Atterwiki:FH/Testseite

Aus Atterwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Elekrtizitätsgenossenschaft Parschallen am Attersee bemühte sich ab dem Jahr 1924 um die Elektrifizierung mehrerer Orte in der Gemeinde Nußdorf am Attersee. 1960 wurde die Genossenschaft aufgelöst.

Franz Falkensteiner, vulgo Neudecker, aus Gampern hat die Geschichte der Elektrogenossenschaft Parschallen erforscht und dokumentiert.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Durch das Bemühen des Bauern Gottlieb Prummer, dem „Gneißl z‘ Zell“ wurden im Jahre 1924 einige Ortschaften entlang des Attersees, bis hinauf zu den Einzelgehöften in Aichereben, damals Gemeinde Lichtenbuch, mit elektrischem Strom erschlossen. Er kam beim Götztenloher in der Gemeinde Pitzenberg zur Welt und heiratete 1919 die Kriegswitwe Maria Gneißl. Da ich diesen Mann zwar persönlich gekannt, aber nie mit ihm geredet habe, bin ich bei diesem Bericht auf die Erzählungen meines Vaters, auf das Wissen von Gottfried Löschenberger, auf meine eigenen Erinnerungen und auf die Eintragungen in den Protokollbüchern angewiesen.

Geschichte

Zum Betrieb der Tramway (Lokalbahn Unterach-See) gab es bereits im Jahre 1907 eine Starkstromleitung vom Traunfall bis nach Unterach. Die Trasse verlief so wie heute heute an der Westseite des Attersees (Nußdorf, Parschallen, Misling) Außerdem sollte 1925 in Timelkam das ebenfalls von der Firma Stern Hafferl errichtete Kohledampf-Kraftwerk in Betrieb gehen. Da das zu erwartende höhere Stromaufkommen auch weitere Abnehmer benötigte, war eine Netzerweiterung äußerst sinnvoll. Aus diesem Grund wird es wohl damals zwischen den Stromanbietern und dem „Gneißl“ zu näheren Kontakten gekommen sein. Schließlich verlief die Starkstromleitung durch seine Grundstücke. Die elektrische Energie war aber zu dieser Zeit noch Neuland. Außerdem war die wirtschaftliche Lage nach dem ersten Weltkrieg alles andere als gut. Wenn ich mir vorstelle, wie schwierig es gewesen sein musste, die Bevölkerung für eine solche Investition zu gewinnen, dann wird der Gneißl sicher ein sehr hohes öffentliches Ansehen gehabt haben.

Für die Grundbesitzer entlang der Trasse wäre der Anschluss ans Netz möglicherweise finanziell verkraftbar gewesen. Aber was sollte mit den anderen weit abseits gelegenen Höfen geschehen? Hohe Anschaffungs- und Erhaltungskostenkosten hätten die Finanzkraft der Bevölkerung bei weitem überfordert. Um so ein Projekt zu realisieren, bedurfte es der gemeinsamen Anstrengung. Die Idee eines Friedrich Wilhelm Raiffeisen „Einer für alle - Alle für Einen“ könnte die Verwirklichung des Projektes ermöglicht haben. Da vereinbart wurde, dass die technischen Anlagen gemeinsam finanziert und erhalten würden und die künftigen Mandartare ihr Amt ehrenamtlich ausführen, kam es am 11. November 1923 zur Gründung der „Elektrizitätsgenossenschaft Parschallen am Attersee“.


Der erste Vorstand

Obmann: Gottlieb Prunner Kneißl in Zell Obm. Stv: und Schriftführer Hans Danter Schneiderbauer zu Reith Obmannstellvertreter Josef Hemetsberger Lacher v Dexlbach Kassier: Moriz Speigner Kaufmann in Zell Beisitzer: Mathias Neubacher Sperr in Aich

Über die gesamten Errichtungskosten konnte ich nichts erfahren. Aber im Protokollbuch ist vermerkt, dass der Anschluss für Kraftstrom 440.000 Kronen und für Lichtstrom 10.000 Kronen pro Lampe kostete.(Eine Umrechnung auf den Euro ist leider nicht möglich, weil sich der Wert der Krone damals täglich änderte.)

Technische Anlagen

Die einzige Trafostation befand sich in Parschallen ca. 200 m hinterm Leitnerhaus, Richtung Dachsberg und ca. 50 m südlich vom Heideckerhaus. Das Bauwerk wurde aus roten Mauerziegeln errichtet.

Wie vorher geschrieben, wurde der Strom von der schon bestehenden 30.000 Volt-Leitung (Stern & Hafferl) bezogen und in der genossenschaftseigenen Anlage auf 380 bzw. 220 Volt heruntertransformiert. Zur Errichtung der Freileitung wurde vom Trafo bis zum Groißn in Aich ein 50er-Kupferkabel gespannt, dann genügten vorerst einfache Kupferdrähte mit verschiedenen Querschnitten. Das Mastlochgraben, das Mastensetzen und das Leitungsauslegen war Aufgabe der Genossenschaftsmitglieder.

Mit diesem erstem Projekt wurden folgende Ortschaften erschlossen:
Reith, Zell, Dexlbach, Parschallen, Aich, Stockwinkel, Reiserbauer, Wiedmais, Schwendt, Kratzesberg, Misling, Grub, Hausmann, Modla, Holzberg und Aichereben.

Anzumerken wäre jedoch, dass vorerst nicht alle Häuser ans Netz angeschlossen wurden. Bei einigen Häusern wurde entweder nur die Kraftleitung, bei anderen nur der Anschluss für das Licht installiert. Ob es sich um eine finanzielle Angelegenheit oder um eine persönliche Abneigung gegenüber der neuen Energiequelle handelte, dürfte auch weiterhin im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben.

Im Protokoll vom 30. März 1924 ist vermerkt, dass der Anschluss pro Lampe 3.000 Kronen kostet und für einen E-Mast inkl. Bringung, 95.000 Kronen vergütet werden. Außerdem war wegen der doch sehr bescheidenen Stromanlieferung eine Abnahmeregelung notwendig. Dies bedeutete, dass der Einsatz der sowieso spärlich vorhandenen Elektromotoren zeitmäßig geregelt war. (ZB. Lenzmann, Montag-von bis-; Wastlmann,-von bis-; Tofferlmann,-von bis- usw.)

Wenn manchmal über die Preise für Elektrogeräte diskutiert wird, dann wäre ein Vergleich zu den Anschaffungskosten des Jahres 1924 empfehlenswert: zB. kostete der vom Wastlmann gekaufte AEG 3-PS-Schleifringmotor samt Schaltwippe, Ölbadanlasser und Gestell, soviel wie ein sechsschühiger Ochse. (etwa 550-570 kg Lebendgewicht). 2017 würde man dafür vier oder sogar fünf neue Motoren mit gleicher Leistung samt Stern-Dreieckschalter und Riemenscheibe bekommen.

Stromkosten Wastlmann: 1924 Kronen 012430000,00 Inflation!!!!!!!!!!! 1925 Schilling 0122,05 Dieser Betrag ist 2017 mit 2,8 zu 1957 Schilling ca000600,00 multiplizieren 122,05 x 2.8= 343,00 € Zu Beachten wäre: Damals waren höchstens 10 Lampen und der E Motor im Einsatz


Auflistung der Gründungsmitglieder - laut Protokoll vom 21. 12. 1924

Lfd Nr. LfdNr. 01 Renner Josef 21 Franz Eder 0 02 Gottlieb Neubacher 22 Mathias Schachl 0 03 Johann Danter 23 Andreas Wiener 04 Josef Wachter 24 Anton Mayrhauser 0 05 Moritz Speigner 25 Theresia Löschenberger 06 Gottlieb Prummer 26 Josef Mayrhofer 07 Josef Hemetsberger 27 Franz Neuhofer 08 Johann Bruckbacher 0 28 Franz Steinbichler 09 Franz Ericher 29 Franz Pachler 10 Franz Eder 30 Franz Tiefenbacher 11 Josef Segner 31 Leopold Schernthaner 12 Johann Wiespointner 0 32 Karl Renner 13 Alois Roither 0 33 Franz Raudaschl 14 Mathias Neubacher 34 Franz Riesinger 15 Franz Lacher 0 35 Josef Enser Johann Danter 0 36 Michl Hemetsberger 17 Dr. Poltin 37 Franz Falkensteiner 18 Alois Hemetsberger 0 38 Franz Windhager 19 Franz Kiebler 04 39 Mathias Graf 20 Franz Neubacher 40 Ignaz Schernthaner


1925 erfolgte die erste Abrechnung in Schilling Ab 29.6.1925 kostete der Anschluss pro Lampe Schilling 001,50 pro Lichtsicherung Schilling 007,00 pro Kraftsicherung Schilling ^013,00

Was sich zwischen 1926 und 1937 ereignete, konnte ich leider nicht eruieren.

Am 24. Juli 1938 fand unter dem Vorsitz des damaligen Ortsgruppenleiters eine Sitzung statt. Dabei wurden die bisherigen Funktionäre ihres Amtes enthoben und durch Neue ersetzt.

Für den 7. November 1945 wurde wieder eine Vollversammlung einberufen. Laut Protokoll war sie vorerst nicht beschlussfähig, weil zuwenig Mitglieder anwesend waren. Nach Abwarten einer halben Stunde wurde die Versammlung ohne Rücksicht auf die Mitgliederzahl als beschlussfähig erklärt und ein neuer Vorstand gewählt:

Obmann: Michael Hemetsberger Nußdorf Wieserbauer Obmann Stv. Franz Falkensteiner Aichereben Wastlmann Ausschüsse: Franz Werner Zell Johann Schindlauer Parschallen Wendl Franz Raudaschl Holzberg Holzberger Mathias Lacher Aich Lacher Ferdinand Löschenberger Aich Reiserbauer Franz Feichtinger Aich Grabler Aufsichtsrat: Gottlieb Roither Zell Franzlbauer Franz Neuhofer Aichereben Tofferlmann Josef Nußbaumer Wiedmais MathiasSteinbichler Buchenort Roidbauer Alois Hemetsberger Aich Tofferl Alfred Kurz Zell Josef Segner Parschallen Segner Franz Klezl Wiedmais Johann Bruckbacher Dexlbach Moar


Baustufe II: 1947-50

1947 erfolgte die Trassierung und der Bau der Leitung von Zell nach Limberg und zum Mahdbauern. Obwohl es so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fast nirgends das notwendigen Material zu kaufen gab, wussten sich die Limberger zu helfen. Sie organisierten sich angeblich aus einem in Altenberg abgestellten Wehrmachts-Lastkraftwagen die Drähte für die Freileitung. Der Mahdbauer musste die erforderlichen Masten zur Verfügung stellen. Die gröberen Arbeiten, wie Trasse freilegen, Mastlöcher graben, Masten setzen, Leitungsdrähte ausrollen, erledigten die Limberger selber. Über die Kosten dieses Projektes und die Baufirma habe ich keine Erkundungen gemacht. Als Limberg angeschlossen war, tauchte das nächste Problem auf: der Strombedarf überstieg die Stromlieferkapazität. Daher war es manchmal so, dass die Glühbirnen in den letzten Häusern fast erloschen und die Motoren keine Leistung mehr erbrachten.

Stromkosten 1949: Grundgebühr (abhängig vom Grundbesitz) Kleinabnehmertarif 80 Groschen/Kilowattstunde Wieserbauern-Lager 40 Groschen/ Kilowattstunde

Ab dem Jahre 1949 erfolgte eine umfangreiche Investition. Die Firma Kagerer aus Linz plante und baute mit Krediten der ERP-Wiederaufbaubeihilfe und der Leistung der Genossenschaftsmitglieder das gesamte Freileitungsnetz bis nach Lichtenbuch, einschließlich aller bisher angeschlossenen Ortschaften.

An Stelle des einzigen Stromverteilers in Parschallen wurde für Dexlbach, Zell, Reith und Limberg in Zell ein eigener Trafo errichtet. Eine neue Trafostation in Misling wurde für die Stromversorgung der Häuser jenseits des Urfangbaches benötigt. In Stockwinkel wurde etwa 100 Meter oberhalb vom ehemaligen Gasthaus Häupl der dritte Trafo errichtet. Von dieser Anlage aus sollte das gesamte Berggebiet versorgt werden.

Einen Anschluss über Oberaschau lehnten die Lichtenbuchner aus Kostengründen ab. Dies erwies sich jedoch als großer Fehler, denn die Leitung vom Tofferlmann bis nach Schwarzenbach entpuppte sich wegen der exponierten Lage als äußerst störanfällig. Vom Trafo in Stockwinkel bis auf die Anhöhe der Ramsauerleitn wurde das vorher von Parschallen bis Aich gespannte 50er-Kupferkabel wieder verwendet. Auf allen sonstigen Strecken kamen neue ALU-Leitungsdrähte zum Einsatz.

Eine große Schwachstelle waren die unprägnierten Holzmasten. Nach einigen Jahren verfaulten sie zwischen Himmel und Erde. Wenn die Grundbesitzer dies zeitgerecht meldeten, dann wurde eben ein neuer Mast dazugestellt und die Isolatoren bei Gelegenheit ummontiert. Bei den neu errichteten Trassen gab es das Problem, dass alle Masten auch zur gleichen Zeit morsch und untauglich wurden. Dies haben wir im Abschnitt zwischen Stockwinkel und der Anhöhe auf der Ramsauerleitn erlebt.

Nach einem starken Schneefall stürzten alle Masten um. Dadurch kam es zu einen längerem Stromausfall. Es gab zwar damals noch keine Gefriertruhen oder sonstige Dauerstromabnehmer. Trotzdem musste trotz aller wetterbedingten Unbilden sofort mit der Schadensbehebung begonnen werden.

Mein Vater war damals Obmann-Stellvertreter. Seine Aufgabe war es, den Wiederaufbau zu koordinieren. Ich wurde zum Graben eines Mastloches im steilem Gelände eingeteilt. Da ich mit dieser Tätigkeit noch nicht vertraut war, setzte ich den Einstieg zu kurz an. Dies hatte wiederum zur Folge, dass ich nach vier Stufen keinen Platz für eine weitere hatte. In meiner Verzweiflung machte ich auf engstem Raum noch einen Stich in die Tiefe und holte die Erde mit bloßer Hand heraus. Für eine Rast und eine Jause blieb keine Zeit, weil ich einerseits wegen meines Ungeschicks schon viel länger als die anderen brauchte, andererseits waren mir die Mastensetzer bereits auf den Fersen. Unter Mithilfe des Herrn Birnecker erledigte ich den Auftrag gerade noch rechtzeitig. Aber ich habe mir damals geschworen, nie mehr ein so enges Loch zu graben.

Anlässlich dieser Störungsbehebung tauchte ein vorher kaum beachtetes Problem auf. Laut Statuten wären alle anliegenden Genossenschaftsmitglieder zur Mithilfe an der Behebung der Schäden verpflichtet gewesen. Zur Arbeit kamen aber nur die Ortsansässigen. Die Zweitwohnungsbesitzer waren kaum erreichbar. Oder sie hätten sowieso nicht mitgeholfen. Andererseits erwarteten so Manche, dass die ehrenamtlichen Ausschussmänner alles gratis machen sollten. (ZB. Zähler-ablesen, Robot-einsagen usw.)

Eine eventuelle Aufwandentschädigung fanden sie unakzeptabel. Genau aus diesem einen Grund verliefen die Jahreshauptversammlungen meist sehr emotional. Dies bewog den Vorstand, die Gunst der Stunde zu nutzen und eine Übernahme der Anlagen durch die OKA vorzuschlagen. Dies geschah anlässlich der folgenden Jahreshauptversammlung. 1960 wurde die Genossenschaft aufgelöst. Seither erfolgt die Stromversorgung durch die Energie AG.

Quelle

  • Franz Falkensteiner, Gampern




Die Region Attersee-Attergau und seine ....


Kirchen


Museen

Themenwege