Wirtshaus in Baum

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Gasthaus Hauser in Baum (2006)

Das Wirtshaus "zum grünen Baum" in Baum 6 war ein traditionelles Landgasthaus in der Gemeinde Berg im Attergau.

Inhaltsverzeichnis

Chronik

Im Urbarium des Vizedombamtes (Reeger und Weissenburger Ämter) von 1634 steht geschrieben:
Bey diser Behausung ist von uhralten Zeiten her das Zapfen und Danzrecht Jährlich gewöhnlicher massen bezahlt wordten.
Zapfrecht 12 Pfennig
Danzrecht 12 Pfennig
Der Zehent ist zum Ambthof Seewalchen gehörig, und werdt in Natura aufm Feld gehebt.''

Aus dieser Eintragung ist erkennbar, dass das Wirtshaus in Baum schone einige Jahrhunderte besteht. In den älteren Urbaren von 1538 und 1574 fehlt eine Eintragung des Wirtshauses. Wahrscheinlich gehörte das Wirtshaus zu dieser Zeit noch zum Bauernhaus (jetzt Roither). Die Ortschaft Baum (damals Pam genannt) gehörte geschlossen zum Kayserlich Vizedombamt und war daher direkt dem Landesfürsten untertan. 1840 wurde das Wirtshaus neu errichtet und erhielt dabei das heutige Aussehen.

Als erster Wirt wird im Urbarium Thobias Stainer genannt. Seit dieser Zeit gibt es eine lückenlose Besitzeraufstellung. Im Jahr 1910 kaufte Franz Schachinger (aus Aurach am Hongar) mit seiner Braut Elisabeth Kranzinger (aus Friedburg-Lengau) das Wirtshaus, das seit dieser Zeit im Familienbesitz der Familie Schachinger-Hauser-Brein ist.

Landgasthaus

Notgeld Berg - Gasthaus in Baum - gezeichnet von T. Schmoller 1920

Ein Wirtshaus außerhalb eines Zentralortes (ein sogenanntes Gäu-Wirtshaus) hatte vielfältige Funktionen. Es war der Treffpunkt der Bauern aus der Umgebung, die meist täglich zum sogenannten "Bürgertag" erschienen. Der "Bürgertag" hatte in Zeiten ohne Telefon nicht nur die Funktion eines Stammtisches, sondern fungierte auch als Sprechstunde und für sonstige Kommunikation jeglicher Art. Handel und Geschäfte wurden hier vor allem mit Viehhändlern abgeschlossen. An Ballveranstaltungen, Gartenfeste, Erntetänze, Partien, Hochzeiten und auch Totenmahle erinnern sich die älteren Bewohner noch gerne.

Zur Unterhaltung wurde auch eine Kegelbahn errichtet, die bis in die 1930er Jahre Bestand hatte und die zumindest auch einmal von Gustav Klimt besucht wurde, der im 3 km entfernten Litzlberg zur Sommerfrische war. Im Winter wurde die Eisstockbahn in Betrieb genommen. Im nahe liegenden Wald kann noch heute die Anlage einer Eisstockbahn erahnt werden, die vor mehr als 100 Jahren errichtet wurde. Tischkegelspiele, die noch heute benützbar sind, sorgten schon vor über 100 Jahren für Abwechslung. Ein Stammtisch ohne Gesang war nicht vorstellbar, noch in den 1970er Jahren wurde eifrig gesungen und musiziert. Sollte keine Lust zur Selbstunterhaltung bestanden haben, nahm man das Grammophon in Betrieb. Nicht immer ging es friedlich zu, so manche kleine Meinungsverschiedenheit endete auch oft mit einem Raufhandel.

Im Sommer kamen einige Familien zur Sommerfrische. Da die Gäste meist mehrere Wochen blieben und jedes Jahr wieder kamen, entwickelten sich enge Freundschaften.

In den 1950er und 1960er Jahren erlebte das Wirtshaus noch einmal eine Blütezeit. Beliebt war es auch als Einkehr bei den Reitern aus Haining. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde das Wirtshaus in Baum geschlossen.

Über viele Ereignisse der letzten Jahrhunderte könnte das Wirtshaus berichten. Das älteste Ereignis, dass uns bekannt ist, betrifft eine Begebenheit zu Beginn des 19. Jahrhunderts als die Franzosen im Land waren.

Franzosenzeit

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Franzosen ein Quartier in Piesdorf (1 km von Baum entfernt) aufgeschlagen und besuchten auch das Wirtshaus. Einmal verwickelten die anwesenden Bauern die Franzosen in eine Rauferei, die damit endete, dass die verhassten Franzosen durch die "Durisicht" des Ofens gezogen wurden. Der Bauer Tobias Moser aus Staudach soll sich dabei besonders ausgezeichnet haben. Aus Rache für die "unsanfte" (Wärme)-Behandlung schlugen die französischen Soldaten auf ihrem Heimweg nach Piesdorf noch beim Bauern Eicher in Baum die Fensterscheiben ein.

Ein Nachfahre des oben erwähnten Tobias Moser aus Staudach war der Josef Moser, der von 1891 bis 1894 Bürgermeister der Gemeinde Seewalchen am Attersee war. Von ihm erzählt man, dass er täglich nachmittags das Wirtshaus besuchte und dort zum "Bürgertag" nicht nur einen Liter Bier trank, sondern auch für die Anliegen der Bürger zur Verfügung stand.

Blitzschlag am 15. Juli 1843

Bericht in "Wiener Zuschauer" vom 7. August 1843
entdeckt von Franz Roither, Wien

Die Salzburger Zeitung berichtet am 18. Juli 1843 über einen bemerkenswerten Blitzschlag, der das Wirtshaus getroffen hat. Mehrere Zeitungen von Salzburg bis Brünn übernahmen die Geschichte. Hier der Bericht in Österreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener Zeitung vom Samstag, dem 29. Juli 1843, im Originaltext:

Es war am 15. Julius l. J., als ungefähr um 3 Uhr Abends ein Blitzschlag auf einen Kamin des Wirthshauses zu Baum, Pfarre Seewalchen, Dist. Commiss. Kammer, herniederfuhr und die schrecklichsten und sonderbarsten Verheerungen im ganzen Haus anrichtete, ohne jedoch zu zünden. Von dem ganzen Kamine, der ungefähr 7 Klafter hoch war, sind von unten bis oben nicht 2 Ziegel aufeinander geblieben. Der Dachstuhl ist ringsum bedeutend beschädigt, viele größere und kleinere Bäume daran zersplittert oder völlig abgerissen. Durch den Kamin fuhr der Blitzstrahl in die Küche, riß das Steinpflaster auf, verschob die Mauer der Speisekammer, zerschlug 4 Fenster, deren Verbleyung wie aufgesponnen an den eisernen Gittern hänget; riß drey Thüren sammt den Angeln aus der Wand, und zerbrach sie zu kleinen Trümmern. Von der Küche fuhr der Blitz am Plafond in das Gastzimmer und durch ein Fenster wieder ins Freie. Im Gastzimmer befand sich, einen Schritt von der Küchenthür entfernt, welche mitten in das Zimmer hingeworfen wurde, ein zwölfjähriger Knabe auf einem Schemmel sitzend, mit dem Butterfaße beschäftiget. Der Blitz riß den Schemmel hinweg und über einen Tisch hin an die 15 Fuß entfernte Wand und das Butterfaß mit eingeschlagenem Boden in die Mitte des Zimmers. Zugleich wurden die sechs Fenster des Zimmers zerschlagen, doch weder der Knabe, noch ein anderer junger Mensch, der sich gerade im Zimmer befand, im mindesten beschädigt, aber beide im Gesichte und an den Hemdärmeln mit Ruß überzogen. Im Momente des Einschlagens befand sich die Wirthin sammt ihrer Schwester auf dem Dachboden, in der Nähe des Kamines, dessen Ziegel über den ungefähr 11 Klafter langen und 9 Klafter breiten Boden, wie in Folge einer Explosion, zerstreut wurden; doch wurden beyde wunderbarer Weise nicht im geringsten beschädiget, nur mit Ruß überzogen und vom Schwefeldampfe etwas betäubt, erreichten aber glücklich die Stiege und eilten hinab. In der Hochzeitstube ward der irdene Ofen zertrümmert, und diesem gegenüber standen auf einer schmalen Bank sieben Branntweinflaschen neben einander, jede 3 bis 4 Maß haltend, von denen zwey in der Mitte stehende zerschlagen, die andern fünf aber gar nicht beschädigt wurden. Zu ebener Erde, dem Gastzimmer gegenüber, befindet sich ein großes Zimmer, in welchem eine alte kranke Frau im Bette lag. Der Blitz schlug durch ein zwey Schritt vom Bette entferntes Fenster hinein, zerbrach einige Medicingläser und einen an der Mauer lehnenden Regenschirm, verletzte aber die Kranke nicht. In einem anstoßenden kleineren Zimmer hing eine Jagdflinte an der Wand; selbe ward herab und durch das ganze Zimmer hin an den Tisch geschleudert, die in einem Fache im Flintenschafte befindlichen Zünd-Kapseln herausgerissen und entzündet. Zwey Mägde wollten gerade über die Stiege hinaufgehen, eine davon ward zu Boden geworfen, die andere an die Wand gelehnt, keine aber beschädiget. Ueberhaupt ist im ganzen großen neugebauten Hause kein einziges Gemach bis in den Keller hinab, durch welches nicht der Blitzstrahl fuhr und Vieles beschädigte, bis er am Hintertheile des Hauses in den Ziehbrunnen hinabschlug. Zum großen Glücke ging kein einziges Menschenleben dabey verloren, obwohl sich gerade sieben Personen im Hause befanden. Der angerichtete Schaden beläuft sich ungefähr auf 500 fl. C. M. (Salzb. Ztg.)

Hinweise: Das Haus wurde 1840 neu errichtet. Besitzer waren damals Karl und Theresia (geb. Aigner) Brandstätter. Die erwähnte alte Frau war offensichtlich die damals 78-jährige Altwirtin Benigna Aigner, die dann später 1849 starb.
Entdeckt wurde die Geschichte von Franz Roither, Wien, in ANNO/Österreichische Nationalbibliothek

Der Bauern Hans

Belegt ist auch die unrühmliche Geschichte des "Bauern Hans", der 1845 einen Mord begangen hat und nach dem Mord, noch leicht blutverschmiert, am Stammtisch des Wirtshauses teilgenommen hat. Dieser Bauern Hans wurde am 22. August 1846 am Galgenberg in der Nähe von Schwanenstadt hingerichtet. Es war die letzte Hinrichtung, die am dortigen Platz stattfand. Der damalige Mordfall erregte offensichtlich großes Aufsehen, eine seitenlange Moritat wurde geschrieben und noch bis in die 1960er Jahre gesungen. Die Mordgeschichte ist durch das Protokoll der Gerichtsverhandlung umfassend dokumentiert.

Pabst, Kaiser und König

Anfangs der 1960er Jahre war der Neubau der Westautobahn im Raum St. Georgen – Seewalchen in vollem Gang. Viele Menschen arbeiteten an den Baustellen und wohnten bei Privaten und in Gasthäusern. Unter ihnen war auch der Transporteur Kaiser aus Sierning, der mit seinem (einzigen) Lastwagen für den Autobahnbau Transportarbeiten besorgte. Er war beim Wirt in Baum untergebracht, saß beim Abendessen in der Wirtsstube und unterhielt gern die anderen Gäste mit Witzen und Anekdoten.

Eines Abends kam auch der Seewalchener Pfarrer Gerhard König, der in der Gegend zu tun hatte, und setzte sich an den Tisch. Als sich auch noch der Molkereifahrer Rudolf Pabst dazugesellte, meinte der Wirt: „Das wird´s wohl nie wieder geben, dass in meinem Wirtshaus der Papst, der Kaiser und der König an einem Tisch sitzen.“

Hügelgräberausstellung in Baum

Eröffnung Hügelgräberausstellung 2006

2005 und 2006 wurden vom Bundesdenkmalamt drei Hügelgräber geöffnet. Ein Grab im Baumer Holz und zwei Gräber am Dienstberg wurden untersucht, die Funde geborgen und restauriert. Anschließend wurden die restaurierten Funde erstmals der Öffentlichkeit im ehemaligen Gasthaus Hauser in Baum vorgestellt. Gleichzeitig wurde auch die Geschichte des Hauses präsentiert.

Die Hügelgräberausstellung wurde 2011 vom Heimatverein Attergau im Haus der Kultur in St. Georgen im Attergau installiert und kann seit dieser Zeit dort besichtigt werden.

Informations-Pavillon

Ein vom Heimatverein Attergau im Jahr 2006 neben dem ehemaligen Gasthaus errichteter Informations-Pavillon - jetzt steht er 200 m entfernt bei der Kreuzung Baumer Holz - berichtet über die Grabung und die Funde des Bundesdenkmalamtes.

Mittelpunkt des Bezirkes Vöcklabruck

Mittelpunkt Bezirk Vöcklabruck

In der Ortschaft Baum, ca. 200 m östlich vom Gasthaus, liegt der geografische Mittelpunkt des Bezirkes Vöcklabruck.

Dieser Punkt stellt den geometrischen Schwerpunkt einer ebenen Fläche (=Flächenschwerpunkt) dar. Dieser rechnerisch ermittelte Punkt kann auch rein mechanisch durch balancieren bzw. durch zwei Aufhängepunkte (Schnittpunkt der Schwerelinien) bestimmt bzw. überprüft werden. Diese Methode wird oft angewandt, wenn es um die Feststellung geografischer Mittelpunkte geht.


Bildergalerie

Quellen

  • Konsulent Johann Eicher, Baum - Berg im Attergau
  • Franz Hauser, Baum - Berg im Attergau
  • OÖ. Landesarchiv
  • DORIS-Informationssystem des Landes OÖ.