Filialkirche Piesdorf

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Filialkirche in Piesdorf

Die Filialkirche in Piesdorf, Gemeinde Gampern, ist eines der ältesten Gotteshäuser im Attergau.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Bedeutungsvoll erweist sich die Urkunde (lt. Urkundenbuch II des Landes ob der Enns PXXVII), in der 890 König Arnulf dem Erzbistum Salzburg dessen Besitze und Rechte bestätigt. Zu den Besitzungen zählt der Hof Piscofesdorf (das spätere Piesdorf) als Zentrum.

In der Schulchronik von Gampern ist die Rede von einer Gründung der Missionsniederlassung Piskofesdorf um 550 bis 560 n. Chr. Woher diese Angaben stammen, ist nicht bekannt. Der hl. Rupert von Salzburg soll Piskofesdorf als Bollwerk gegen die heidnische Kultstätte im benachbarten „Baum" errichtet haben (Dr. Schmotzer). Nun ist Rupert erst im Jahre 696 n. Chr. nach Salzburg gekommen[1]. Somit besteht hier ein zeitlicher Widerspruch.

Manche Ortseinwohner erzählen von einem Frauenkloster, das sich einmal in Piesdorf, dort, wo vor dem großen Brand 1705 der Bauernhof des Preundler (Kibler) stand (etwa zwischen Filialkirche und Hochreiner), befunden haben soll. Nähere Angaben sind nicht zu erreichen.

Piesdorf wird urkundlich noch öfter erwähnt (977, 984, 1051, 1057, 1178 und 1199). Man kann sich aber nicht der Behauptung anschließen, dass Piesdorf als Siedlung älter als Gampern sei. Die Annahme, dass Gampern eher schon eine römische Ortschaft als Piesdorf war, erscheint begründeter, weil Gampern urkundlich fast um 100 Jahre früher als Piesdorf genannt wird.

Die dem Patron St. Erasmus geweihte Kapelle wird urkundlich schon um 889 n. Chr. erstmals erwähnt. Sie gehörte zum Stift St. Peter und Nonnberg in Salzburg. Siehe Urkundenabschrift in der Kirche vom Jahre 889. König Arnulf bestätigt dem Erzbischof Diotmarus den Besitz und die Kirche Piesdorf.

Von dem großen Brand in Piesdorf 1705 wurde auch die Filialkirche betroffen. Die Sakristei blieb erhalten, die Kirche wurde wieder aufgebaut. „Im Kerne gotisch, war sie wohl ursprünglich kreuzrippengewölbt. Barock, einschiffig[2].

Piesdorfer Madonna

Piesdorfer Madonna
Bekannt war die Piesdorfer Kapelle durch ihre prächtige, liebliche Madonnenstatue, „die Piesdorfer Madonna", die im Jahre 1485 geschaffen worden sein soll. Die Kirchenseiten zieren rechts die Statue der hl. Katharina mit Steuerrad, links die hl. Barbara mit kleinem Türmchen vor sich. Das Herstellungsjahr der beiden Schnitzwerke ist nicht bekannt. Über dem Eingang hängt eine auf Blech gemalte Figur „Maria", die mit der Rechten auf das in der linken Hand gehaltene Christuskind eine blutige Ahle zückt. Daneben eine Darstellung der Taufe Chlodwigs durch Remigius und ein Bild vom hl. Petrus. Die Piesdorfer Madonna befindet sich jetzt in der Pfarrkirche Gampern.

Altar

Altar der Filialkirche

Den einfachen Altar krönt oben ein Ölbild „Maria mit dem Jesukind", beiderseits von zwei hölzernen Putten flankiert. Ein restauriertes Ölbild unterhalb des Altars zeigt die Folterung (Auslassen der Gedärme) des hl. Erasmus.

Renovierungen

  • 1881 wurde der Altar vom Vergolder Anton Reiner aus Kammer um 190 Gulden renoviert, ferner vier silberplattierte Leuchter von Edthofer, Gürtler, Schwanenstadt,aufgestellt.
  • 1885 warf der Sturm das Turmkreuz herab, das vom Matthias Scherndl, Zimmererpolier, „Talhias", Weiterschwang,repariert und vom Steinmetz Alois Zopf in Witzling vergoldet wurde.
  • 1905 wurde der Kirchturm repariert.
  • 1916 wurde als Kriegsopfer die zweite Glocke (mit der Inschrift: „Johannes Häckel, Salzburg, goß mich anno 1774") abgenommen, aber erst am 3. 5. 1917 notgedrungen abgesandt. Erst im August 1921 wurden wieder drei Glocken aufgezogen.
  • 1928 Um 1.429,- Schilling wurde die Kapelle samt Turm mit Eternit eingedeckt.
  • 1934 Um 1.026,- Schilling erneuerte der Künstler Adelhart von Hallein die Piesdorfer Madonna.
  • 1936 brachte man die Madonna zur Restaurierung nach Gampern, wo sie 1938 auf der linken Kirchenseite, nach Westen gewandt, aufgestellt wurde. Sie erregt die Bewunderung der Kirchenbesucher von fern und nah.
  • 1942 Am 30. Jänner müssen die Glocken der Filialkirche abgeliefert werden, für die am 16. April 1950 zwei neue Glocken eingeweiht werden. Die Seitenaltäre in der Kapelle werden beseitigt.
  • 1980 wurde eine Teilrenovierung an der Kirche in Piesdorf durchgeführt und im Frühjahr
  • 1988 begann die Innen- und Außenrenovierung. Der Hochaltar (hl. Erasmus) und die beiden Statuen hl. Barbara und hl. Katharina wurden in der Werkstätte Thaler in Salzburg restauriert. Obwohl die Bevölkerung von Piesdorf und Umgebung 1100 Robotstunden leistete, entstanden Unkosten von mehr als 500.000,- Schilling. 1989 waren die Sanierungsarbeiten beendet. In einer Urkunde erwähnt König Arnulf, dass diese Gegend (Piesdorf) schon Gott geweiht, also christianisiert ist. Damit war der Attergau bereits Missionsgebiet des Bischofs Rupert von Salzburg, gest. 718.
  • 1989 Da Piesdorf urkundlich 889 erstmals genannt wird, konnte aus diesem Anlaß und zum glücklichen Abschluß der Renovierungsarbeiten am 2. Juli 1989 das 1100-Jahr-Bestandsjubiläum feierlich begangen werden. Erzabt des Klosters St. Peter, Salzburg, Franz Bachler, war anwesend.

Lage

Quelle

  • Hans Plötzeneder: Heimatbuch Gampern, Gemeinde Gampern 1993

Fußnoten

  1. angeblich um 696 (wahrscheinlicher jedoch nicht vor 705) kam der Missionar Rupert (Rupertus, auch Hroudperht althochdeutsch der Ruhm-Glänzende) in das heutige Gebiet von Salzburg über Bayern, Quelle Salzburgwiki Rupert von Worms
  2. Zitat aus Alois Zauner: Vöcklabruck und der Attergau; OÖ. Landesarchiv; Verlag Böhlau, Graz, 1971, ISBN 3 205 01111 2
Kapellen in Gampern
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