Der Gänsbrunn zu Weißenkirchen

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Kalktuffquelle

Der Gänsbrunn zu Weißenkirchen ist eine Sage aus dem Attergau.

Eine Sage wird Wahrheit?

Wenn man von Frankenmarkt Richtung Weißenkirchen wandert, öffnet sich nach der Ortschaft Brandstatt zur rechten Hand ein anmutiges Tal, das mit dem Gutshof Freudenthal der Familie Stimpfl-Abele sein Ende findet. Auch die Straße im Tal führt dorthin, findet aber ebenfalls ob der ringsum aus dem Tal aufsteigenden bewaldeten Berghöhen ein jähes Ende.

Einstmals, als die Glasfabrik noch stand und florierte, mag dieser liebliche Winkel noch ein rechtes Freudental gewesen sein für ihre lustigen Bewohner. Aber seit dem nach dem Krieg die Fabrik stillgelegt wurde und die Glasbläser fortzogen, um im benachbarten Schneegattern weiterhin ihre Gläser zu blasen und ihr kunstfertiges Handwerk fortzusetzen, ist es dort still geworden, und wer Freuden sucht, findet sie nur mehr in Gottes lieblicher Schöpfung. Aber vielleicht ist das mehr und schöner und freudenvoller.

Durch das Tal rauscht die Freudenthaler Ache, die fromm ist, wenn die Sonne brennt und der Himmel ein freundliches Gesicht macht, die aber auch wild sein kann, wenn die Wetter dräuen und die Regenschwaden aus den Wolken fallen.

Es macht ihr nichts aus, wenn sie auch noch das Wässerlein des Gänsbrunnens mit sich nehmen muss, das ungefähr bei der Wieneröther Bruckn in ihr Gewässer hinein sprudelt. Ja, sie tut es gern , denn das Gänsbrunnwasser hat es in sich. Es ist klar wie Kristall, gut wie Ziegenmilch und süffig wie der beste Wein. Kein Wunder, dass sich selbst Städte um dieses Wasser reißen.

Aber nicht bloß gut ist dieses Wasser. Es ist auch geheimnisvoll und sagenhaften Ursprungs.

Ist eines Tages, so vermeldet die Sage, beim Waldbauern zu Weißenkirchen im Attergau eine Gans in den Brunnen gefallen. Natürlich, da der Brunnen sehr tief war, konnte man der Gans auch nicht zu Hilfe kommen, sondern man musste sie ihrem Schicksal überlassen und zusehen, wie sie selbst etwa aus dieser Not sich retten könnte. Ohne Wunder war das nicht möglich. Einer dummen Gans zulieb aber tut Gott keine Wunder. Die tut er nur für die Menschen, um ihren schwachen Glauben ein wenig anzufeuern und wachzurütteln. So musste denn die arme Gans in der Tiefe des Brunnens elendiglich ertrinken und jämmerlich zugrunde gehen.

Aber im Dunkeln des Brunnens blieb sie doch nicht. Sie kam ans Tageslicht, und zwar beim Gänsbrunn. Freilich verging inzwischen eine lange Zeit. Denn der unterirdische Weg vom Waldbauernbrunnen bis zum Gänsbrunn ist weit, allzu weit. Und doch, es ist so. Eines Tages, so vermeldet die Sage, fand man in dem Wässerlein des Gänsbrunnens die ertrunkene Gans des Waldbauern, wovon das Wässerlein denn auch den Namen bekam „Gänsbrunn“, den es heute noch trägt.

Lang ist das schon her und niemand weiß, wann das geschehen sein soll, aber die Kunde davon und der Name des Brunnens bestehen bis heute.

Nun sollte man es nicht für möglich halten, dass so eine alte Sage und Geschichte eventuell sogar Wahrheit sein und seine Richtigkeit haben könnte.

Kamen da in letzter Zeit Wasserexperten in unsere Gegend, um für die Städte Vöcklabruck und Schwanenstadt nach Wasser zu suchen. Sie suchten, fanden auch und stellten fest, dass die Wasser des Lichtenbergs unter dem Plateau der Ortschaft Egg, auf dem auch der Waldbauernhof liegt, zu einem unterirdischen See zusammenströmen und dass der Abfluss dieses unterirdischen Sees der erwähnte Gänsbrunn sei.

Also wäre es nicht ausgeschlossen gewesen, dass die, nach der Sage in den Waldbauernbrunnen gefallene Gans, nachdem sie den unterirdischen See durchschwommen, beim Gänsbrunn wieder ausgespien wurde und so zum Vorschein kam.

Wie auch immer, der Gänsbrunn hat besonders gutes Wasser und soviel, dass das Wasserwunder wohl niemals ausgeht, auch wenn noch so viele daraus schöpfen. Und das, so kann man wohl sagen, ist von einem gewöhnlichen Gänsbrunn das Köstlichste und das Beste.

Anmerkung

In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gänsbrunnen steht die Kalktuffquelle an der Freudenthaler Ache, die 2004 von der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich zum Naturdenkmal erklärt wurde ( N 200968/8 – 2004 – Ka/Gre )

Quellen

  • Erschienen in „Marianhill“, illustr. Monatszeitschrift der Marianhiller Missionare, Jg. 1965, Nr. 7/8, Riedegg, Oö
  • Aus „Josef Hufnagl, Erzählungen, Geschichten, Erlebnisse und Gedichte“ von Kons.R. Johann Dopler, Weißenkirchen i.A., Eigenvervielfältigung
  • Heimatkundliche Sammlung Kons. Herbert Saminger, Weißenkirchen i.A.