Lager Thalham

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Lager Thalham Hinweis.JPG
Lungenheilstätte Thalham
RAD-Lager Thalham 1938
Flüchtlingslager, Stand Ende 1948

Das Lager Thalham liegt in der Gemeinde St. Georgen im Attergau und erlangte vor allem als Erstaufnahmestelle (EAST) West des Innenministeriums österreichweite Bekanntheit.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Grundstück, auf dem das Lager errichtet wurde, liegt zwischen der Dürren Ager und dem Mühlbach der ehemaligen Gruber-Mühle und bildet so eine Insel. 1938 wurde das Grundstück vom Reichsarbeitsdienst angekauft.

Reichsarbeitsdienstlager (RAD-Lager)

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich errichtete der Reichsarbeitsdienst[1] 1938 auf dem Wiesengrundstück ein RAD-Lager. Die untergebrachten Arbeiter hatten verschiedene Bauaufgaben zu erfüllen, so z. B. die Errichtung eines Güterweges nach Schönhag (Spitzerwirt in Kogl).

Flüchtlingslager, Tuberkulose-Heilanstalt und Pflegeanstalt

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Lager als Flüchtlingslager für Heimatvertriebene. In mehreren überfüllten Flüchtlingslagern der Umgebung drohten Epidemien. In den Lagern Nußdorf, Seewalchen, Kammer, Pettighofen und Thalham waren jeweils über 500 Heimatvertriebene untergebracht. (In ganz Oberöstereich zählte man noch 1948 etwa 130.000 heimatvertriebene Volksdeutsche). Vor allem die Bekämpfung der Tuberkulose war notwendig geworden. Im Lager Thalham bot sich die Möglichkeit eine Isolierstation einzurichten. Als Leiter dieser Lungenheilanstalt wurde vom Land OÖ Dr. Josef Reiter eingesetzt. Mit medizinischen Geräten, die Dr. Reiter und sein Team aus dem ehemaligen Steyrer Kriegsgefangenen-Lazarett retten konnten, konnte ein Anfang gesetzt werden. Am 21. Juni 1947 wurden die ersten TBC-Patienten aufgenommen. Die provisorische Isolierstation wurde eine moderne Lungenheilanstalt, in der in den Jahren 1951/1952 220 Patienten versorgt wurden. Nach dieser Zeit verringerte sich laufend die Patientenzahl, so dass am 31. Dezember 1960 die Tuberkulose-Abteilung, die von Primar Dr. Karl Tüchler geführt wurde, aufgelöst werden konnte.

Im Jahr 1954 war das Lager vom großen Hochwasser betroffen und musste evakuiert werden. Im Jahr 1956 kamen nach dem Ungarn-Aufstand viele Flüchtlinge aus Ungarn in das Lager.

In der Zwischenzeit wurde die Anstalt, die als Flüchtlingslager gewidmet war, eine Aufnahmestelle für Chronisch-Kranke. Schließlich wurden im Lager Thalham Kranke und Hilflose betreut, die aus verschiedensten Gründen weder in häuslicher Pflege noch in einem Krankenhaus versorgt werden konnten. Anfang 1964 waren etwa 95 Pflegefälle in der Anstalt untergebracht.

Immer wieder wurden Flüchtlinge aus den Krisenherden dieser Welt aufgenommen. In den 1960er Jahren waren dies z. B. Flüchtlinge aus Uganda. In den 1970er Jahren kamen bedingt durch den Vietnamkrieg viele Vietnamesen ins Lager Thalham. Nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" Ende der 1980er Jahre kamen Flüchtlinge aus den Oststaaten und später Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet des ehemaligen Jugoslawiens.

Erstaufnahmestelle (EAST) West

Einfahrt Erstaufnahmestelle West Thalham

Für die Durchführung des Asylgesetzes von 2005 wurden in Österreich drei Erstaufnahmestellen eingerichtet. Das Zentrum auf dem Flughafen Wien, das Zentrum Ost in Traiskirchen und das Zentrum West in Thalham bei St. Georgen im Attergau.

Die Erstaufnahmestellen sind seit Jahren Gegenstand der politischen Diskussion.

Im Lager Thalham sind zwischen 100 und 180 Asylwerber untergebracht. Ein Abkommen zwischen der Marktgemeinde St. Georgen und dem Innenministerium sieht eine Höchstbelegung von 120 Asylwerbern vor. Diese Zahl kann vor allem durch den immer mehr steigenden Flüchtlingsstrom aus dem Nahen Osten nicht gehalten werden.

Die Erstaufnahmestellen in ihrer heutigen Form sollen aufgelassen werden und durch Verteilzentren in allen Bundesländern ersetzt werden. Das Lager Thalham wird sicher noch viele Jahre eine erste Heimstätte für Flüchtlinge aus aller Welt bleiben.

Lageplan

Quellen

  • Dr. Josef Reiter, Die Pflegeanstalt in Thalham, siehe Gemeinde St. Georgen: St. Georgen im Attergau, Gemeinde St. Georgen 1964, 2. Auflage 1982
  1. Reichsarbeitsdienst in der Wikipedia