Die neue Plätte

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Die „neue“ Plätte am Attersee

Seit November 2004 gibt es einen Nachbau einer historischen Plätte am Attersee.

Inhaltsverzeichnis

Die Plätten in Seewalchen und Schörfling

Der Transport von Gütern (z.B. Holz, Kies oder Kalk) aber auch Personen (z.B. bei Wallfahrten) wurde im 19. und 20. Jahrhundert mit Plätten durchgeführt.

Ursprünglich wurden sie mit einem Segel, einem Ruder oder einer Stange angetrieben. Ihre Form war jeweils dem Transportgut und dem Transportweg angepasst. Motorisierte Plätten kamen erst gegen Ende der 1920er Jahre auf.
Die Plätten blieben aber nicht nur am See. Als „Ǻfuhrzillen“ fuhren sie bis zur „Schinderlacke" nach Linz und weiter donauabwärts. Sie waren mit vielerlei Gütern beladen, diese wurden dann in Wien oder Pest verkauft und auch die Plätte selbst ließ sich als Brennholz zu Geld machen.
Schörfling war das Zentrum der Plätten am Attersee und führte auch die Verwaltung durch.

Nördlich des Schlosses Kammer stand ein großes Bootshaus, in dem mehrere Plätten untergebracht waren. Auf der Seewalchner Seite der Ager hatte die Familie Mittendorfer ihre Plätten. Um auch bei Niederwasser den Betrieb sicher zu stellen, wurde die Ager zwischen der Straßenbrücke in Kammer und dem Sägewerk im sogenannten „Plättenstrich“ ein wenig vertieft.
Bei der großen Rutschung in Kammerl 1959 wurde eine Zeit lang der Ersatz-Verkehr von Kammer nach Weyregg mit Plätten bewältigt. Dies war dann aber auch der letzte große „Auftritt“ der Plätten. Ende der 1960er Jahre verschwanden die Plätten am See.

Die Idee

Die Ulmer Schachtel beim Bootsbauer in Unterbuchberg

Ganz am Anfang stand ein Gespräch zwischen Helmut Riepl und „Schåffer Hans“, dem Bootsbauer aus Unterbuchberg, der seinerzeit auch die Plätten am Attersee und Traunsee baute. Er baute auch 1982 eine „Ulmer Schachtel“ [1], eine Plätte für den Verkehr an der Donau von Ulm bis Pest, die heute noch in Betrieb ist.
Die beiden bedauerten, dass es am Attersee keine einzige Plätte mehr gäbe und damit auch die Erinnerung an diesen wichtigen Wirtschaftszweig abhanden gekommen sei. Die Kostenfrage ließ allfällige Pläne nicht aufkommen und es sollte noch Jahre dauern, bis es tatsächlich soweit war.

Die neue Plätte

Schließlich haben sich im August 2000 vier Männer zusammen getan, die alle einen Bezug zu Flößerei und Schiff-Fahrt haben. Sie wollten eine Plätte nach historischem Vorbild bauen. Dies waren Hans Hufnagl (sein Vater war noch Flößermeister, und Hans selber fuhr noch mit den alten motorisierten Plätten), der Bootsbauer Norbert Mayr, Ekkehard Dickinger, dessen Großvater auch noch als Flößermeister am Attersee unterwegs war, und der Boothändler und Seemann Helmut Riepl. Hans Hufnagl erstellte auch die Pläne für den Bau des Schiffes.
Mit dem Schlagen der Lärchen im Marktwald im September 2000 wurde es ernst. Im Frühjahr 2001 wurden die „Kipfen“ und im Juni der Boden hergestellt.
Der Holzschnitt erfolgte beim Riedl in Sicking und der Zusammenbau in der Garage beim Englbrecht.

Die EKHENOHA und der Kapitän „Hellas“ Riepl

Nach vielerlei technischen Problemen war es schließlich soweit: im September 2004 wurde sie zu Wasser gelassen, Wasser drang durch die Fugen ein. Das Holz quoll auf und dichtete dadurch ab – genauso, wie es bei den alten Vorbildern war.
Am 5. November 2004 konnte die erste Testfahrt durchgeführt werden. Das Schiff erhielt den Namen „EKHENOHA“ (die ersten Buchstaben der Vornamen der Schiffsbauer).

Die Plätte hat eine Länge von ca. 14 m und eine Breite von ca. 3 m. Sie wird von einem LKW-Dieselmotor betrieben und hat ein Gewicht von rund vier Tonnen. Die Kosten beliefen sich auf etwa 5000,- Euro, die von den vier Baumeistern privat getragen wurden.
Im Sommer liegt die EKHENOHA in der Marina Schörfling.

Unser Anliegen war es, so erzählt Ekkehard Dickinger, wieder eine Plätte auf dem Attersee zu haben. Es gibt keine kommerziellen Interessen, das Schiff wird für private Feiern, als Vergnügungsausflugsschiff oder für Transporte usw. verwendet.

Quellen

  • Ekkekard Dickinger, Schörfling
  • Helmut Riepl, Schörfling
  • Zeitungsartikel in der Vöcklabrucker Rundschau

Fußnote

  1. siehe: Die Ulmer Schachtel in der Wikipedia