Konditorei Rohringer

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Die Café-Konditorei Rohringer in Seewalchen war über Jahrzehnte der Inbegriff der Konditorei- und Kaffeehauskultur am Attersee.

Inhaltsverzeichnis

Ein Konditor aus Wien kommt nach Seewalchen

Heinrich Rohringer der Ältere (1902 bis 1993) stammte aus einer Wiener Tischlermeisterfamilie. Bei Ludwig Bartsch´ Witwe (die Cafe-Confiserie Bartsch am Wiener Schottenring besteht noch heute) erlernte Rohringer das Zuckerbäckerhandwerk. Nach einigen Jahren in einer Wiener Konditorei legte er 1932 die Meisterprüfung ab und eröffnete eine eigene Konditorei in Langenzersdorf (damals Wien).

Cäcilia, Renate (Schwiegertochter) und Heinrich Rohringer

Eine Verletzung an der Hand, die er sich beim Basteln zuzog und ihm einige Finger kostete, machten ihn kriegsuntauglich. So kam er während des 2. Weltkrieges nach Seewalchen und war mit einigen Soldaten für die Bewachung der Kriegsgefangenen im Amthof und ihre Zuweisung zu den örtlichen Landwirten zuständig.
Hier lernte er dann auch seine zweite Frau Cäcilia kennen. Die junge Familie wohnte bis 1954 in Bisamberg bei Wien.
1953 kaufte die Familie Rohringer in der Seewalchner Hauptstraße ein Grundstück. Dieses gehörte ursprünglich zur Goldbergwiese und wurde nach dem Bau der Umfahrungsstraße von der Gemeinde zum Verkauf angeboten.

Die Konditorei Rohringer im Jahr 1956

Auf diesem Platz errichteten sie ein Haus, übersiedelten 1954 nach Seewalchen und begannen dort ein Jahr später mit der Erzeugung und dem Verkauf bald allseits beliebter Konditorei-Erzeugnisse. Damit ist die Wiener Backkunst in Seewalchen eingezogen.
In Seewalchen wuchsen auch die Söhne Heinrich, Erwin und Hannes auf. Die Konditorei in Langenzersdorf übergab er seiner Tochter aus erster Ehe.

Die Eismaschine

Die Seewalchner Kinder dieser Zeit erinnern sich noch an das vorzügliche Eis, welches Rohringer herstellte.
Das kam nicht von ungefähr: um den sagenhaften Preis von 70.000 Schilling kaufte Rohringer gleich am Anfang eine italienische Eismaschine der Marke Catabriga samt Eiskonservator. Es war das neueste Modell – bereits mit Kompressor ausgestattet. Um den stolzen Preis dieser Eismaschine hätte man auch eine schöne Liegenschaft bekommen.
Schon einige Zeit vor der Eröffnung wurde die Maschine geliefert und musste natürlich ausprobiert werden. Heinrich Rohringer fror so viel, dass die vier Tiegel voll wurden. Das waren 40 Liter Eis. Cäcilia Rohringer wusste nicht, wohin mit dem ganzen Eis und verschenkte es an die vorbeikommenden Kinder. Das hat sich schnell herumgesprochen und im Nu stieg die Zahl der Gratis-Eis-Konsumenten. Und so mancher kam zu spät und hatte das Nachsehen. Er wurde aber mit einem Schokolade-Riegel getröstet.
Ein Rohringer-Tüteneis um 50 Groschen war in den 1960er Jahren der Inbegriff der Kinderträume.

Das Café

Am Anfang umfasste die Konzession lediglich Erzeugung und Verkauf. Einige maßgebliche Herren sahen den Bedarf eines Kaffeehauses nicht gegeben. Erst mit Unterstützung einer Brauerei gelang es im April 1958, die Zustimmung für ein vorerst kleines Stüberl zu bekommen. Da musste das Schlafzimmer geräumt werden und dort wurde das erste kleine Café eingerichtet.

Ulrike und Heinrich Rohringer

Seit dieser Zeit ist also die Wiener Kaffeehaus-Kultur nach Seewalchen gekommen. Bald war es notwendig, an der Ostseite des Hauses einen Zubau zu errichten.
Mit immerhin 53 Jahren hat Heinrich Rohringer d. Ä. in Seewalchen eine zweite Karriere begonnen und arbeitete noch bis weit über 70 in der Backstube mit.
1970 übergaben die Eheleute Rohringer Konditorei und Kaffeehaus an ihren Sohn Heinrich (d.J.), der mit seiner Frau Ulrike den Betrieb übernahm.
Nach seiner Konditortätigkeit ging Rohringer d.Ä. bis ins hohe Alter einem neuen Hobby nach und unterhielt unterhalb des Pfarrhofes einen Gemüsegarten. Für sein Gemüse hatte er dieselbe glückliche Hand wie für seine Mehlspeisen und versorgte dann die Familie mit seinen Gartenprodukten.

Die zweite Generation

Heinrich Rohringer d.J. und seine Frau führten das Café und die Konditorei fort. Zweimal, 1974 und 1984, haben sie das Geschäft erweitert und renoviert. Das Kaffeehaus bot nun Platz für rund 100 Gäste. Das war auch notwendig, denn der Ruf des „Rohringer“ ging mittlerweile weit über Seewalchen und den Attergau, ja über die Landesgrenzen hinaus.
Bis zu 15 Leute waren beschäftigt: 3 Gesellen, Angestellte im Service und Verkauf sowie 3 Lehrlinge. Manchen ist vielleicht ein japanischer Lehrling mit Namen Novohiro in Erinnerung. Er wurde dann der jüngste japanische Konditormeister und exportierte die österreichische Backkunst bis nach Japan.
Man konnte oft gar nicht sagen, was die Rohringer-Spezialität war. Jeder Gast hatte seine eigene Erinnerung: der eine die „Atterseetorte“, jemand anderer eine andere Mehlspeise, Krapfen oder Milchbrot, das berühmte Teegebäck, natürlich das Eis oder was auch immer. Das Geheimnis war eigentlich das gleiche: beste und feinste Zutaten und niemals damit sparen.

Anekdote

Das Café Rohringer nach dem letzten Umbau 1984

Die Familie Rohringer war auf Schiurlaub in Mühlbach am Hochkönig. Sie machte Mittagsrast und ein ihnen unbekannter Mann setzte sich zu ihnen. Seinen Topfenstrudel aß er mit wenig Begeisterung und meinte, dieser Strudel sei wirklich nichts Besonderes. „Am Attersee“, bemerkte er, „da hab ich einmal einen ausgezeichneten Topfenstrudel gegessen. Wenn sie einmal nach Seewalchen kommen, müssen sie in die dortige Konditorei gehen! Das zahlt sich aus!“ Die Rohringers hat das jedenfalls gefreut.

Die letzten Jahre

Im Jahr 2005 übergaben Ulrike und Heinrich das Geschäft ihrem Sohn. Die guten Jahre gingen aber zu Ende. Der Anschluss an die großen Zeiten gelang nicht mehr.
Am 31.12.2010 mussten Cafe und Konditorei zusperren, sehr zum Leidwesen der vielen Besucher und Stammgäste. Das Haus in der Hauptstraße wurde verkauft und wartet vielleicht auf einen Neuanfang.

Quellen und Fotos

  • Heinrich Rohringer, Seewalchen am Attersee