Kirtage

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Der Schörflinger Kirtag im Oktober 2012

Die Kirtage haben ihre große wirtschaftliche Bedeutung für die ländliche Bevölkerung weitgehend verloren. Ihre Faszination ist geblieben.

Inhaltsverzeichnis

Jahrmärkte

Das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten, wurde meist vom Landesherrn – häufig im Rahmen des Marktrechtes – verliehen. So haben diese Märkte oft eine jahrhundertelange Tradition.
Der Jahrmarkt findet häufig im Zusammenhang mit dem Festtag des Kirchenpatrons und dem Kirchweihfest statt. Neben den religiösen Feiern sind die Buden und Stände, in denen die fahrenden Händler Waren aller Art anbieten, der große Anziehungspunkt.
Für die Jugend gibt es vielseitige Vergnügungen und über Jahrzehnte blieben Autodrom, Schaukeln, Karussells und Schießbuden die ungebrochenen Attraktionen.

Kirtag kaufen
Und es gehört sich, jemandem einen "Kirtag zu kaufen". Dies ist eine kleine Aufmerksamkeit für die Angehörigen, die Burschen und Mädchen. Es sind dies z.B. Lebkuchenherzen - oft mit schönen oder witzigen Sprüchen, Türkischer Honig, Zuckerwatte, Kokusbusserl oder Schaumrollen, also die zu Kirtagen gehörigen Süßigkeiten.

Häufig haben am Kirtag die Geschäfte des Ortes geöffnet und in den Wirtshäusern - und in jüngerer Zeit häufig auch in den von Vereinen betriebenen Zelten - herrscht Hochbetrieb.
Früher war der Kirtagstanz im Saal eines Gasthauses ein weiterer Höhepunkt des Markt-Wochenendes.

Kirtage heute

Einführung Simonimarkt in St. Georgen - Marktarchiv St. Georgen

Kirchtage und Jahrmärkte 1830

(nach Benedikt Pillwein)

  • Aurach: Kirchtag am Montage nach Alexis.
  • Gahberg: Kirchtag am Montage nach den hl. Dreifaltigkeitssonntag.
  • St. Georgen: Jahrmärkte: den 7. Jänner, den 3. März, am Montage nach Lätare [d.i. der vierte Fastensonntag], den 24. April [Kirchenpatron Georg], am 2. July, den 21. Sept., den 28. Oktober.
  • Nußdorf: Kirchtag am Montage nach Fronleichnam.
  • Schörfling: Kirchtage am Osterdienstag, Pfingstdienstag und 21. September;
    Jahrmärkte am 16. Oktober [Kirchenpatron Gallus] und Faschingsmontage.
  • Seewalchen: Kirchtag am Montag nach Jakobi.
  • Unterach: Kirchtage am Pfingstdienstag, 24. August [Kirchenpatron Bartholomäus] und 21.Dezember.
  • Weissenkirchen: Kirchtag den 20. July.
  • Weyregg: Kirchtag am 10. Juli [Amalia].
  • Frankenmarkt: Jahrmärkte: am 8 July, den 15. Oktober [Kirchenpatronin Theresia], den 6. Dezember [Kirchenpatron Nikolaus].
  • Timelkam: Jahrmärkte: den 25. July, am Montage nach Leopoldus, am Montage nach Michaelis.
  • Vöcklabruck. Jahrmärkte: den 25. Febr., 1. May, 24 Juny, 24. August und 20. November.

Kirchenpatron

In vielen Orten findet der Kirtag am Sonntag nach dem Festtag des Kirchenpatrones statt.

Eine Besonderheit stellt allerdings der Weyregger Kirchtag dar.
In alten Berichten liest man über den Ursprung des „Gelöbnistages“. In Weyregg gab es nämlich durch sieben Jahre am 10. Juli einen schweren Hagelschlag, der große Not verursachte. Wann dies geschah, weiß man nicht mehr so genau, wahrscheinlich im 18. Jahrhundert.
Der Markt am Amalientag geht auf eine Serie von sieben Jahren mit Hagelschlägen im 18. Jahrhundert zurück. Es wird erzählt, dass jedes Jahr am 10. Juli der Hagel großen Schaden angerichtet hätte. Dann Da gelobten die Weyregger an diesem Tag (dem Gedanktag der hl. Amalie] eine Wahlfahrt auf den Gahberg durchzuführen. Nach der Wallfahrt wurde dann ein Kirtag abgehalten, der sich bis heute erhalten hat.
Und, so steht es in alten Aufzeichnungen, wird dieser Tag seit altersher als strenger Feiertag gehalten.

Viehmärkte

In größeren Gemeinden war mit dem Kirtag auch ein Viehmarkt verbunden. Noch bis zum Ende der 1990er Jahre wurde hier Viehhandel betrieben.

Der größte Viehmarkt im Attergau fand am Simonitag in St. Georgen im Attergau statt. Bis zu 2000 Stück Vieh wurden aufgetrieben.

Unter anderem hatte der Schörflinger Viehmarkt große Bedeutung.
Im Gebirgsboten Nummer 34 vom 22. Oktober 1881 las man:
Trotz des schlechten Wetters entwickelte sich beim Gallus Viehmarkt in Schörfling ein sehr reger Handelsverkehr, und wurde der Auftrieb größtentheils verkauft. Auftrieb: 39 Stiere, 237 Kühe, 268 Ochsen, 651 Jungrinder, 20 Kälber, 13 Fohlen, 53 Schweine, zusammen 1281 Stück. Die Preise variierten bei Stieren per stück 45-125 fl., Kühen 80-140 fl, Ochsen per Paar 120-300 fl., Jungvieh per Stück 30-80 fl., Kälber per Stück 17-28 fl, Fohlen per Stück 160-300 fl., Bagonyer 14 bis 32 fl.

Auch der Timelkamer Michaelimarkt war für den Viehandel sehr wichtig.
Bei Pillwein 1830 heißt es:
In Timelkam sind Märkte am 25. July und am Montage nach Michaelis. Besonders bey letzterem wird viel Hornvieh zusammengetrieben, finden sich Käufer aus den entferntesten Gegenden ein.

Video "Unteracher Kirtag um 1930"

Prof. Viktor Kaplan ist es zu verdanken, dass auch ein kurzes Filmdokument aus dem Jahr 1930 über den Unteracher Kirtag existiert. Dr. Gunter Weber, ein Enkel Kaplans, hat dieses Dokument nur für AtterWiki zur Verfügung gestellt.

Quellen