Ansichtskarten

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Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde es üblich, von einer Reise oder dem Ort, wo man auf Sommerfrischen weilte, eine Grußkarte zu schicken.

Photochromiebild von Seewalchen 1907

Inhaltsverzeichnis

Erfindung der Bildkarte

1869 wurde die Postkarte in Österreich-Ungarn eingeführt. Gegen Ende des Jahrhunderts kamen Karten auf den Markt, die auf der Rückseite ein Schwarz-Weiß-Foto oder ein koloriertes Bild aufgedruckt hatten.
Etwa ab 1895 wurde die Produktion so erschwinglich, dass sich viele wichtige Verlage und Druckereien um die Erzeugung dieser Karten annahmen. Solche Verlage gab es in vielen Städten Österreichs und Deutschlands.
Die Auflagen waren eher gering, so brachte oft auch der Kaufmann eines Ortes oder ein Hotelier in einem Eigenverlag „seine“ Karten auf den Markt.
Überall entstanden Poststellen, welche die Karten rasch weiterleiten konnten. Und so gehörte es einfach dazu, vom Reise- oder Ausflugsziel an Bekannte und Verwandte einen Gruß zu schicken. Meist waren die Inhalte banal und beschäftigten sich mit dem Wetter oder der Kost. Das reichte oft, um den daheim gebliebenen eine kleine Aufmerksamkeit oder auch ein wenig Neid zu vermitteln.

Botschafter der Sommerfrische

Und die Karten waren auch Werbemittel und Botschafter der Aufenthaltsorte. Von Anfang an fand man auf den Ansichtskarten topografische Abbildungen. Städte und Orte mit ihren Wahrzeichen und Landschaften sind bis heute die häufigsten Motive. Für den Attergau galt es natürlich, den See oder die Berge und das eine oder andere Panorama in den Mittelpunkt zu stellen. Es waren meist charakteristische Ansichten oder Sehenswürdigkeiten der Städte und Orte.

Vorschriften der Post

Anfangs war die Vorderseite ausschließlich für Briefmarke, Poststempel und Adressierung bestimmt. Es durfte kein sonstiger Text geschrieben werden, und die Adresszeilen verliefen über die gesamte Breite der Karte. So wundert es nicht, dass auf der Rückseite (Bildseite) die Grüße und Mitteilungen – nicht selten unter Ausnutzung aller freien Flächen – Platz finden mussten. Erst ab 1904 gab es die geteilte Karte, wobei sich dann die Kartenschreiber auf der linken Hälfte frei entfalten konnten.
Über Jahrzehnte waren die Portokosten geringer als jene für Briefe.

Techniken

Technisch gesehen machte die Ansichtskarte eine vielfältige Entwicklung durch.

Lithografie von Schörfling
  • Lithografien
    Die ersten Karten waren meist Lithographien. Die Bilder wurden auf einem Stein eingeritzt und nach der Behandlung der Steinoberfläche konnten die Bilder gedruckt werden. Dieses Flachdruckverfahren war die wichtigste Drucktechnik im 19. Jahrhundert. Ab 1895 konnten – durch die Verwendung mehrerer Steine – auch färbige Drucke hergestellt werden.
    Die Bildseite enthielt oft mehrere Einzelbilder, häufig waren sie mit Ornamentik, Schnörkeln, Rahmen, Ranken, Kindern, Menschen in Trachten, Blumen oder Blättern verziert.
    Lithographien gibt es fast von allen allen Orten der Monarchie. Sie entstanden meist zwischen 1895 und der Jahrhundertwende.
  • Photochromie
    Um 1880 wurde die Photochromietechnik entwickelt, nach wenigen Jahren kamen auch so erstellte Ansichtskarten in den Handel.
    Ähnlich der Lithographie werden bis zu 20 Steine für einen Mehrfarbendruck verwendet. Obwohl der Eindruck einer Fotografie vermittelt wird, handelt es sich bei dieser Methode um einen rasterlosen Mehrfarbendruck.
    Es kamen also keine echten Farbauszüge, sondern nachempfundene Druckfarben zum Einsatz.
    Der bekannteste Verleger im Attergau war der Gmundner F. E. Brandt, der eine Fülle von Karten aus dem gesamten Salzkammergut, oft in verschiedenen Auflagen und Varianten, herstellte.
  • Lichtdruck
    Neben den Lithographien kamen bald verstärkt Karten mit echten Fotos in den Handel. Von 1900 bis etwa 1940 war der Lichtdruck die wichtigste Technik für die Schwarz-Weiß-Ansichtskarten.
  • Offsetdruck
    Immer mehr setzte sich der Offsetdruck durch. Die Bilder werden hier gerastert, kommen dann auf einen Gummituchzylinder und dann auf das Papier.
    Josef Voglmayr aus Attersee war der Verleger für die beliebten Schwarz-Weiß-Fotokarten vom Attergau.

Um 1960 kamen die ersten Farbfotos auf die Ansichtskarten. Seither werden sie in einem Offsetverfahren mit vier Farben hergestellt.
In Anwendung der subtraktiven Farbmischung wird beim Vierfarbendruck das Originalfoto vorerst in vier Farbauszüge in den genormten Farben cyan, magenta, gelb und schwarz „zerlegt“. Diese Farbauszüge werden dann in eine Vielzahl kleiner Bildpunkte zerlegt, je größer ein Punkt ist, desto intensiver ist ein Farbanteil.

Da der Vierfarb-Offsetdruck erst bei Auflagen ab 1000 Stück wirtschaftlich wird, verschwanden nun die kleinen Verlage.
Kleinere Stückzahlen werden heute meist durch digitale Verfahren hergestellt.

Ansichtskarten werden auch heute geschrieben, ihre Blütezeit war zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ende des Ersten Weltkrieges. Heute sind alte Karten ein beliebtes Sammelobjekt, wofür beachtliche Preise gezahlt werden.
Da private Fotografien aus dieser Zeit selten sind, sind die Bilder der Ansichtskarten oft die einzigen Bilddokumente früherer Zeit.

Ansichtskarten im AtterWiki

Eine Auswahl von Ansichtskarten aus dem Attergau sind hier zu finden:

Viele Ansichtskarten stammen aus den Sammlungen von Mitgliedern des BSV Vöcklabruck.

Bilderarchiv Ansichtskarten

Quellen und Links