Predigtstuhl

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Der Predigtstuhl war ein geheimer Treffpunkt in Schörfling am Attersee zur Zeit des Geheimprotestanismus.

Inhaltsverzeichnis

Lage

In der Gemeinde Schörfling am Attersee gibt es eine „Predigtstuhlstraße“, sie führt von der Loitzenwiese zu einer kleinen Erhöhung dem sogenannten „Predigtstuhl“.

Name

Der Name stammt aus der Zeit des Geheimprotestantismus. Nach dem Ende der Bauernkriege 1626 und den ersten erfolgreichen gegenreformatorischen Maßnahmen der Obrigkeit blühte die lutherische Lehre im Geheimen weiter. Viele gaben sich nach außen als Katholiken und ließen sich und ihre Kinder auch taufen, im Herzen blieben sie aber Anhänger der neuen Lehre. Da sie nicht offiziell auftreten konnten, trafen sie sich an geheimen Orten.

Geschichte

Hinter dem Schörflinger Trattberg bei der sogenannten Loitzenwiese an der heutigen Gemeindegrenze zu Aurach war ein solcher Treffpunkt: der sogenannte „Predigtstuhl“ am Ende der Predigtstuhlstraße, auf rund 746 m ü. A.. Die Protestanten kamen aus der ganzen Umgebung. Die Gläubigen vom nördlichen Attergau kamen über den Trattberg, die Christen vom westlichen Seeufer fuhren mit Traunern über den See nach Weyregg, gingen dann entlang des Weyregger Baches auf den Miglberg, weiter zum Modl in Schaffling, Richtung Almberg unterhalb von Kreuzing, um den Schirfgruben-Berg und dann zur Loitzenwiese hinunter und weiter zum Predigtstuhl. Diese Route wurde auch „Lutherischer Weg“ genannt.

Die Treffen fanden ab ca. 1632 zu unregelmäßigen Zeitpunkten statt. Die Termine blieben geheim und wurden durch ein ausgeklügeltes System bekannt gegeben. Jeder hatte zehn Vertrauensmänner, denen er Tag und Stunde weitersagte.

Der Platz war günstig, man hatte gute Fernsicht auf unliebsame Besucher und wäre der Gottesdienst entdeckt worden, gab es genug Möglichkeiten in den Weiten der Hongarwälder unterzutauchen und sich zu verstecken.

Vieles ist bis heute unbekannt, so auch wer die Prediger waren und woher sie kamen. Vermutlich waren es ehemalige Prädikanten und Pfarrer, welche die Andachten, Predigten und Gottesdienste abhielten.

Nach dem Toleranzpatent konnten die Protestanten die Gottesdienste in Rutzenmoos besuchen. Der erste öffentliche evangelische Gottesdienst war dort am ersten Adventsonntag im Jahr 1782. Die Gläubigen gingen die alten Wege bis zur Loitzenwiese und dann weiter nach Rutzenmoos.

Nach 1813 gab es auch in Attersee eine evangelische Kirche, die Christen des Attergaus konnten sich nun den mühsamen Weg sparen.

Die Förster und Holzarbeiter der jüngeren Zeit haben die alten Bezeichnungen: „Predigtstuhl“, „lutherischer Steig“ und „lutherischer Weg" weiter verwendet.

Lageplan des „Predigtstuhles“.

Quelle