Holzverarbeitung

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Sägearbeit in Nussdorf am Attersee um 1960

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge

Im Salzkammergut und damit wohl auch im Attergau begann sich bereits um 4000 v. Chr. eine Hochkultur zu entwickeln. Grundlagen dafür waren die Salzlagerstätten in Hallstatt, die Feuersteinvorkommen am Mondsee und die Kupfervorkommen in der Grauwackenzone. Als Heizmaterial und Hilfsmittel für Bergbau und Transport hatte Holz, das in großen Mengen und leicht zugänglich zur Verfügung stand, bereits damals eine große Bedeutung. Die Seenplatte des Salzkammergutes war über Seeache, Ager und Traun mit dem Donauraum verbunden und ermöglichte Kontakte und Transport zu andern steinzeitlichen Ansiedlungen.

Schneidewerkzeuge

Wohl zu den ersten Holzbearbeitungswerkzeugen zählten die scharfen Schneidekanten von Feuersteinabschlägen. Sie wurden neben Speer- und Pfeilspitzen für Beile und Messer verwendet die auch die Bearbeitung von Holz erlaubte.

Feuersteine standen den Steinzeitsiedlern in der Atterseeregion in ausreichender Menge zur Verfügung, liegt doch am nahen Mondsee eines der größten Feuersteinvorkommen Europas. Nach Erkenntnissen aus den Jahren 2008/2009 lagern hier etwa 60 Millionen Kubikmeter qualitativ hochwertige Hornsteine und Radiolarite auf einer Fläche von 240 Quadratkilometern. Sie wurden bereits in der Mondseekultur von 3800 bis 3300 v. Chr. abgebaut und für steinzeitliche Werkzeuge und Waffen verwendet. Fundstücke in den nahen Pfahlbausiedlungen des Mondsees und Attersees aber auch in anderen steinzeitlichen Siedlungsgebieten Mitteleuropas konnten zweifelsfrei der Mondseer Herkunft zugeordnet werden. Im Gegenzug wurden auch einzelne Feuersteine aus bayrischer und norditalienischer Provenienz am Mond- und Attersee nachgewiesen. Sie waren bereits vor 5000 Jahren eine wertvolle und begehrte Handelsware in Europa. Der Feuersteindolch des Steinzeitmannes Ötzi, der am Similaun-Gletscher gefunden wurde, stammt eindeutig aus den Monti Lessini am Gardasee.

Wiederentdeckt wurden diese Lagerstätten nach einem starken Windwurfereignis (Sturm „Emma“ vom 29. Februar bis 2. März 2008) am Fuße der Eisenau am Mondsee. Auf einem Schuttkegel wurde ein Großteil des Baumbestandes mitsamt der flachen Verwurzelung umgeworfen und das darunter liegende Felsgeröll freigelegt. Wissenschafter, darunter der Geoarchäologe Alexander Pinsteiner, kamen zur Erkenntnis, dass ein gigantischer Bergsturz an dieser Stelle um 3300 v. Chr. die Mondseekultur und mit ihr den Abbaubetrieb schlagartig beendete.

Schneidewerkzeuge für die Bearbeitung von Holz wurden in späterer Folge aus Bronze, Eisen, legierten Stählen und Hartmetall hergestellt. Das Bearbeiten und Zerteilen von Holz mit einer scharfen Schneide ist seit urgeschichtlichen Zeiten bis heute gleich geblieben, geändert hat sich die Geschwindigkeit. Was einmal tagelange mühevolle Handarbeit beanspruchte, geschieht heute ohne Anstrengung in Sekunden.

Verschleißfreie Trenntechnologien wie etwa Laser, konnten sich nur in sehr geringem Maß bei der Bearbeitung von nur wenige Millimeter dicken Holzquerschnitten durchsetzen.

Lebensgrundlage - Entwicklung

In moderner Form stellt die Holzverarbeitung nach wie vor auch im 21. Jahrhundert eine bedeutende Einkommensquelle für die Menschen der Region dar. Von der Waldarbeit über Transport, Säge, Tischlerei bis zur industriellen Verwertung des Holzes für die Herstellung von Papier, Zellstoff, Textilfasern zählt die Holzwirtschaft zu den bedeutendsten Arbeitgebern rund um den Attersee. Als nachwachsender, umweltfreundlicher Energieträger gewinnt Holz zunehmend an Bedeutung.

Veränderten sich die Formen der Holzbearbeitung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nur langsam, so ging die Entwicklung in der Folge um so rascher voran. Mit dem hohen Holzbedarf für den Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg zerstörten Städte ab 1945 begann eine Industriealisierungswelle mit nachhaltigen Auswirkungen. Die holzverarbeitenden Betriebe, wie Sägewerke, Möbelfabriken, Tischlereien und die Papier-, Zellstoff- und Faserindustrie, der Lenzing AG boten bis dahin nicht gekannte Perspektiven. Menschen, die zuvor vorwiegend in der Landwirtschaft tätig waren, sowie viele Heimatvertriebene aus Osteuropa (siehe Rosenau) fanden in der aufstrebenden Holzwirtschaft eine neue Lebensgrundlage.

Immer leistungsfähigere Produktionsmethoden, die reichliche Verfügbarkeit von Energie, kostengünstige Transportmöglichkeiten über weite Entfernungen (Eisenbahn, Autobahnen, Rhein-Main-Donau-Kanal), wie auch die generelle Globalisierung der Wirtschaft führten nach den „Wirtschaftswunderjahren“ ab etwa 1970 zu weiteren Umwälzungen. Die Arbeitsabläufe und die gesamte Logistik wurden mechanisiert und mit Hilfe elektronischer Steuerungen automatisiert. Hubstapler und Kräne übernahmen die schwergewichtigen innerbetrieblichen Transport- und Verladearbeiten.

Viele Holzverarbeitungsbetriebe wurden geschlossen. Wenige wuchsen zu Großbetrieben heran und einige kleine Familienbetriebe überlebten mit Nischenprodukten. Über Jahrhunderte ausgeübtes Handwerk, altes Werkzeug mitsamt dem überlieferten Wissen über seine Handhabung gerät in Vergessenheit. Menschen, die all das noch aus eigener unmittelbarer Anwendung kennen, haben schon ein hohes Alter erreicht. Vieles ist nur mehr aus Erzählungen bekannt.

Holzvermarktung

Die im Attergau hergestellten Holzprodukte fanden in der Frühzeit in der näheren Umgebung seine Abnehmer. Im globalen Handel ab dem 20. Jahrhundert muss sich die Holzwirtschaft der Region Attersee-Attergau weltweit behaupten.

Noch während der Monarchie dehnte sich das Absatzgebiet mehr und mehr aus. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert ermöglichte Geschäftskontakte in ganz Europa. Hauptabsatzmärkte für Sägeholz liegen heute im europäischen und arabischen Raum, in den USA und Japan. Österreich ist insgesamt zu 47% mit Wald bedeckt – Tendenz steigend – und fünftgrößter Holzexporteur der Erde.

Eine Sonderrolle spielt die Lenzing AG, die zum Teil regionales Buchenholz zu Textilfasern verarbeitet und auf diesem Gebiet Weltmarktführer ist.

Nebenprodukte

Holzreste wurden früher vor Ort zu Holzkohle für die Huf- und Wagenschmieden gebrannt oder als Brennholz verwendet. Heute sind Holznebenprodukte wie Hackschnitzel, Sägespäne etc. Rohstoff für die Papier-, Spanplatten- und Holzwerkstoffindustrie sowie Energieträger.

Baumrinde dient heute überwiegend als Heizmaterial für die Holztrocknung und für Rindenmulch. Bis in die 1950er Jahre wurde Fichtenrinde zum Teil wegen seines Gerbstoffgehaltes an Gerbereien geliefert.

Holzversorgung – Vorräte

Der jährliche Holzzuwachs allein im Bezirk Vöcklabruck (515.000 fm) ist um 189.000 Festmeter höher als dessen Nutzung (327.000 fm). Österreichweit überwiegt der Zuwachs (31,3 Mio. fm) die Nutzung (18,8 Mio. fm) um 12,5 Mio. Festmeter also um 40% bzw. das 67-fache des Bezirkes Vöcklabruck. Diese Menge steht noch bis zu einer ausgeglichenen Waldnutzung für zusätzliche Möglichkeiten etwa zum Teil als umweltfreundlicher, CO²-neutraler Energieträger zur Verfügung.

Themenübersicht

Das Thema Holzbearbeitung spannt sich vom Wald bis zu den zahllosen Produkten aus Holz. Nachstehend ein Überblick über Beiträge, die nach und nach im AtterWiki entstehen sollen bzw. bereits vorhanden sind:


Holz als Bau- und Werkstoff

Sägewerk

Zimmerei, Holzbau, Wasserbau

Architektur mit Holz

Tischlerei, Möbelfabriken

Wagnerei, Fassbinderei, Holzschindelerzeugung

Bootbau, Schiffbau

Holzwarenerzeugung


Holz als Industrierohstoff

Papier-, Zellstoff-, Faserindustrie

Holzwerkstoffindustrie, Spanplatten, Faserplatten


Holz als Energieträger

Köhlerei

Salzversiedung

Glasverhüttung, Glasfabrik Freudenthal

Scheitholz für Hausbrand

Pelletheizung

Hackschnitzelheizung

Fernwärmeanlagen


Die Bildgalerie zeigt Formen der Holzbearbeitung im Lauf der Geschichte:

Quelle

Walter Großpointner - Heimatgeschichtliche Sammlung

Familie Hemetsberger Nußdorf