Fronleichnamsfest

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Ein Höhepunkt des katholisch-kirchlichen Lebens sind die Fronleichnamsprozessionen am zweiten Donnerstag nach Pfingsten.

Musikkapelle, Feuerwehrleute in Uniform, weißgekleidete Mädchen, welche Blumen streuen, und Frauen in Tracht ziehen vor dem ‘Himmel’, unter dem die Monstranz getragen wird, durch die Straßen und Felder.

Das Fronleichnamsfest wurde am 11. August 1264 von Pabst Urban IV. eingeführt. Martin Luther bezeichnete das Fest als unbiblisch. Vor allem störten ihn die prunkvollen Prozessionen, die für ihn geradezu gotteslästerlich waren.

Im Konzil von Trient wurde das Fest bestätigt und als Gegendarstellung zur Ansicht Luthers auch noch aufgewertet. In der Gegenreformation wurde das Fest zu einer katholischen Machtdemonstration. Diese Maßnahme brachte das Fest bei den evangelischen Christen in Mißkredit. In neuerer Zeit ist von dieser Differenz nicht mehr viel übrig. In manchen Orten Deutschlands wird das Fest sogar ökumenisch gefeiert.

In den folgenden Absätzen wird das Fronleichnamsfest von Oberstudienrat Josef Hufnagl (1897-1981) aus Weißenkirchen im Attergau beschrieben. Die Rechtschreibung entspricht der Entstehungszeit des Textes.

Inhaltsverzeichnis

Vorbereitung

„Sepperl, hol mir schnell noch a Kulkraut, a Scheibökraut und an Widritat“, sagt die Mutter am Vortag von Fronleichnam, „morgen ist da Prangtag, da muß ich noch ein paar Kranzl binden. Du kennst ja dö Sachn und weißt auch, wo sie zu finden sind. Aber ein bißl tummeln mußt du dich, weil nimmer viel Zeit ist. Ich werd‘ sonst nicht mehr fertig damit.“ Das ist ein strenger Befehl von seiten der Mutter, und als gehorsamer Sohn mach‘ ich mich auch gleich auf den Weg, um die notwendigen Kräuter, welche die Mutter zum Kranzlbinden für den Prangtag braucht, zusammenzusuchen. Ich weiß auch, wo die Sachen zu finden sind. Das Kulkraut (Thymian ) suche ich auf den Scherhaufen (Maulwurfshügeln), denn dort wächst es haufenweise und blüht auch besonders schön und duftet, daß man schon von weitem den stark aromatischen Geruch davon in der Nase hat. Das Scheibökraut (Haselwurz ) ist am Waldrand zu finden und fällt in die Augen durch seine saftgrünen, nierenförmigen Blätter, von denen ich bald einen ganz hübschen Buschen beisammen habe. Nun kommt noch der Widritat (Widertonmoos) hinzu, der ebenfalls durch seine dünnen gelblichroten Stiele mit den gelblichgoldenen Hauben, die aus dem grünen Moos hervorlugen, nicht unschwer zu finden ist. Sobald ich von diesen drei Dingen, die nach altem Brauch zu einem richtigen Prangtagkranzl gehören, genügend zusammengebracht habe, mache ich mich wieder auf den Heimweg, um sie der Mutter zum Kranzlbinden abzuliefern.

Im ersten freien Augenblick geht die Mutter daran, die Sachen in Büschel zu ordnen und daraus die Kranzl zu binden. Ich darf ihr dabei helfen. Und ich tu es mit Freuden, weil die ganze Arbeit schon eine gewisse Weihe ausatmet und einen kleinen Vorgeschmack des kommenden Hochfestes in die Seele senkt. Ich lege nach der Anweisung der Mutter die Kulkrautbüschl zusammen, dann ordne ich das Scheibökraut und zuletzt den Widritat. Die Mutter aber nimmt die einzelnen Büschel immer schön der Reihe nach – Kulkraut, Scheibökraut, Widritat – und bindet alles zu einem zierlichen Kranzl zusammen.

Ach, wie das duftet ! Und wie schön sie sind, diese von der Mutter geflochtenen Kranzl ! Sie sollen alle am nächsten Tag, am hohen Prangtag, auf die Fahnen und Kreuze, auf die Stangen am „Himmel“ oder an die Kerzen des Altares kommen. Sie sollen ein duftender Schmuck aus Gottes schöner Natur für den Herrn der Schöpfung und ihm ganz nahe sein, sollen den Herrn auf seinem Weg durch die Häuserreihen und über die Felder und Wiesen begleiten und seinen göttlichen Segen erhalten. Vor Aufregung kann ich in dieser Nacht nicht schlafen. Immer wieder kommen mir kunterbunt gemischt die Kulkraut-, Scheibökraut- und Widritatbüschel unter, mischen sich in meine Träume und verweben sich zu einem Prangtagkranzl, das schöner ist als alle anderen, weil es die Mutter gebunden hat, die ja alles viel schöner und besser kann als alle anderen Leute weit und breit.

Darunter mischen sich die wehenden Fahnen, der Himmel mit dem Priester und dem Allerheiligsten, die weißen Mädchen mit ihren Kränzlein im Haar, das Donnern der Böller……….. Da reißt es mich aus meinen Träumen, denn die Böller donnern wirklich, um den festlichen Tag gebührend einzuleiten.

Prangtag

Prangtag, Fronleichnamstag, ob in der Stadt oder auf dem Lande, überall der gleiche Freudentag. Er ist eines der schönsten Feste des ganzen Jahres. Trägt doch schon die Natur und die Jahreszeit ihren Gutteil dazu bei, um das Fest zu verschönern. Alles grünt und blüht, die Felder wogen sanft im Ährengrün, die Wälder rauschen von fernher, die Bächlein rieseln, und über all der Herrlichkeit das Lachen der Sonne, wenn der Herr erscheint und seinen Umgang hält durch Feld und Flur und die betende Menschenmenge ihn begleitet. Es ist etwas Herzergreifendes, Andachtweckendes und zum Gebete Stimmendes, so ein Fronleichnamstag!

Stolz und freudig bewegt, im neuen Sonntagsgewand, schreite auch ich mit meinem Prangtagkranzl der Kirche zu. Aber wie schaut denn die heute aus? Ganz anders als sonst. So festlich geschmückt hab‘ ich sie noch nie gesehen. Da stehen die grünen Birken im weißen Unschuldskleid, auch drinnen in der Kirche haben sie sich aufgestellt und am ganzen Fronleichnamsweg und bei den vier Altären, um ihr Bestes zu geben, wie stramme Soldaten Wache zu halten und den Heiland zu grüßen bei seinem Vorübergang. Festlich gekleidet, die Mädchen in weißen Kleidern mit einem Blumenkränzlein im Haar, die Buben mit den Prangtagkränzlein in den Händen, eilen die Menschen zur Kirche, um das Hochamt und den nachfolgenden Umgang gehörig mitzufeiern. Böllerschüsse erdröhnen, Glockentöne jubeln hoch vom Turm, es ist so weit, die Feier kann beginnen.

Hochamt

Im goldverzierten, festlichen Ornat tritt der Priester, umgeben von einer großen Schar Ministranten, an die Stufen des Altares und beginnt das feierliche Hochamt. Die Orgel setzt ein, der Chor beginnt zu singen, immer heller und mächtiger, bis sich alles zusammenwuchtet zum freudigen Lobgesang: „Gloria in excelsis Deo ……… Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.“ Und weiter findet das erhabene Hochamt seinen feierlichen Fortgang. Es kommt der heilige Augenblick, da der Priester, wie Christus beim letzten Abendmahle, Brot in seine Hände nimmt, es segnet und darüber die Worte spricht: „Das ist mein Leib!“ Und ebenso den Kelch nimmt mit dem Wein, ihn segnet und darüber die Worte spricht: „Das ist der Kelch meines Blutes, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden !“ Die Orgel schweigt, die Gläubigen liegen auf den Knien und klopfen an die Brust, es ist der erhabenste und heiligste Augenblick bei der Erneuerung des Erlösungsopfers Christi, denn in diesem Augenblick steigt das Lamm Gottes vom Thron des himmlischen Vaters herab auf den Altar der Kirche, um unsere Sünden abzuwaschen in seinem heiligsten Erlöserblute. „Pater noster“, es ist das Tischgebet, das der Priester spricht im Namen der Kirche, wenn er jetzt zum Tisch des Herrn und zum Opfermahle ladet. „Agnus Dei“………. Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt und das jetzt zu uns kommt in heiliger Kommunion, um uns mit sich zu vereinen und uns heiliges Mahl zu werden. „Ite missa est“………… Geht, es beginnt eure Sendung ! Tragt Christus hinein in eine erlösungsbedürftige Welt!

Das Hochamt ist zu Ende. Der Priester nimmt die heute mit einem Kranz gezierte Monstranz aus dem Tabernakel, legt Weihrauch ins Rauchfaß ein, inszensiert das Allerheiligste in der Monstranz und stimmt den ewig schönen Hymnus an: „Pange lingua gloriosi……. Preiset Lippen, das Geheimnis dieses Leibs voll Herrlichkeit……….“ Und nun beginnt der Triumphzug des Fronleichnams, des hochheiligen Herrenleibes durch Gassen und Straßen, durch Felder und Fluren, um zu segnen Mensch und Flur mit der Fülle seines göttlichen, hohenpriesterlichen Segens.

Umgang

Draußen ist der Zug schon formiert und erwartet den Priester mit dem hochheiligen Fronleichnam. Vorne gehen die Ministranten mit Kreuz und Kirchenfahne. Ihnen nach folgen die Schüler und Schülerinnen, dann die Jugendverbände und Gliederungen, Burschen und Mädchen mit ihren Fahnen. Ferner reiht sich eine Anzahl weißgekleideter Mädchen mit Blumenkörbchen in den Händen und Kränzlein in den Haaren ein, es ist die Unschuldsgarde des Heilands. Weiter folgen die Uniformierten, Feuerwehr und Musikkapelle. Heute führt der neugebackene Hauptmann die Feuerwehr an. Stramm kommt das Kommando aus seinem Munde: „Feuerwehr, habt acht ! Feuerwehr, rechts um, marsch!“ Auch der Stabführer der Musik schreit, was er nur kann: „Musik, habt acht, rechts schwenken, marsch!“ Und schon hebt er den Stab und die Musikkapelle beginnt ihren Prozessionsmarsch. Der Kirchenchor muß in der Nähe des Priesters sein, deshalb hat er sich nach der Musik eingereiht, dann folgt der Priester mit dem hochwürdigsten Gut in strahlender Monstranz, ihm folgen Männer und Frauen, das ganze gläubige Volk, das seinem Heiland heute das Geleite geben will.

Vier Altäre sind am Prozessionsweg aufgestellt. Jeder ist mit Blumen, Girlanden und Kränzen geschmückt, und weiß-grüne Birken bewachen den Zugang. Unter Glockengeläute und Böllerschüssen bewegt sich der Umgang zum ersten Altar, der kurz vorher aufgestellt wurde und wieder abgebaut werden kann. Der zweite ist eine Kapelle, ebenso der dritte, die zu diesem Zwecke wie geschaffen sind. Der vierte ist wieder ein abtragbarer, der jedes Jahr an der gleichen Stelle aufgestellt wird. So ist der Fronleichnamsweg durch die vier Altäre schon vorgezeichnet.

Kommt der Priester mit dem Allerheiligsten zu einem Altar, wartet die Volksmenge und sammelt sich um den Altar und das hochwürdigste Gut. Der Priester stellt das Allerheiligste auf den Altar, inzensiert, dann wird Weihrauch eingelegt und das Evangelium gesungen. Nach dem Verlesen des Evangeliums nimmt der Priester wieder die Monstranz mit dem hochwürdigsten Gute und singt mit feierlicher Stimme: „Sit nomen Domini benedictum…… Der Namen des Herrn sei gebenedeit!“ Und der Chor antwortet: „Ex hoc nunc et usque in saeculum……..Von nun an bis in Ewigkeit!“ Dann macht der Priester mit der Monstranz ein Kreuz nach allen vier Himmelrichtungen und erteilt den Herrensegen an Mensch und Flur mit den Worten: „Benedictio Dei omnipotentis, patris et filii et spiritus sancti descendat super vos et super fructus terrae et maneat semper……….Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme über euch herab und über die Früchte der Erde und verbleibe allezeit!“ Und der Chor besiegelt diese Segensworte mit einem freudigen: „Amen ……… So sei es und so bleibe es!“

Die Natur hält ihren Atem an. Der Segen des allmächtigen Wortes macht sie erschauern. Der, der die Kinder segnete, die Kranken heilte, die Teufel austrieb, die Toten erweckte, der gibt auch heute wieder seinen Segen, und treibt die bösen Geister aus und heilt die Gebrechen und macht alles wohl, denn es geht eine Kraft von ihm aus, die nicht von dieser Erde ist. „Benedictio Dei omnipotentis“……………………………… Der Segen des allmächtigen Gottes komme über euch und verbleibe allezeit……….Es ist immer wieder der größte und erhabenste Augenblick der ganzen Fronleichnamsprozession, wenn diese Worte erklingen. Die Menschen knien nieder, klopfen an die Brust, bezeichnen sich mit dem Kreuzzeichen und spüren zutiefst in der Seele die Wucht dieser Worte und die Fülle des Gottessegens, wenn sie auch nur ein wenig guten Willens sind. Und die Flur ringsum, sie erbebt und erschauert unter der Wucht des Segens ihres Herrn und Schöpfers. „Benedictio Dei“………. Wer es einmal mitgemacht hat, kann diesen Augenblick nicht mehr vergessen. „Deinem Heiland, deinem Lehrer, deinem Hirten und Ernährer, Sion, stimm ein Loblied an ! Preis nach Kräften seine Würde, da kein Lobspruch, keine Zierde, seiner Größe gleichen kann.“ – Wer könnte da teilnahmslos abseits stehen und nicht begeistert einstimmen in diesen Preisgesang des Fronleichnamsliedes?

Der letzte Segen am vierten Altar ist vorüber. Die Prozession wendet sich wieder der Kirche zu. Die wehenden Fahnen werden von starken Händen durch das Kirchenportal getragen, ebenso das Allerheiligste unter dem Himmel in der goldschimmernden Monstranz von den Händen des Priesters hin zum Altar. Die Gläubigen folgen ihrem Herrn und Heiland in die Stille des Gotteshauses. Beim Altar folgt der letzte Akt der Fronleichnamsprozession. Dort angekommen, setzt der Priester das Allerheiligste auf das Korporale, legt Weihrauch ein, inzensiert, dann nimmt er noch einmal die Monstranz mit dem höchsten Gut in seine Hand und singt mit feierlicher Stimme: „Tantum ergo, sacramentum……. Darum laßt uns tief verehren ein so großes Sakrament!“ ………Und wiederum stimmt er an: „Genitori, genitoque laus et jubilatio…………… Gott, dem Vater, und dem Sohne sei Lob, Preis und Herrlichkeit, mit dem Geist auf höchstem Throne eine Macht und Wesenheit! Singt in lautem Jubeltone göttlicher Dreieinigkeit. Amen.“ Dann gibt er den letzten Segen mit dem hochheiligen Fronleichnam, dem Leib des Herrn, über die andächtige Menge. Der Triumphzug des Heilandes und zugleich sein Segensgang durch die Fluren und Felder ist beendet, ohne Widerstreben läßt er sich wieder hineinstellen in den Tabernakel des Altares, um immer wieder für uns da zu sein.

Der Priester aber stimmt zum Schluß noch ein „Tedeum“ an, und voll Dank setzt das gläubige Volk den Lobgesang fort: „Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke, vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke, wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit !“

Kann es etwas Schöneres geben als so einen Fronleichnamstag? Ein großer Tag fürwahr im Laufe des Jahres, ein größerer noch immer wieder im Laufe des Menschenlebens. Vorübergang des Herrn, nicht anders kann man es nennen, und wer dabei ist und mitmacht, der wird gesegnet und bleibt es für Zeit und Ewigkeit.

Die nächsten Tage

Wie bei allen großen Festen des Kirchenjahres, bleibt auch nach dem Fronleichnamstag das Gotteshaus noch geschmückt. Auch die Prangtagkränzlein hängen noch acht Tage am Prozessionskreuz, an den Fahnen, an den Stangen am Himmel und an den Kerzen. Dann werden sie vom Mesner abgenommen, und er übergibt auch mir die Kränzlein, die ich ihm gebracht hatte, die Prangtagkränzlein aus Kulkraut, Scheibökraut und Widritat, von der Mutter geflochten, wie es Brauch und Sitte ist. Ich trage sie nach Hause und hänge sie ehrfurchtsvoll in den Herrgottswinkel. Sie sind ja durch die Nähe des göttlichen Heilandes geweiht worden und mit Segen beladen. Wenn dann Weihnachten kommt, werden sie vom Herrgottswinkel herabgenommen, mit Weihrauch gemischt, auf glühende Kohlen gelegt und auf der Räucherpfanne durch das ganze Haus getragen. Das ganze Haus riecht dann nach Kulkraut, Scheibökraut und Widritat wie an Fronleichnam und ist voll des Segens dessen, der am Prangtag durch Felder und Fluren ging und alles, was da lebte, mit seinem Segen beglückte.

Siehe auch

Quellen

  • Aus „Josef Hufnagl, Erzählungen, Geschichten, Erlebnisse und Gedichte“ von Kons.Rat Johann Dopler, Weißenkirchen im Attergau, Eigenvervielfältigung
  • Heimatkundliche Sammlung von OSR Konsulent Herbert Saminger, Weißenkirchen im Attergau