Kino Seewalchen

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Das Miniplex in der Atterseestraße in Seewalchen

Das Kino in Seewalchen ist eines der ältesten im Bezirk Vöcklabruck und nunmehr das einzige im Attergau.

Geschichte

Die ersten Filmvorführungen gab es um 1928 in Stallingers Saal. Wie überall wurden die Stummfilme mit einem Klavier begleitet. Ein Jahr später wurde im Saal des Gasthofs Frickh in Schörfling ein „Lichtspieltheater" eingerichtet.
Um 1930 war Johann Haas aus Ampflwang im Salzkammergut mit dem ältesten Marionettentheater Österreichs unterwegs. Nachdem er geheiratet hatte, bauten er und seine Frau in Seewalchen ein Haus mit Kinosaal.
Im Juli 1933 wurde das Volks- und Arbeiterkino Seewalchen eröffnet. In der Chronik der Marktgemeinde gibt es ein Bild, wo sich die Pettighofner Musik anlässlich dieser Eröffnung vor dem noch unverputzten Bau fotografieren ließ. Die Besitzer Johann und Maria Haas blieben nicht lange, bereits 1934 verkauften sie das Kino an Hermine u. Robert Brendler. Die Familie führte das „Tonkino Seewalchen” auch noch nach dem Krieg.

Nach dem zweiten Weltkrieg - Robert Brendler war verstorben - war Hermine Brendler Besitzerin, den Betrieb führten aber verschiedene Geschäftsführer, darunter ein Herr Spiegelfeld.
1954 entschloss sich Hermine Brendler, das Kino samt einer kleinen Wohnung abzugeben. Im Tauschweg gegen das Haus Flößerweg 3 erwarb Josef Mittendorfer das Kino und machte kurz darauf die Operateur-Prüfung. Auch der Betreiber des Schörflinger Kinos im Gasthaus Frickh hatte damals Interesse, kam aber nicht zum Zug.
Mittendorfer baute den Saal für 440 Sitzplätze um und stattete ihn mit einer größeren Leinwand aus. Er kaufte neue Vorführgeräte und baute ein Buffet an.

Seither ist es nach mehrfachen Renovierungen zuerst als Tonkino Seewalchen, dann „Strandkino Seewalchen” und schließlich als „Miniplex“ im Besitz der Familie.

Eine Kinokarte aus dem Jahr 1954. Eine Karte kostete 4,50 Schilling. Der Film hieß „Blondinen bevorzugt“, eine Komödie mit Marilyn Monroe und Jane Russell.

In den 1950er Jahren wurde wochentags meist um 20 Uhr gespielt, an Sonn- und Feiertagen gab es bis zu drei Vorstellungen. Bevor die Leute die Neuigkeiten aus dem Fernsehen bekamen, war die Wochenschau, die üblicherweise vor allen Spielfilmen lief, die wichtigste BildInformationsquelle für die Bevölkerung.
Die Vorführung der Spielfilme, die oft aus sechs Rollen bestanden, verlangte vom Vorführer einiges Geschick: sollte doch die nächste Rolle für die Zuschauer völlig unbemerkt an die vorhergehende anschließen. Die Filme kamen mit der Bahn und Josef Mittendorfer holte und brachte sie mit dem Fahrrad in großen Schachteln zum Bahnhof Kammer.

Ein Kinoplakat aus dem Jahr 1963

1974 übernahm seine Tochter Margarethe Stadler das Kino. Sie führte mehrfach Verbesserungen durch, baute 1990 erstmals Polsterstühle ein und verringerte die Zahl der Sitzplätze auf 240, womit durch die größeren Reihenabstände der Kinobesuch bequemer wurde.
Sie machte alle guten und schlechten Zeiten mit. Es gab immer wieder Wellen, die das Interesse der Besucher fand: die Heimat- und Schlagerfilme, die große Zeit der Western, Winnetou- und Edgar-Wallace-Filme oder die deutschen Sexfilme, die zum Teil in einer Samstag-Nacht-Vorstellung gezeigt wurden.
Gerne erinnert sie sich an die großen Renner wie Dr. Schiwago, Forrest Gump und zuletzt Mamma Mia. Ein Film, meint sie, schlug aber alles: Der Schuh des Manitu lief über 8 Wochen und wurde von 10.000 Besuchern gesehen.
Die technischen Innovationen wie CinemaScope (ein Breitwandfilm in besonderer Technik) oder Mehrkanal-Tonanlagen in immer besserer Qualität, erforderten neue Investitionen.
1995 übernahm Stadlers Tochter Marika Lohninger (früher Krammer) den Betrieb. 2002 wurde das Kino umgebaut, so dass nun zwei Kinosäle mit 110 bzw. 220 Plätzen zur Verfügung stehen. Das Kino bekam nun den Namen „Miniplex”.
2009 erfolgte wieder ein großer Modernisierungsschritt, die Umrüstung auf 3-D Digitaltechnik kostete rund 200.000,- Euro, der Zuschauer wurde mit brillanten Farben, bester Bild- und Tonqualität sowie der dreidimensionalen Effekte belohnt.
Und die Filme kommen nicht mehr in Rollen sondern auf Festplatten.

Quellen und Weblink

  • Margarethe Stadler, Seewalchen
  • Robert Richter, Wien
  • Johann Rauchenzauner, Seewalchen
  • Miniplex Seewalchen