Niedermayrsäge

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Altes Holzhandwerk im touristischen Umfeld

Die Niedermeiersäge in Nußdorf am Attersee wurde 1872 gegründet und in den 1980er Jahren auf die Erzeugung von Holzgartenmöbeln umgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Johann Nussdorfer, Besitzer des Niedermeierhofes in Nussdorf meldete am 25. März 1872 bei der K.k. Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck das Gewerbe einer „Brettersäge“ an. Das Sägewerk wurde am Unterlauf des Nußdorferbaches (Nesslbaches) zwischen dem Ortszentrum und dem Attersee, neben einer bestehenden Hausmühle errichtet.

Wasserkraft

Das Wasser des Nesselbaches wurde an einer Wehr gestaut, floss in Holzrinnen zuerst über das „oberschlächtige“ Wasserrad der Mühle und von dort auf das größere Wasserrad des Sägewerkes. Diese Leistung reichte gerade aus um ein sogenanntes Augsburgergatter anzutreiben. Um das oft sehr spärlich zur Verfügung stehende Wasser zu nützen, wurde Tag und Nacht gesägt. Die „Sagknechte“ schliefen in einer Kammer im hölzernen Sägewerksgebäude und wechselten sich bei der Arbeit ab.

In der Zwischenkriegszeit um 1938, den Jahren einer weltweiten Wirtschaftskrise, errichtete der Enkel des Gründers, Georg Hemetsberger, eine Turbinenanlage um eine höhere Leistung zu erzielen. Es wurde 16 Höhenmeter oberhalb des Sägewerksgeländes ein betoniertes Staubecken mit 500 Kubikmeter Wasserinhalt errichtet. Von dort führte eine Druckrohrleitung bis zum Sägewerk. Das Rohr hatte einen Innendurchmesser von 30 cm und war etwa 300 Meter lang. Es war in einem Stück aus Lärchenholz, ähnlich wie ein Fass, gebaut, mit Eisendraht umreift und außen mit Bitumen gestrichen. Nach einer Lebensdauer von etwa 30 Jahren wurde es um 1960 durch Eternitrohre ersetzt. Die Peltonturbine lieferte bei einem Wasserdruck von 1,6 bar, einem Düsendurchmesser von 50 mm und einem Schaufelrad-Durchmesser von einem Meter eine Leistung von 10 PS. Bei wenig Wasserzufluss reichte der Teichinhalt für etwa zwei Stunden Vollbetrieb. Es dauerte oft einen halben Tag lang bis der Teich wieder mit Wasser voll war. Mit dieser Leistung wurde über Transmissionen mit langen Wellen und Lederriemen ein Horizontalgatter und ein Vollgatter angetrieben. Ab 1985 wurde die Turbinenanlage stillgelegt und durch ein Diesel-Stromaggregat mit 200 KVA Leistung ersetzt.

Neubau 1948

Nach einer Brandlegung durch zwei Jugendliche im Jahr 1948 wurde das Sägewerk neu errichtet. Die Versicherungssumme reichte gerade aus um einen Elektromotor mit 25 PS zu kaufen. Die maschinelle Ausstattung waren ein Vollgatter mit 50 cm Stammdurchlass, ein Seitengatter, zwei Kreissägen und ein Sägenschärfautomat. 1954 wurde ein großes Vollgatter angeschafft, mit dem Stämme bis zu einem Meter Durchmesser geschnitten werden konnten. Diese außergewöhnliche Maschine wurde 1913 von der Maschinenfabrik Esterer in Altötting in Bayern gebaut, arbeitete 40 Jahre lang in einem Sägewerk in Bruck-Fusch im Salzburger Pinzgau, weitere 30 Jahre in Nußdorf und tut später seinen Dienst, fast 100-jährig, in einem Sägewerk im Salzburger Tennengau.

Holzvermarktung

Zu Beginn hatte die Niedermeiersäge, wie viele andere eine sehr begrenzte regionale Bedeutung. Es wurde Bauholz und Tischlerholz für Abnehmer in der Umgebung gesägt. Restholz wurde von einem Köhler zu Holzkohle für die örtlichen Schmieden gebrannt. Doch bereits vor 1900 wurde Schnittholz auf dem Wasserweg auf Flößen bis Wien und Budapest geliefert. Der Bahnausbau erlaubte später Geschäftsverbindungen nach Deutschland. Während des zweiten Weltkrieges musste viel Holz für Interessen der Reichsverwaltung geliefert werden. Der Wiederaufbau nach dem Krieg löste eine starke Nachfrage aus und das erzeugte Schnittholz wurde über Holzhändler in ganz Europa verschickt.

Lohnschnitt

Das Esterer-Vollgatter erlaubte das Sägen von Holzstämmen mit einem Durchmesser bis zu 1 Meter. Die üblichen Sägewerke der Umgebung waren auf kleinere Stammgrößen eingerichtet. Die Spezialisierung als Lohnschnittsägewerk für Starkholz war 30 Jahre lang von 1954 bis 1985 die wesentliche Existenzgrundlage der Niedermeiersäge.

Durch Rationalisierungsmaßnahmen und den Einbau leistungsfähiger Antriebsmotoren konnte die jährliche Einschnittmenge auf 3000 Festmeter mit nur einer Arbeitskraft (dem Inhaber Manfred Hemetsberger) gesteigert werden. Das war zu dieser Zeit im Vergleich zu den damals modernsten Sägewerken Österreichs mit etwa 1000 fm Einschnitt pro Mitarbeiter und Jahr, die dreifache Leistung.

Gartenmöbel

Das Sägewerk wurde in den 1980er Jahren nach und nach auf die Herstellung von rustikalen Gartenmöbeln umgestellt. Tannenholz aus dem Salzkammergut ist wegen seiner vorteilhaften Eigenschaften im Außenbereich (leicht, harzfrei, dauerhaft) das bevorzugte Material für die Herstellung der Hemetsberger-Möbel. Die Abnehmer reichen von Nordeuropa bis Israel und vom Burgenland bis in die USA, von Privatkunden über die Gastronomie bis zu den führenden Möbelhandelsketten. Im Kundenkreis befinden sich prominente Namen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur.

Nachfolge

Seit dem Jahre 2007 führt die Firma Ebner Holzbau & Service GmbH den Betrieb der Familie Hemetsberger fort. Über die Gartenmöbelproduktion hinaus werden Carports, Wintergärten, Innentüren und Böden, Steganlagen, Uferbefestigungen, Pilotagen, Bootshütten, Holzschiffsbau und Marineservice und sämtliche Holzbauarbeiten ausgeführt. Das Stammhaus ist die seit 1928 bestehende Firma Jakob Ebner BauGmbH & Co KG in Mondsee.

Bildergalerie

Quellen

Manfred Hemetsberger, Nußdorf am Attersee