Bauernkalender

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Titelbild des „Mandlkalenders“
Den Bauernkalender gibt es seit zumindest der Mitte des 19. Jh. Er enthält Bilder der Tagesheiligen (daher Mandlkalender), Bauernregeln, Symbole für das zu erwartende Wetter, landwirtschaftliche Tätigkeiten, Sonnenaufgang und Mondphase sowie die Tages-Tierkreiszeichen.
In seiner einfachen Form war selbst für Analphabeten verständlich.

In früherer Zeit wurden bei uns die Tage des Jahreslaufes häufig anders als heutzutage bezeichnet.
Man sagte nicht: „Morgen ist der 19. März“ – solche Bezeichnungen fand man vielleicht in Briefen und Urkunden, im täglichen Leben hieß es: „Morgen ist Josefi-Tag“.

Gemeint war der Gedenktag eines Heiligen, der in der gesamten katholischen Welt am selben Tag gefeiert wird.
Grundlage ist der „Allgemeine Römische Kalender" (Calendarium Romanum Generale), der die Festtage und Gedenktage der Heiligen enthält. Der derzeit gültige Kalender stammt aus dem Jahr 1970 und wurde später ergänzt.
Mit diesem Kalender von 1970 kamen auch Verschiebungen. So wurde früher der Thomastag am 21. Dezember gefeiert, heute ist sein kirchlicher Gedenktag der 3. Juli. Wenn man jedoch in Zusammenhang mit dem alten Bauernkalender vom Thomastag spricht, ist der alte Dezemberfeiertag gemeint. Auch das Brauchtum blieb beim alten Gedenktag.

Für die Praxis war es gar nicht notwendig jeden einzelnen Tag des Jahres zu bezeichnen. Die wichtigsten Heiligen und die verschiedenen Festtage bildeten Gerüst und genug Orientierung, sich im Jahr zurecht zu finden.
Die Nennung eines Tages nicht nach dem Datum, sondern nach Heiligenfesttagen sowie nach den Festtagen wie Weihnachten, Ostern, aber auch Aschermittwoch, Dreifaltigkeit, Fronleichnam usw. waren allgemein üblich.

Inhaltsverzeichnis

Einige Beispiele

  • Bocksleitner schreibt z.B. im Seewalchner Heimatbuch 1929:
    Heumahd ist ungefähr Mitte Juni gegen den Peterstag (29. Juni) und der Kornschnitt setzt Mitte Juli ein, dem rasch dann alle Halmfrüchte folgen. Mitte August „pfeift“ schon die Dreschmaschine um den „großen Frauentag“(15. August) und um Aegidi (1. September) ist die Herbstsaat in vollem Gange."
  • Michl Wiesinger schreibt in seinem Tagebuch (1857)
    Am Montage nach der Heilingdreifaltigkeit kam um 9 Uhr abends ein sehr starkes Gewitter und der Blitz schlägt am Fleischakerhaus ein, wogleich das halbe Dorf (Nußdorf) in Feier stand.
  • Noch im Oktober 2010 erinnerte sich ein älterer St. Georgener, dass am Theresientag (15.10.) Kirtag in Frankenmarkt war.
  • Ein alter bayrischer Schriftsteller meinte bezüglich seines Geburtstages, er sei am Fronleichnamstag, als beim dritten Altar das zweite Mal geschossen wurde, auf die Welt gekommen. Präziser geht’s gar nicht!

Namenstage und Patronate

Der Namenstag einer Person ist der christliche Gedenktag des Namenspatrons. Dieser Tag war früher wichtiger (und ist in manchen Gegenden und Ländern noch heute gleich wichtig) als der eigene Geburtstag. Die Feier des Namenstages gestaltete sich dann ähnlich wie die Feier des Geburtstages.
Auch die Kirchenpatrone sind durch die Gedenktage der Heiligen im Jahreslauf festgelegt und damit verbunden ist auch meist die Abhaltung der Kirtage. Nicht alle Heiligen waren gleich „bedeutend“. Hier gab es lokale und regionale Unterschiede. Noch heute ist der Ruperti-Tag in Stadt und Land Salzburg ein bekannter Festtag, verbunden mit der Abhaltung eines mehrtägigen Marktes. Am Tag des Landespatrones haben die Kinder in ganz Österreich schulfrei. Auch die Berufe und Vereine kennen einen Patron: die Musikkapellen veranstalten ein „Cäcilienkonzert“ und die Feuerwehren die „Florianifeier“.
Unsere Flößer haben den heiligen Nikolaus zum Patron, der auch Patron der Schiff-Fahrt ist. In der Kirche in Schörfling am Attersee gibt es eine alte herrliche Steinstatue des Heiligen.

Merksprüche

Wenn man etwas wissen soll, sagt man, sind Merksprüche sehr hilfreich. Praktischerweise war dies früher auch an die Gedenktage gebunden.
Einige Beispiele:

  • Was das Obst im Attergau betraf:

    Da Jakob tuat d´Äpfl salzen, (25.7.)
    da Laurenz tuats schmalzen, (10.8.)
    da Bartl gibt eahn an Gschma´h, (24.8.)
    und da Michl brockts ab. (29.9.)

  • Was das Betreten der Wiesen anlangte:

    Von Georgi (23.3.) bis Michaeli (29.9.) darf man nicht über die Wiesen gehn.

  • Was das Ende des Sommers anlangte:

    Zu Bartlmä (24.8.) geht man im Sommer in die Kirche und im Herbst kommt man heraus.

    An diesem Tag ist üblicherweise das Ende der Getreideernte und der Beginn der Aussaat für das nächste Jahr.

Bauernfeiertage

In der Landwirtschaft war schon allein durch die Viehhaltung eine längere Abwesenheit oder gar ein Urlaub sehr schwierig durchzuführen. Es gab aber immer wieder Zeiten und Tage, in denen die Arbeit auf das Notwendige beschränkt werden konnte. Ältere Menschen erinnern sich noch an den Begriff „Bauernfeiertag“.
Nach der Verrichtung der unumgänglichen Arbeit hatten die Leute frei. Und wenn da jemand gerade auch noch Namenstag hatte, gab es auf jeden Fall etwas zu feiern.
Um 1800 gab es bei uns rund 30 Bauernfeiertage.

Wichtige Tage im Bauernkalender

(Beachte: Nicht alle angeführten Tage sind auch Bauernfeiertage und es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt lokale und regionale Unterschiede, was die Bedeutung anlangt. Auch manche Bauernfeiertage wurden nicht überall gehalten. Die hohen Feste und gebotenen Feiertage sind hier meist nicht angeführt)

  • 5. Jänner: „Glöcklertag“, die letzte Rauhnacht
  • 20. Jänner: Sebastian
  • 25.Jänner: Pauli Bekehr
  • 2. Februar: Mariä Lichtmess: – in der Landwirtschaft der wichtige Tag des Dienstbotenwechsels.
  • 3. Februar: Blasius
  • 24. Februar: Matthias
  • 3. März: Kunigund
  • 17. März: Gertraud
  • 19. März: Joseph; „Josefitag“
  • 25. März: Mariä Verkündigung
  • 23. April: Georg; Beginn des Arbeitsjahres im Freien (früher 24. April!); Kirchenpatron von St. Georgen im Attergau
  • 25. April: Markus
  • 4. Mai: Florian
  • 12.-15. Mai: die Eisheiligen Pankraz, Servaz, Bonifaz
  • 13. Juni: Antonius (von Padua)
  • 24. Juni: Johannes der Täufer; „Sonnwendtag“
  • 27. Juni: Siebenschläfer – ein bis heute bekannter Wetter-Lostag
  • 29. Juni: Peter und Paul; „Peterstag“
  • 2. Juli: Maria Heimsuchung
  • 22. Juli: Magdalena
  • 25. Juli: Jakobus; „Jakobi“, Kirchenpatron von Seewalchen am Attersee
  • 26. Juli: Anna
  • 10. August: Laurenz
  • 15. August: Mariä Himmelfahrt; auch „großer Frauentag“ genannt; Kirchenpatronin von Attersee am Attersee
  • 24. August: Bartholomäus; Kirchenpatron von Unterach am Attersee
  • 1. Sept.: Ägidi
  • 8. Sept.: Mariä Geburt
  • 21.Sept.: Matthäus
  • 29.Sept.: Michael; „Michaelitag“, Ende des Arbeitsjahres im Freien
  • 16. Okt.: Gallus; Kirchenpatron von Schörfling am Attersee
  • 28. Okt.: Simon und Judas; „Simoni“
  • 6. Nov.: Leonhard, der Patron des Viehs
  • 11. Nov.: Martin, „Martini“
  • 15. Nov.: Leopold
  • 19. Nov.: Elisabeth (früher 17. Nov.)
  • 25. Nov.: Katharina
  • 30. Nov.: Andreas; Kirchenpatron von Steinbach am Attersee
  • 4. Dez.: Barbara
  • 6. Dez.: Nikolaus
  • 8. Dez.: Mariä Empfängnis
  • 21. Dez.: Thomas, erste Rauhnacht; (wird kirchlich heutzutage im Juli gefeiert)
  • 26. Dez.: Stephan, „Stefanitag“
  • 27. Dez.: Johannes
  • 27. Dez.: Unschuldige Kinder
  • 31. Dez.: Silvester

Eine Reihe dieser Tage waren auch fest mit dem Brauchtum verbunden. So wundert es nicht, dass der Leonhardiritt um den Festtag des hl. Leonhard dem Schutzpatron der landwirtschaftlichen Tiere - heute vor allem der Pferde - durchgeführt wird.
Durch die heute weitgehende Bedeutungslosigkeit der Bauernfeiertage werden verschiedene alte Bräuche nicht mehr ausgeübt.

Bauernregeln

Der Bauernkalender war auch Orientierung für verschiedene bäuerliche Tätigkeiten. So hieß es für den 21. März:

„An Benedikt achte wohl, dass man den Hafer säen soll.“

Am bekanntesten sind bis heute die Wetterregeln. Ihr Wahrheitsgehalt ist unterschiedlich, aber ohne Satellitenbilder und Niederschlagsradar war man eben auf andere Unterstützung angewiesen. Sie hieß es z.B:

„Ist es an Josefus klar, wird es ein gesegnet´ Jahr.“

Aberglaube

  • Zu Ostern soll man ein geweihtes Ei auf den Dachboden hängen, damit der Blitz nicht einschlägt.
  • Am Leopoldtag soll man kein Brot backen, denn das wird zu Stein. (siehe auch die Sage: Der steinerne Brotlaib).
  • Am Freitag keine Arbeit anfangen, denn das wär umsonst.
  • Am Karfreitag kein Geld ausgeben, sonst „dagibt“ es das ganze Jahr nicht.
  • Wenn man den Kuckuck im Frühjahr das erste Mal hört und man hat kein Geld bei sich, hat man das ganze Jahr keines.
  • An einem Marienfeiertag keine Handarbeit verrichten, sonst bekommt man eine wehe Hand.

Anmerkung und Quellen:

  • Dieser Artikel wurde am Josefitag 2013 geschrieben.
  • Alter Bauernkalender, Verlag Leykam, Graz
  • Wolfgang Stöckl: raudiges und staudiges, Bibliothek der Provinz, 2003, ISBN 3-902415-01-0
  • Adolf Bocksleitner: Seewalchen am Attersee, ein Heimatbuch; Verlag Julius Wimmer, Linz, September 1929