherliche Löschung der „radizierten Papiermühlen-Gerechtigkeit” an.

Am 21. März 1891 kaufte der Papierindustrielle Emil Hamburger die Papiermühle, um dort ab 1894 eine industrielle Papierfabrik neu zu errichten. Am 1. August 1896 eröffnete die Papierfabrik Pettighofen ihren Betrieb. Die Papierfabrik Pettighofen war damit nach dem Kauf der Starlingermühle in Arnbruck die zweite Papierfabrik, die Emil Hamburger an der Ager in Betrieb nahm. 1894 kaufte Emil Hamburger auch noch die Häuser Pettighofen 18 und Pettighofen 11, die auch im Besitz der Peyr-Familie waren.

Anekdote aus der Franzosenzeit

Aus der Peyr'schen Familienchronik wird berichtet, dass 1809 auch Napoleon und sein General Neu durch das Agertal gezogen seien und dabei den Mühlerburschen Johann Hubinger, der äußerst gutaussehend war, mitgenommen hätten. Er kam sogar nach Paris, musste aber bald wieder nach Wels aufbrechen, um ein Mädchen, in das sich General Neu unsterblich verliebt haben soll, nach Paris zu bringen, was dem Hubinger auch gelang. Die junge Schönheit wurde von Neu persönlich in Paris empfangen. Das weitere Schicksal des Mädchens ist nicht bekannt. Johann Hubinger kam aber nach zwei Jahren in Paris wieder auf die Papiermühle zurück. Er brachte es auf der Mühle auf insgesamt 62 Dienstjahre und wurde dafür bei einer Festveranstaltung in Linz als Erster prämiert.

Besitzerfolge

  • 14xx Michael Mülner
  • 1464 Wernhart (Mülner)
  • 1470 Georg (Müllner in der Au) und Sibilla
  • 1518 Jacob Tanzmüller und Katharina
  • 1548 Michael Erlinger und Barbara
  • 1550 Michael Erlinger und Margaretha (2. Ehe)
  • 1589 Sebastian Erlinger und Apolonia
  • 1594 Georg Aigner, Verwalter von Erlinger
  • 1599 Hans Ehrenreich Aigner (Bruder von Georg)
  • 1601 Wolfgang Nidermair und Regina, Pfleger von Wartenburg
  • 1601 Andreas Wider und Margaretha (geb. Dobner)
  • 1607 Margaretha (Witwe Wider), 2. Ehe mit Michael Pock
  • 1612 Michael Minnich (früher Pfarrer in Schörfling)
  • 1622 Gregor Dünner (Schwager von Hans Minnich)
  • 1623 Hans Minnich (Papierer Georg Kloss, Pächter ab 1625)
  • 1643 Heinrich Zick
  • 16xx Kaspar Senngst
  • 1668 Georg Niederdorfer und Susanna (geb. Höglinger)
  • 1690 Christian Peyr und Susanna (Witwe Niederdorfer)
  • 1750 Christian Peyr und Maria Regina (geb. Reibersdorfer)
  • 1771 Christian Peyr und Maria Anna (geb. Auböck)
  • 1785 Josef Stadlmann und Maria Anna (Witwe Peyr)
  • 1797 Christian Peyr und Franziska (geb. Gumpenhuber)
  • 1814 Josef Peyr (Bruder von Christian) und Anna Franziska (geb. Hofmann)
  • 1841 Anton Peyr und Theresia (geb. Peyer/Attersee)
  • 1854 Anton Peyr geht nach Amerika, kehrt aber im selben Jahr wieder zurück
  • 1871 Stilllegung der Papiermühle
  • 1877 Theresia Häupl, Anna Hinterhuber, Maria Mayer (Peyr-Töchter).
  • 1885 Anton Stallinger und Katharina (geb. Rauchenzauner)
  • 1891 Emil Hamburger (Papierindustrieller)
  • 1907 Lenzinger Papierfabrik Aktiengesellschaft (siehe weitere Entwicklung unter Papierfabrik Pettighofen)

Film: Papiererzeugung aus Hadern

In den Papiermühlen entlang der Ager wurde Papier aus Hadern (Stoffreste) erzeugt, bevor die Papiererzeugung aus Zellstoff erfolgte. Der folgende Film aus dem Jahr 1974 zeigt am Beispiel einer kleinen "Hadernmühle" im Waldviertel (NÖ.) den Arbeitsprozess von der Hadernaufbereitung bis zum fertigen Büttenpapier. Die im Film gezeigte Wurzmühle in Bad Großpertholz ist nach wie vor in Betrieb und kann besucht werden.
Der Film wurde nur für AtterWiki von Frau Ulla Weber, Unterach, zur Verfügung gestellt. (längere Ladezeit)

Bilderarchiv

Weblinks

Quellen

  • Georg Eineder, The ancient paper-mills of the former Austro-Hungarian Empire and their watermarks, Paper Publications Society - Hilversum, 1960
  • Zeitschrift: Lenzinger Nr. 3/88: „Holz und Wasser, Mühlen und Papier”
  • Zeitschrift „Papier in Österreich” Nr. 12/1992: „In der Au Papier geschöpft” von Prof. Dr. Gottfried Schweizer
  • Chronik der Marktgemeinde Seewalchen
  • Stiftsarchiv Michaelbeuern
  • Grundbucheintragungen
  • Johann Rauchenzauner, Seewalchen am Attersee
  • Transkriptionen und Aufbereitung Franz Hauser