Brauchtum und Volkskultur

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Hochzeitszug 1937

Brauchtum und Volkskultur ist seit Jahrhunderten in der Region Attersee-Attergau Bestandteil des kulturellen Lebens.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

In der heutigen Zeit, die von den modernen Medien, von der Globalisierung und der weltweiten Vernetzung geprägt wird, hört man öfters die Klage darüber, dass regionale Besonderheiten verschwinden und dass eine monotone "Einheitskultur" im Entstehen ist. Zugleich fällt aber auf, dass vielerorts alte Bräuche und Besonderheiten wieder verstärkt gepflegt werden.

Wenn man von Brauchtum und Volkskultur spricht, so muss man darauf aufmerksam machen, dass auch dieser Bereich einem ständigen Wandel unterworfen ist. Brauchtumspflege sollte ja nicht nur konservatorischen, bewahrenden Charakter haben, denn sonst würde sie zu einer musealen Tätigkeit verkommen. Es gibt auch „neue“ Bräuche, die erst in letzter Zeit entstanden sind und in wenigen Jahren bereits zu einem Fixpunkt im Veranstaltungskalender geworden sind. Ein Beispiel dafür ist etwa das Kastanienfest in Unterach am Attersee, welches im Spätherbst gefeiert wird.

Brauchtum im Jahreskreis

Im Artikel Brauchtum im Jahreskreis sind dem Jahresverlauf folgend die wichtigsten religiösen und weltlichen Feste angeführt.

Volkskultur

All jene Bereiche der Volkskultur, die wir (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) in diesem Kapitel beschreiben, dienen nicht nur der Verschönerung des Alltagslebens und dem Zusammenhalt der örtlichen Gemeinschaften, sie bieten jedem Einzelnen auch die Möglichkeit, seine eigenen Talente zu entdecken und zu entfalten. Man sollte nicht den Fehler begehen und die "hohe Kultur" - wie sie in den Festspielhäusern und großen Galerien präsentiert wird - und die Volkskultur als zwei getrennte Bereiche zu sehen. Es ist im Gegenteil so, dass sich in Zeiten künstlerischer Blüte (wie etwa in der Wiener Klassik unter Mozart, Haydn und Beethoven) diese beiden Bereiche gegenseitig beeinflusst haben, zum Beispiel durch die Verwendung von Volkslied-Melodien in klassischen Kompositionen oder umgekehrt durch das Populärwerden von klassischen Melodien wie etwa bei den Opernarien Giuseppe Verdis, die man in den italienischen Städten auf der Straße singen hörte, oder bei manchen Liedern aus der Zeit der Romantik, welche später zu "echten" Volksliedern wurden. Die soeben aufgestellte Behauptung gilt übrigens nicht nur für die Musik, sondern für die unterschiedlichsten Bereiche der Kunst und des Alltagslebens. Man denke nur an die Verwendung der Tracht bei den Gästen (Kaiser Franz Joseph I.), an das Schreiben in der Mundart (H.C. Artmann) oder an die Vermischung der Stilformen bei den Bauwerken. Fragwürdig ist all das nur dann, wenn es zu vordergründiger Folklore verkommt, welche möglichst viele Klischees erfüllen will.

Musikkapellen

Musikkapelle St. Georgen 2010

Auch für die Musikkapellen, die einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben der einzelnen Gemeinden leisten, ist die Tracht wichtig. Dabei wird in letzter Zeit wieder ein verstärktes Augenmerk darauf gelegt, dass die Trachten einen Bezug zur Gegend haben. So etwa hat man für die neue Tracht der Musikkapelle Attersee die traditionelle Kleidung der früheren Attersee-Flößer zum Vorbild genommen. Das musikalische Niveau der einzelnen Musikkapellen ist sehr hoch, und überall wird großer Wert auf die Ausbildung des Nachwuchses gelegt. Wertungsspiele und Leistungsabzeichen dienen als Ansporn. So hat man jüngst einen alten, mehrere Jahre in Vergessenheit geratenen Preis wieder ins Leben gerufen: den Atterseepokal. Es ist dies ein Wanderpokal, der bei einem jährlichen Wertungsspiel an einem bestimmten Tag am Ende des Sommers vergeben wird. Wenn sich in vielen Vorurteilen noch immer die Meinung äußert, die Musikkapellen seien typische Männervereine, so muss an dieser Stelle gesagt werden, dass die Frauen stark im Vormarsch sind. Mittlerweile sind bei den Jungmusikern die Mädchen sogar schon in der Überzahl.

Gesang

Kirchenchor Weißenkirchen 1984

Singkreise, Liedertafeln und Kirchenchöre bilden ebenfalls einen wichtigen Bestandteil der Volkskultur. Frühlingssingen, Passionssingen in der Fastenzeit, Open Air-Festivals und viele andere Veranstaltungen sind eine Bereicherung des kulturellen und spirituellen Lebens in den einzelnen Gemeinden. Das Singen bei der Feldarbeit, am Stammtisch im Wirtshaus oder im häuslichen Kreise ist hingegen ein wenig aus der Mode gekommen. Früher traf man sich oft am Sonntagnachmittag zum "Hoangarten". Dabei wurde mit Streichinstrumenten oder mit der Ziehharmonika musiziert, gesungen und "gepascht" (zu einer Melodie oder einem Lied geklatscht).

Theater

Dilettanten Nußdorf 1902

Laienspielgruppen gibt es in mehreren Orten der Region Attersee-Attergau. Regelmäßige Theateraufführungen finden meist in der Zeit vor Ostern statt. Neben Volksstücken kommen immer öfter auch Bühnenwerke mit anspruchvollerem Inhalt zur Aufführung.

Tracht

Bei der Auswahl der Bekleidung spielt der persönliche Geschmack heute die Hauptrolle. Früher sollte die Kleidung vor allem die gesellschaftliche Position (Beruf, Alter, Familienstand) zum Ausdruck bringen. Die moderne Trachtenmode entstand unter Verwendung älterer Formen im 19. Jahrhundert. Ihre weite Verbreitung verdankt sie dem Aufschwung des Salzkammergutes als Sommerfrische und dem Umstand, dass sich Kaiser Franz Joseph I. in Bad Ischl am liebsten in Jägerkleidung zeigte.

Das Dirndl

Das Dirndlkleid hat in Oberösterreich eine lange Tradition. Zur Hebung der Sittenstrenge wurden in früheren Zeiten sogar Erlässe herausgegeben, die allzu freizügige Formen verhindern sollten. Beispielsweise wollte man in der Barockzeit eine Mindestlänge der Röcke bis unter die Waden vorschreiben.

Goldhaube und Kopftuch

Attergauer Kopftuchgruppe um 1900
Kopftuchträgerinnen auf dem Heimweg von der Sonntagsmesse im Jahr 1939 beim Fleischhacker Kreuz in Nußdorf

Auf älteren Fotografien fällt einem modernen Betrachter auf, dass die Menschen bei Veranstaltungen kaum je barhäuptig abgebildet sind. Eine Kopfbedeckung war also früher ein unverzichtbarer Bestandteil jeder "vollständigen" Bekleidung. Von den traditionellen weiblichen Kopfbedeckungen sind für die Tracht bis heute zwei Formen wichtig. Die Goldhaube wurde einst von verheirateten, begüterten Bürgersfrauen zu einem Dirndl getragen (und nicht zu den bodenlangen "Reformkleidern", wie sie erst seit der Jahrhundertwende üblich sind). Das kunstvoll gebundene schwarze Flügel-Kopftuch ist hingegen dem bäuerlichen Bereich zuzuordnen. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderung ist diese strenge Unterscheidung heute hinfällig geworden. Zahlreiche örtliche Goldhaubengruppen pflegen die mühsame und kostspielige Kunst des Goldhaubenstickens, und Frauen mit Goldhaube oder Kopftuch gehören zu den festlichen Anlässen im Jahreskreis einfach dazu.

Literaturhinweise

  • Gexi Tostmann: Das Alpenländische Dirndl - Tradition und Moderne; Wien - München, 1998. - Tostmann Trachten mit Geschäften in Seewalchen und Wien.
  • Brigitte Hauke: Kreuzstich - Tradition und Faszination; Gestickte Volkskunst lebt gewandelt weiter (St. Georgen)
  • Angelika Fürthauer: Jahresringe, Gedichte in oberösterreichischer Mundart / Frohkost und Lachspeisen (1998)

Quelle