Benutzer:Manfred Hemetsberger

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Alte Ansicht vom Atterseegebiet

Holz rund um den Attersee

Diese Dokumentation über Holz im Atterseeraum versucht auf die vielschichtigen Aspekte dieses Naturproduktes für die Bewohner dieser Region einzugehen.

Themenübersicht

Das Thema gliedert sich ohne Anspruch auf Vollständigkeit in folgende Bereiche


Holzentstehung

Entwicklung der Vegetation - Veränderungen des Baumartenbestandes durch die Waldnutzung

Gegenwärtige Waldstruktur – Nutzhölzer

Kennzahlen der Forstinventuren

Waldbewirtschaftung – Waldarbeit – Werkzeuge

Waldbesitzstruktur

Geschichte einzelner Forstbetriebe

Transportwege – Walderschließung

Waldbauliche Experimente im Lauf der Zeit (Edelkastanie, Douglasie)

Schadensereignisse (Wildbäche, Windwurf, Tannensterben, Fichtenblattwespe)

Schutzfunktionen des Waldes – Wasserhaushalt – Erosion

Soziale Funktionen des Waldes – Tourismus – Sport – Freizeit – Waldlehrpfade –Publikationen – Jagd

Berufliche Perspektiven – Ausbildungsmöglichkeiten


Holzverwendung

Geschichtliche Entwicklung

Holzfuhrwerk

Sägewerke

Tischlereien – Möbelfabriken

Zimmereien – Holzbau – Architektur mit Holz – Wasserbau

Wagnereien – Fassbinderei – Bootbau

Holzwarenerzeugung – Holzschindelerzeugung

Salzversiedung – Glasverhüttung – Köhlerei

Papier-, Zellstoff-, Faserindustrie

Technische Meilensteine – Innovationen – Modeströmungen

Energiegewinnung – Holz und Wasser

Holzverarbeitungsbetriebe – Historie bis zu aktuellen Leistungen


Einleitung

Als sich die Gletscher der letzten Eiszeit zurückzogen und die Berg- und Seenlandschaft des Attergaues freigaben, breitete sich allmählich eine Vegetation mit dichter Bewaldung aus. Schon zur Jungsteinzeit (Neolithikum 5000-1800) diente Holz nicht nur als Brennstoff und Hilfsmaterial für Werkzeuge sondern auch als Baustoff für Ansiedlungen am Attersee. Zeugnis davon geben die Pfahlbauten, von denen die ersten im August 1870 am nördlichen Ende des Sees entdeckt wurden. Sie stammen aus der Zeit von 2000 bis 1000 vor unserer Zeitrechnung. Das reichlich vorhandene Naturprodukt Holz übte im Lauf der Geschichte einen sehr unterschiedlichen Einfluss auf das Leben der Menschen in der Atterseeregion aus.

Die Veränderungen im Lauf der Jahrtausende betreffen sowohl den Wald als auch die Holznutzung. Urwaldbereiche ohne menschliche Einflussnahme, wie sie im niederösterreichischen Ötschergebiet erhalten geblieben sind, gibt es im Atterseeraum schon lange nicht mehr. Die Wälder im Attergau, ursprünglich „Allmende“, also für jedermann frei nutzbar, wurden relativ früh als Brennholzlieferant für die Salzversiedung in den Salinen des inneren Salzkammergutes interessant. Kaiser und Grundherrschaft sicherten sich ausschließliche Besitzrechte. Bauern erhielten Nutzungsrechte, die später überwiegend mit Waldeigentum abgelöst wurden.

Veränderten sich Waldstruktur und Nutzungsformen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nur langsam, so ging die Entwicklung in der Folge um so rascher voran. Mit dem hohen Holzbedarf für den Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg zerstörten Städte ab 1945 begann eine Industriealisierungswelle mit nachhaltigen Auswirkungen. Die holzverarbeitenden Betriebe, wie Sägewerke, Möbelfabriken, Tischlereien und die Papier-, Zellstoff- und Faserindustrie boten bis dahin nicht gekannte Perspektiven. Menschen, die zuvor vorwiegend in der Landwirtschaft tätig waren, sowie viele Heimatvertriebene aus Osteuropa fanden in der aufstrebenden Holzwirtschaft eine neue Lebensgrundlage.

Die Wälder wurden mit Forststrassen aufgeschlossen. Motorsägen, Traktoren, Holzerntemaschinen und Lastkraftwägen mit Ladekränen ermöglichten in der Folge eine intensive Waldnutzung. Die Aufforstung der geschlägerten Flächen orientierte sich nach hoher Wuchsleistung und gefragten Holzarten. Das führte zur Bildung von Fichten-Monokulturen die auf den Kahlschlagflächen angepflanzt wurden. Nach erheblichen Schadensereignissen wie Windwurf und Schädlingsbefall (Fichtenblattwespe, Borkenkäfer, Tannensterben) werden mehr Mischwälder mit einem hohen Artenreichtum vor allem an Kleinlebewesen angestrebt. Auch die waldverträgliche Anpassung des Wildbestandes ist ein Anliegen. Die nachwachsende Holzmenge blieb jedoch in Summe größer als dessen Abholzung.

Immer leistungsfähigere Produktionsmethoden, die reichliche Verfügbarkeit von Energie, kostengünstige Transportmöglichkeiten über weite Entfernungen (Eisenbahn, Autobahnen, Rhein-Main-Donau-Kanal), wie auch die generelle Globalisierung der Wirtschaft führten nach den „Wirtschaftswunderjahren“ ab etwa 1970 zu weiteren Umwälzungen. Viele Holzverarbeitungsbetriebe wurden geschlossen. Wenige wuchsen zu Großbetrieben heran und einige kleine Familienbetriebe überlebten mit Nischenprodukten. Über Jahrhunderte ausgeübtes Handwerk, altes Werkzeug mitsamt dem überlieferten Wissen über seine Handhabung gerät in Vergessenheit. Menschen die all das noch aus eigener, unmittelbarer Anwendung kennen, haben schon ein hohes Alter erreicht. Vieles ist nur mehr aus Erzählungen bekannt.


Beiträge zu den einzelnen Themen

(nach der Reihenfolge der Entstehung)


Holzfuhrwerk

Der Verwendungszweck bestimmte die Holzart, die Länge und Größe der Baumstämme und damit auch die Wahl der Transportmittel und -methoden. Blochholz für die Sägewerke waren überwiegend Fichten, Tannen und Lärchen mit einer guten Qualität, einem Durchmesser von etwa 15 cm aufwärts und einer Länge von 3 bis 6 Metern. Zu Brennholz (für die Salzversiedung Hallholz genannt) mit einer Länge von 1 bis 2 Metern wurden andere Holzarten, mindere Qualitäten und kleinere Durchmesser aufbereitet.

Holzfuhrwerk im Winter
Anlegen von Holzglägern

Mit den Möglichkeiten, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zur Verfügung standen war der Winter die beste Jahreszeit für die Holzbringung aus dem Wald. Nur ausreichend Schnee und Kälte ermöglichten geeignete Schneefahrbahnen. Bei wenig Schnee blieb viel Holz bis zum nächsten Winter im Wald liegen. Bereits im Herbst wurden die oft tiefen und steilen Hohlwege von großen Steinen und Hindernissen befreit. Die schweren Sägebloche wurden mit Pferde- oder Ochsengespannen und das Brennholz überwiegend mit sogenannten Hörnerschlitten, von Hand gezogen, aus den Wäldern gebracht. Der gefahrvolle Umgang mit den unterschiedlichsten Bedingungen, der Witterung, dem unwegsamen Gelände, den Zugtieren und dem Werkzeug, erforderte viel Voraussicht, Kraft, Geschicklichkeit und gegenseitige Hilfestellung. Täglich standen Leben und Gesundheit auf dem Spiel.


Was nicht direkt zu Abnehmern in der Nähe kam, wurde am Seeufer zu sogenannten „Glägern“ gestapelt. Eigens für die Holzlagerung hergerichtete Ufergrundstücke mit befestigten Verladerampen wurden „Aufsätze“ genannt. (z.B. Zeller Aufsatz, Kohlbauern Aufsatz und andere). Diese standen zum überwiegenden Teil im Eigentum der Bundesforste – ehemals Kaiserwald – oder der Herrschaft Kogl und werden heute vor allem als öffentliche Badeplätze genützt. Das Holz aus den Bauernwäldern wurde in der Regel direkt zu den örtlichen Sägewerken geliefert. Zusätzlich standen Plätze am Seeufer mit Lagerrechten für die örtlichen Waldbesitzer zur Verfügung. Großteils im Eigentum der Gemeinden stehend, dienen sie jetzt ebenfalls als öffentliche Badeplätze.

Seefloß mit Rahsegeln

Der Wasserweg auf dem Attersee erleichterte bzw. ermöglichte in früheren Jahrhunderten den Transport. Je nach Bedarf wurde das Holz zu Flößen gebunden und zu den Verarbeitern am See oder an dessen Abfluss geflößt. Auch Baumstämme ohne weitere Bearbeitung folgten dem Wasserweg über Ager, Traun und Donau. „Pester-Flöße lieferten langes, gerades Rundholz für Dachrinnen bis nach Budapest. Der Antrieb der großen Seeflöße erfolgte mit Rudern aber zusätzlich auch mit mehreren, auf langen Masten hintereinander gesetzten Rahsegeln. Agerabwärts wurden die Seeflöße zu kleineren Flussflößen zerlegt.

In den 1960er Jahren setzte ein großzügiger Ausbau des Güter- und Waldwegenetzes ein. Das ermöglichte das ganze Jahr über den Abtransport des Holzes mit schweren Traktoren und Lastkraftwagen mit hydraulischen Ladekränen direkt aus den Schlägerungsgebieten. Die alten Transportwege und -einrichtungen sowie die Vorzüge günstiger Betriebsstandorte am Wasser waren somit Geschichte.


Beispiele: Holzfuhrwerk in alter Zeit

Datei:HolzaufzugWeissenb.jpg
Holzaufzug im Weissenbachtal

Der Holzaufzug im Weissenbachtal gehörte zu den ungewöhnlichsten Vorrichtungen für den Holztransport. Um Brennholz aus dem Atterseegebiet zu den Sudkesseln der Salinen in Ebensee zu liefern, wurde 1721/22 eine Holzkonstruktion mit den Merkmalen einer Standseilbahn errichtet. Sie bestand 150 Jahre lang und beförderte in dieser Zeit 3 Millionen Raummeter sogenanntes „Hallholz“. Ein sehenswertes Modell dieser Anlage ist im Heimathaus in Steinbach am Attersee zu besichtigen.

Zwischen Nussdorf und der Ortschaft Reith führte eine lange Holzriese vom Waldgebiet am Reithergupf bis zum See. In dieser Rinne aus kleinen Holzstämmen konnten schwere Bloche vom Berg bis zum See rutschen. Es sind nur mehr Reste dieser Anlage im See in Erinnerung geblieben.

Aus Erzählungen ist überliefert, dass von Sägewerksbesitzern am Attersee zuweilen Flöße aus Blochen gebaut und mit gesägtem Holz beladen wurden. Ergänzt mit einem einfachen Unterstand für Proviant, Kleidung und Werkzeug. Auf diese Weise wurde das Holz über Ager, Traun und Donau bis Wien und manchmal sogar bis Budapest geliefert. Mit dem Erlös in der Tasche erfolgte die Heimfahrt per Bahn.

Im Winter 1929 soll die Eisdecke des Attersees so stark gewesen sein, dass sogar schwere Holzfuhrwerke mit Pferden über den See gezogen werden konnten. Der Attersee friert sehr selten zu, bekannt sind die Jahre: 1707 - 1834 - 1879/80 - 1891 - 1893 - 1895 - 1901 - 1929 - 1940 - 1942 - 1943 - 1947 - 1954 – und 1963.

Aufsehen sollen Fuhrleute aus dem Innviertel mit ihren schweren Rössern ausgelöst haben, die gelegentlich an den Attersee kamen um besonders große und lange Holzstämme aus den Wäldern zu holen. Die „Salfinger“ waren bekannte Holzhändler, Besitzer von Sägewerken und eines stattlichen Bauernhofs in Gaspoltshofen. Sie belieferten die Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft mit ausgefallenen Holzdimensionen. Diese Geschäftsverbindung hatte länger als 100 Jahre Bestand. Die Wälder rund um den Attersee waren bekannt für den Reichtum an besonders großen und hohen Fichten- und Tannenbäumen. Viel langes und großes Holz aus dieser Gegend wurde für holländische Schiffswerften und italienische Kirchenbauten gebraucht.

Außergewöhnlich war auch die „Häuplplätte“. Als Plätten wurden flache und breite Transportschiffe bezeichnet. Das Sägewerk Häupl in Attersee besaß eine motorbetriebene Plätte aus Stahl mit welcher nicht nur Flöße gezogen, sondern auch ganze, mit Holz beladene Eisenbahnwaggons vom Sägewerk zu den Anschlußgeleisen der Bahn gebracht wurden. Zu den in den 1950er Jahren obligaten Sommerfesten in Nussdorf wurden alljährlich von der „Häuplplätte“ aus imposante Feuerwerke in den nächtlichen Atterseehimmel gezeichnet, die über den ganzen See zu sehen waren.

Eine aus Holz gebaute Plätte wurde von den Familien Staufer und Lobe in Attersee betrieben. Die letzte Holzplätte der Familie Lobe wurde noch Mitte der 1960er Jahre neu gebaut. Die dafür nötigen, 26 Meter langen Fichtenstämme hatten einen Durchmesser von etwa 30 bis 80 cm und wurden vom Buchberg mit einem Sattellastwagen und einem lenkbaren Nachläufer-Anhänger zum Sägewerk Hemetsberger (Niedermeiersäge) nach Nussdorf gebracht. Die Sägewerkseinrichtung musste für diesen Spezialauftrag eigens adaptiert werden. Die gesägten, etwa 10 cm dicken Pfosten wurden zum naheliegenden See gestreift und von dort auf dem Wasserweg zum Schiffbauer Gebetsroither nach Buchberg geflößt. Der Bau einer Plätte erforderte sehr viel überliefertes Fachwissen und monatelange Schwerarbeit. Die dicken Holzplanken mussten um die Spanten gebogen, angepasst und wasserdicht aneinander gefügt werden. Zur Ausstattung der neuen Plätte gehörten ein Dieselantrieb und ein hydraulischer Bagger zum Be- und Entladen des Schotters aus der Weissenbachmündung. Früher musste der Schotter noch von Hand aus dem Wasser geschaufelt werden. Nach nur wenigen Jahren verdrängte der wesentlich günstigere Strassentransport die letzte Holzplätte vom Attersee.

Sägewerke

Entwicklung der Sägetechnik

Feuersteinabschläge
Treppe Hallstatt
Sägearbeit im alten Rom
Säge um 1245
Säge um 1480
Slängsäge
Verbreitung

Das grundlegende Prinzip der spanabhebenden Bearbeitung hat sich in Jahrtausenden nicht verändert.




In der Steinzeit wurde Holz mit Feuersteinabschlägen bearbeitet.









Diese Treppe aus Tannenholz wurde 1000 Jahre vor Christus in Hallstatt gebaut und ist unversehrt erhalten.







Schon die Ägypter verwendeten in der Bronzezeit Bügelsägen aus Bronze.

Die Abbildung zeigt die Sägearbeit im alten Rom.








Aus dem Jahre 1245 stammt die älteste Darstellung einer Säge mit Wasserantrieb,

eine Reiseskizze von Villard de Honnecourt.







Skizze eines Sägewerkes aus dem Jahre 1480 von Leonardo da Vinci.






Eine Slängsäge mit waagrechter Sägenführung.






Die Grenze zwischen den Verbreitungsgebieten von Venezianer Säge im Südosten und Augsburger Säge im Nordwesten verlief in Atterseenähe. Damit entschieden in der Regel Standortfaktoren über den Einsatz.







Venezianersäge
Venezianersäge
Venezianersäge

Welche Sägeformen vor der Verbreitung der beiden nachstehenden Typen im Atterseegebiet Anwendung fanden, kann nur vermutet werden. Die Venezianer-Säge und die Augsburger-Säge waren hingegen vereinzelt noch bis in die 1960er Jahre in Betrieb. Sie repräsentierten etwa ein halbes Jahrtausend lang den Stand der Sägetechnik. Die wesentlichen Unterschiede seien kurz dargestellt:



Venezianer Säge

Kleines unterschlächtiges Wasserrad (Waschel) mit 50-80 cm Durchmesser und einem Wirkungsgrad von etwa 25%. Es ist gut geeignet bei großer Wassermenge und geringem Gefälle, läuft mit relativ hoher Drehzahl und kommt daher ohne Übersetzungsgetriebe aus. Der Spannwagen für die Holzstämme läuft auf breiten Holzwalzen am Sägeboden. Der Vorschub funktioniert meist über ein Hebelgestänge im Keller und zieht den Wagen über ein Seil oder eine Kette gegen die Säge. Jedes Brett wird die ganze Länge durchgeschnitten und aus dem Wagen genommen.


Augsburgersäge
Getriebe
Augsburgersäge
Augsburgersäge

Augsburger Säge

Großes oberschlächtiges Wasserrad (nur selten unterschlächtig) mit über 2,5 Meter Durchmesser und einem Wirkunsgrad von etwa 75%. Es ist auch bei wenig Wasserangebot geeignet, läuft mit geringer Drehzahl und benötigt daher ein Übersetzungsgetriebe auf etwa 150 Sägehübe pro Minute, was die Herstellungskosten um etwa 40% gegenüber der Venezianersäge erhöhte. Der Wagen läuft auf eigenen Rädern und der Holzstamm wird nur einseitig befestigt. Die Bretter werden nur bis kurz vor das Stammende eingeschnitten. Durch einen zusätzlichen Querschnitt des Endstückes fallen die Bretter ab. Das Schiebezeug für den Wagenvorschub liegt meist oberhalb des Spannwagens, der dann über eine Zahnwelle und eine lange Zahnstange unterhalb des Wagens angetrieben wird.











Bei beiden Sägetypen musste nach jedem Brett der Stamm so weit seitlich verschoben werden, wie das nächste Brett dick sein sollte. Die unregelmäßigen Seitenränder der Bretter wurden anschließend bei Bedarf mit einer Kreissäge gerade geschnitten - „besäumt“.




Wasserrad oberschlächtig
Vollgatter

Die Kraftübertragung vom Wasserrad, meist an der Außenwand des Gebäudes, erfolgte in der Regel mit Wellen, Riemenscheiben und Lederriemen, einer sogenannten „Transmission“. Das Ein- und Ausschalten des Antriebes erfolgte bei den alten Sägen durch Umlenkung der Wasserrinne auf oder neben das Mühlrad.

Später setzte sich der mechanische Schaltvorgang (Einrücken) mit einer sogenannten Vollscheibe und einer Leerscheibe durch, indem der Lederriemen seitlich von einer sich leer durchdrehenden Riemenscheibe auf eine mit der Maschine fest verbundenen Riemenscheibe verrückt werden konnte.






Die nächste Sägengeneration, das sogenannte Vollgatter aus Gusseisen und Stahl gebaut, kam mit der Verfügbarkeit von mehr Energie und der Entwicklung im Maschinenbau etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Gebrauch.

Sonderformen von Gattersägen waren „Horizontalgatter“ mit einem waagrecht bewegten Sägeblatt und Seitengatter zum sägen besonders großer Baumstämme. Vertikal- und horizontal laufende Bandsägen werden in der Regel für individuelle Holzauftrennung und große Baumstämme eingesetzt.


In vielen Sägewerken wurden zur Leistungssteigerung die alten Wasserräder durch Turbinenanlagen ersetzt. Auch mit Sägeabfällen beheizte Dampfmaschinen und Diesel-Stromaggregate kamen zum Einsatz.





Profilzerspaner
Sortieranlage

Die Sägetechnik entwickelte sich weiter mit immer leistungsfähigeren Gattermaschinen, Doppelbesäumern, Bandsägemaschinen und Profilzerspaner- und Kreissägeanlagen. Die Arbeitsabläufe für Transport, Vermessung, Sortierung und die gesamte Logistik wurden mechanisiert und mit Hilfe elektronischer Steuerungen automatisiert. Hubstapler und Kräne übernahmen die schwergewichtigen innerbetrieblichen Transport- und Verladearbeiten. Holztrocknungs-, Hobel- und Holzverleimungsanlagen erweiterten die Holzverwertung.


Schärfautomat

Mit der Leistungssteigerung der Maschinen erhöhte sich auch die Belastung der Sägeblätter und Schneidwerkzeuge. Material und Konstruktion unterlagen einem permanenten Verbesserungsprozess. In modernen Säge- und Zerspaneranlagen kommen für die hochbeanspruchten Sägeblätter Chrom/Vanadium/Stahl-Legierungen und Sägezähne aus Hartmetall zum Einsatz. Das Zerteilen des Holzes mit einer scharfen Schneide ist gleich geblieben, geändert hat sich die Geschwindigkeit. Was einmal tagelange mühevolle Handarbeit beanspruchte, geschieht heute ohne Anstrengung in Sekunden.

Das weich anmutende Naturmaterial Holz verschleißt bei seiner Bearbeitung auch hochfeste Materialien. Wurden früher die Sägezähne mit Steinen oder Feilen von Hand geschärft, so setzten sich später Schärfautomaten mit Schleifscheiben aus Korund für Gatter-, Kreis- und Bandsägeblätter durch. Moderne Hartmetallzähne werden mit Diamantwerkzeugen geschärft. Verschleißfreie Trenntechnologien wie etwa Laser, konnten sich bei Holz nicht durchsetzen.


Die Baumrinde

Die Rinde der Bäume wurde noch vor einigen Jahrzehnten bereits im Wald entfernt. Die Stämme trockneten dadurch aus und erleichterten durch das geringere Gewicht und die glatte Oberfläche das Ziehen auf den Waldwegen. Die Rinde enthält den überwiegenden Teil an Nährstoffen im Baum. Ein Verbleib im Wald schont somit den Waldboden. Die Holzstämme sind im entrindeten Zustand nicht so anfällig gegen Holzschädlinge wie z.B. dem sogenannten Nutzholzbohrer. Nachteilig wirkt sich hingegen die verstärkte Rissbildung und Pilzbefall aus. Zu einem geringen Teil wurde Fichtenrinde ehemals wegen ihres Gerbstoffgehaltes an Gerbereien geliefert.

Das händische Entrinden der Baumstämme erfolgte mit dem sogenannten Schöpser oder Schinder, einer querliegenden Messerschneide an einem langen Holzstiel. Diese zeitaufwändige und mühsame Arbeit verlagerte sich später zu den automatischen Entrindungsanlagen in den Sägewerken. Zur Vermeidung von Schädlingsbefall werden zum Teil Spritzmittel oder Berieselungsanlagen eingesetzt mit denen die Holzlagerstätten permanent mit Wasser besprüht werden. Vollständig unter Wasser bleibt Holz unversehrt erhalten, was die Reste der jahrtausende alten Pfahlbauten im Attersee belegen.


Zum Schluss

Die Produktivität der Sägewerke vervielfachte sich innerhalb weniger Jahrzehnte, wie in anderen Bereichen der Wirtschaft auch. Einfaches Handwerk musste industriellen Produktionsprozessen Platz machen.

Holzvermarktung

Das Holz aus den Sägewerken um den Attersee fand einst in der näheren Umgebung seine Abnehmer, als Bauholz, Möbelholz, für Wagnereien und sonstige Erzeugnisse. Die Holzreste wurden vor Ort zu Holzkohle für die Huf- und Wagenschmieden gebrannt oder als Brennholz verwendet. Heute sind sie Rohstoff für die Papier-, Spanplatten und Holzwerkstoffindustrie sowie zur Pelletherstellung. Baumrinde dient überwiegend als Heizmaterial für die Holztrocknung und für Rindenmulch.

Noch während der Monarchie dehnte sich das Absatzgebiet mehr und mehr aus. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert eröffnete Absatzmärkte in ganz Europa. In heutiger Zeit des globalen Handels muss sich auch das Holz aus der Atterseeregion weltweit behaupten. Hauptabsatzmärkte liegen im europäischen und arabischen Raum, in den USA und Japan. Österreich ist insgesamt zu 48% mit Wald bedeckt – Tendenz steigend – und fünftgrößter Holzexporteur der Erde.


Sägewerke rund um den Attersee und im Attergau

Standorte

In jeder Gemeinde im Atterseegebiet befand sich eines oder mehrere Sägewerke. Der Standort war an die Verfügbarkeit von Wasserkraft als Energiequelle gebunden. Die kleineren „Brettersägen“ lagen entlang der Bäche aus den umliegenden Bergen und wurden mit Wasserrädern und später mit Turbinen angetrieben. Die Ager als wasserreicher Atterseeabfluß erlaubte größere Betriebe. Einzigartig im Sägewerk Häupl in Attersee war eine mit Sägeabfällen beheizte Dampfmaschine in Betrieb, die eine deutliche Leistungssteigerung ermöglichte. Die Anfänge der Elektrifizierung nach 1900, als zusätzlichen Energieträger, gingen auf die Firma Stern & Hafferl in Gmunden zurück, die das Wasserkraftwerk am Traunfall betrieb. Nach 1945, ermöglichte der Ausbau eines leistungsfähigen Stromnetzes durch die Oberösterreichische Kraftwerke AG eine deutliche Leistungssteigerung in der Holzverarbeitung.

In Betrieb: Raudaschlmühle an der Ager in Schörfling, Riedl in Oberhehenfeld-Schörfling, Stallinger in Weyregg, Lux in Weissenbach, Achleitner im Stampf,

Nicht mehr in Betrieb: Häupl in Attersee, Henkel in Unterach, Schernthaner (Pfannermüller) in Misling-Unterach, Strobl in Stockwinkel-Nussdorf, Hemetsberger, Stampfmannsäge in Zell-Nussdorf, Hemetsberger, Niedermeiersäge in Nussdorf, Pichler, Dickaumühle in Nussdorf, Meinhart-Rosenkranz (Mühle im Weidach)-St. Georgem, Grubermühle St. Georgen, Mayr-Melnhof Säge in Talham, Aumühle Kalleitner, Häupl im Stampf,


Beispiel: Geschichte der Niedermeiersäge in Nussdorf
um 1920
um 1930
um 1940
um 1950
Spezialaufträge
um 2000

Johann Nussdorfer, Besitzer des Niedermeierhofes in Nussdorf meldete am 25. März 1872 bei der K.k. Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck das Gewerbe einer „Brettersäge“ an.

Das Sägewerk wurde am Nussdorferbach unterhalb einer bestehenden Hausmühle errichtet. Das Wasser wurde an einer Wehr gestaut, floss in Holzrinnen zuerst über das Wasserrad der Mühle und von dort auf das größere Wasserrad des Sägewerkes. Die Wasserräder waren „oberschlächtig“, wobei das Wasser auf dem höchsten Punkt des Wasserrades in die Schaufeln floss und das Gewicht des Wassers das Rad in Bewegung setzte. Diese Form war bei Bächen mit relativ wenig Wasserführung gebräuchlich.

Die Sägemaschine war ein sogenanntes Augsburgergatter. Um das oft sehr spärlich zur Verfügung stehende Wasser zu nützen, wurde Tag und Nacht gesägt. Die „Sagknechte“ schliefen in einer Kammer im hölzernen Sägewerksgebäude und wechselten sich bei der Arbeit ab. Das Restholz, Schwartlinge und Spreissel genannt, wurden als Brennholz verkauft oder an Ort und Stelle von einem Köhler zu Holzkohle für die örtlichen Schmieden gebrannt.

In der Zwischenkriegszeit um 1938, den Jahren einer weltweiten Wirtschaftskrise, errichtete der Enkel des Gründers, Georg Hemetsberger, eine Turbinenanlage um eine höhere Leistung zu erzielen. Es wurde 16 Höhenmeter oberhalb des Sägewerksgeländes ein betoniertes Staubecken mit 500 Kubikmeter Wasserinhalt errichtet. Von dort führte eine Druckrohrleitung bis zum Sägewerk. Das Rohr hatte einen Innendurchmesser von 30 cm und war etwa 300 Meter lang. Es war in einem Stück aus Lärchenholz, ähnlich wie ein Fass, gebaut, mit Eisendraht umreift und außen mit Bitumen gestrichen. Nach einer Lebensdauer von etwa 30 Jahren wurde sie um 1960 durch Eternitrohre ersetzt. Die Peltonturbine lieferte bei einem Wasserdruck von 1,6 bar, einem Düsendurchmesser von 50 mm und einem Schaufelrad-Durchmesser von einem Meter eine Leistung von 10 PS. Bei wenig Wasserzufluss reichte der Teichinhalt für etwa zwei Stunden Vollbetrieb.


Mit dieser Leistung konnte ein Horizontalgatter und ein Vollgatter angetrieben werden. Nach einem Brand im Jahr 1948 wurde das Sägewerk neu errichtet, zusätzlich mit einem Seitengatter und 1954 mit einem großen Vollgatter ausgestattet mit dem Stämme mit einem Meter Durchmesser geschnitten werden konnten. Diese außergewöhnliche Maschine wurde 1913 in Altötting in Bayern gebaut, arbeitete 40 Jahre lang in einem Sägewerk in Bruck-Fusch im Salzburger Pinzgau, weitere 30 Jahre in Nussdorf und tut noch heute, fast 100-jährig, seinen Dienst in einem Sägewerk im Salzburger Tennengau.


Ab 1985 wurde die Turbinenanlage stillgelegt und durch ein Diesel-Stromaggregat mit 200 KVA Leistung ersetzt. Das Sägewerk wurde nach und nach auf die Herstellung von Holzgartenmöbeln umgestellt, die von Nordeuropa bis Israel und vom Burgenland bis in die USA ihre Abnehmer finden.