Landgraben

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Landgraben zwischen Mondseeland und Attergau
Landgraben bei Powang, Straß - Oberwang
Bairische Dialektgrenzen
Erwähnung des Landgrabens im Friedburger Urbar 1363, OÖ Landesarchiv,
"enhalben des Grabens in des Kunigs Lanndt"

Der Landgraben war über Jahrhunderte die Grenze zwischen Bayern und Österreich. Bei Weißenkirchen im Attergau bildete er ein kurzes Stück auch die Grenze zwischen dem Fürsterzbistum Salzburg und Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Grundlage für die staatlichen Anfänge Österreichs war die bairische Siedlungsarbeit in den Ostalpen und an der mittleren Donau (ab 600 n. Chr.), dabei erfolgte auch die Einteilung in Gaue. Der Attergau lag zwischen dem Mattiggau, zu dem auch das Mondseeland gehörte, und dem Traungau. Die eigentliche Staatswerdung vollzog sich unter den Babenbergern (976 - 1246).

Unter Markgraf Leopold IV. (1136-1141), einem treuen staufischen Parteigänger, begann im Reich der Kampf zwischen den Welfen und den Staufern. Um die Übermacht der Welfen zu brechen, übergab König Konrad III. 1139 seinem Halbbruder, dem babenbergischen Markgrafen Leopold, das Herzogtum Bayern, das dem Welfenherzog Heinrich dem Stolzen abgesprochen wurde. Auch Markgraf Heinrich II. „Jasomirgott" (1141 - 1177) wurde 1143 mit Bayern belehnt.

Gründung Herzogtum Österreich

Der Stauferkaiser Friedrich I. „Barbarossa" (1152 - 1190) beendete den Streit zwischen Welfen und Staufern um das Herzogtum Bayern 1156 auf dem Reichstag zu Regensburg: der Babenberger Heinrich II. musste auf Bayern verzichten; daher wurde die Ostmark von Bayern losgelöst und am 8. September 1156 zum Herzogtum erhoben.

Damit lag der Attergau mit seinen Herrschaften Kammer, Frankenburg und Kogl noch in Bayern, aber im Grenzgebiet zu Österreich. Ab dieser Zeit war dieses Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich umstritten. Mit dem Erwerb der Besitzungen des Bistums Bamberg und den Besitzungen der Schaunberger im Attergau durch den Habsburger Herzog Albrecht III. (um 1380) wurde der Attergau endgültig österreichisch.

Die West- und Nord-Grenze des Landgerichtes Kammer war im Wesentlichen durch 700 bis 1100 m hohe Berge wie den Großen Hollerberg westlich Unterach am Attersee, Roßmoos und Kaiserwald westlich Nußdorf am Attersee, vor allem aber durch den Kobernaußerwald im Norden in großen Zügen festgelegt. Schwierige Stellen bildeten nur die Überquerung des Tales der Dürren Ager bei Großenschwand nördlich von Oberwang und die Strecke von der Vöckla westlich Weißenkirchen im Attergau über Obermühlham zum Kobernaußerwald.

Durch das Tal der Dürren Ager führte eine alte, vielleicht schon römerzeitliche Straße. Diese war im ganzen Mittelalter in Verwendung und überschritt bei Powang (zwischen den Orten Straß im Attergau und Oberwang) bis zum Jahre 1506 die Grenze gegen Bayern. An der Grenze wurde ein durchlaufender Graben ausgehoben, die Straße war durch einen Schranken versperrbar. Ihn hatte der Richter des Landgerichtes Kammer zu überwachen. Der „Wirt auf der Halt" musste ihn bei seinem Ritt „an den Schrenken" (= Schranken) verköstigen und beherbergen.

Die erste bisher bekannte urkundliche Erwähnung des Landgrabens findet sich in einem Urbar (Abgaben(Steuer)buch) der Herrschaft Friedburg (im Mattiggau) im Jahre 1363. Auf dem Bild nebenan ist der Originaltext zu lesen. Erwähnt sind die Ortschaften Forstern, damals Bayern, und Bergham, damals Österreich, wobei die Lage von Bergham mit ...enhalben des Grabens in des Kunigs Lanndt... beschrieben wird.

Der Graben selbst ist aber bestimmt älter und wurde vermutlich von den Schaunbergern angelegt, die die Vogteirechte des Bistums Bamberg im Attergau ausübten und ein Interesse hatten, ihr Gebiet gegen das Mondseeland sicher abzugrenzen.

Der Graben war auch spätestens ab 1380 Landesgrenze zwischen Bayern und Österreich bis zum Jahre 1506, als Kaiser Maximilian (gest. 1519) durch seine Beteiligung an einem bayerischen Erbfolgekrieg das Mondseeland an Österreich brachte.

Im nördlichen Bereich des Attergaus (Kobernaußerwald - Hausruck) war der Landgraben bis 1779 Grenze zu Bayern, bis das Innviertel zu Österreich kam. Bei Pöndorf ist der Landgraben als Kulturdenkmal noch sichtbar.

Bayerischer Erbfolgekrieg

Worum ging es in diesem bayerischen Erbfolgekrieg? Der „Friede" zwischen den Staufern und Welfen, zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen, hielt nicht lange. 1180 nahm der Kaiser dem Welfen Bayern wieder weg und gab es an die Wittelsbacher. Diese teilten das Erbe im Laufe der Zeit in verschiedene Linien. Gegen Ende 1503 starb Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut, der Landesfürst Niederbayerns, ohne männlichen Erben. Er hatte verfügt, dass sein Schwiegersohn Rupert von der Pfalz, der Sohn des Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz, das Gebiet erbe. Damit hatte er ältere Erbrechte der Herzöge Albrecht und Wilhelm von Bayern-München übergangen und diese wollten nicht kampflos auf das Erbe verzichten. Maximilian unterstützte eher die Münchner Linie, allerdings nicht uneigennützig: er forderte dafür unter anderem die Tiroler Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg, das Landgericht Wildeneck, das Gebiet von St. Wolfgang und die Vogtei über das Kloster Mondsee. Dies alles ließ sich der Kaiser von den bayerischen Herzögen am 2. April 1504 bestätigen. Ruprecht von der Pfalz wollte sich aber nicht in den für ihn ungünstigen Schiedsspruch des Kaisers fügen und begann den Kampf um das Erbe, den auch seine Witwe fortsetzte. Aber Maximilian erringt durch seine überlegene Artillerie einige Siege und die letzten Widerstandsnester werden beseitigt.

Die Münchner Wittelsbacher erhielten das Erbe des Herzogs Georg, mit Ausnahme von Maximilians „Interessen" und des Gebietes nördlich der Donau, das den unmündigen Söhnen des Pfalzgrafen Ruprecht als „junge Pfalz" (Oberpfalz) zufiel.

Im Jänner 1506 kam es zu einem endgültigen Abkommen, das am 8. Feber 1506 von den Herzögen Albrecht und Wolfgang bestätigt wurde. Damit war das Mondseeland österreichisch geworden. Das Gebiet wurde von dem sich immer in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Maximilian schon im August 1506 an den Salzburger Erzbischof verpfändet. Erst im April 1565 wurde die Pfandsumme an Salzburg zurückbezahlt und das Mondseeland war nunmehr ein Bestandteil des Landes ob der Enns.

Grenzstreitigkeiten und Schmuggel

Immer wieder wird im 16. Jahrhundert von koglerischen Pflegern über die Zustände an dieser Grenze geklagt. Es bestand damals an und für sich ein Verbot des freien Verkaufs der bäuerlichen Erzeugnisse, was deren Wert natürlich minderte und Gegenstand vieler Klagen war. Doch scheint dieses Verbot in der Praxis vielfach umgangen worden zu sein und hat zu einem offenbar schwunghaften Schwarz- und Schleichhandel geführt.

In einem Bericht des Pflegers von Kogl von 1571 heißt es: „.. .von wegen Sämer, welche das Getreid auf allerlei ... Abwegen aus dem Landfuhren..., daß der Landtgraben auf der Granitz allenthalben offen, und so ich gleich mit 10 oder 12 Knechten darauf hüette, nichts weniger die Sämber allerlei unbequeme weeg, bei nächtlicher Weil am Walt suechen, auch wehren sie sich mit guter wehr und waffen..." (Sämer = Säumer: Führer von Lasttieren. Das Wort kommt von „Saum" = Last, Ladung eines Lasttieres. „Saum" ist ein frühes Lehnwort aus dem mittelalterlichen „salma", einer Entstellung aus griechisch „sagma" = „Packsattel"). (Grimm, 14)

Auch „Fürkäufer" aus Mondsee und St. Wolfgang kamen in den Attergau und verfrachteten täglich Getreide nach Mondsee. („Fürkäufer" = jemand, der wucherisch vorweg aufkauft und so verteuert). (Grimm, 4) Der Pfleger schlägt vor (am 28. 1. 1571), alle Bauern sollen ihr Getreide am Markt in St. Georgen verkaufen müssen und die mondseerischen und wolfgangischen Fürkäufer sollen zur besseren Überwachung Passzettel bekommen.

Aus den Akten von Kammer erfahren wir für die Zeit um 1570, dass im kammerischen Landgericht 41 Freieigner (keine Zins- oder Urbarbauern) ansässig waren, die aber für die Landrichter jährlich 33 1/2 Metzen Hafer reichen und „dem Landrichter zur Aufsehung über den Landtgraben zuegeben (= zugeteilt) sein". Er klagt darüber, dass diese Freieigner Buben und „gringe Knechtl" schicken, wenn er sie zu einem Dienst fordert. Alle Maßnahmen der Pfleger und des Landrichters aber halfen offenbar nichts, denn immer werde besonders Getreide nach Wolfgang, Mondsee und Salzburg „geschwärzt". („Schwärzen" = Waren schmuggeln. Von geschmuggelten Waren sagt man: schwarz herein - über die Grenze kommen. Vielleicht weil man bei Nacht zu schmuggeln pflegt, so dass „schwarz" hier gewissermaßen im Sinne von „dunkel, in der Dunkelheit" stünde, oder weil die Schmuggler sich das Gesicht schwärzen, um sich unkenntlich zu machen. Grimm, 15)

Der Landgraben verlor nach dem Erwerb des Mondseelandes seine Funktion als Landesgrenze und war dann nur mehr eine Landgerichtsgrenze zwischen den Herrschaften Wildeneck und Kammer.

Die Pfarre Pöndorf, ein Sonderfall

Wie schon erwähnt, kennen wir den bisher ersten Hinweis auf den Landgraben aus dem Friedburger Urbar von 1363. Während der Landgraben Bayern und Österreich trennte, gehörten zur Pfarre Pöndorf nicht nur Ortschaften aus Österreich (Herrschaft Frankenburg), sondern auch aus Bayern (Herrschaft Friedburg). Bekannte bayerische Orte waren Forstern, Geretseck, Pading und andere. Zur Pfarre Pöndorf gehörten auch Orte aus der Herrschaft Mattsee, die aber 1813 (von 1810-1816 gehörte die Pfarre Pöndorf zur Pfarre Straßwalchen, siehe dazu auch nächsten Artikel "Die Zeit Napoleons") zur Pfarre Straßwalchen kamen, wie Watzlberg, Harlacken und andere.

Die Kirche in Pöndorf nahm daher eine Sonderstellung ein, kamen doch die Kirchgänger aus Bayern und Österreich. Manchmal liest man, dass der Landgraben mitten durch die Kirche gelaufen sein soll. Dies ist insofern richtig, als dass die bayerischen Ortschaften die linke Seite in der Kirche in Anspruch nahmen und die Österreicher die rechte. Die Kirchgänger benützten auch zwei verschiedene Eingänge. Bis heute kann man diese Aufteilung auch noch auf dem Friedhof erkennen, die bayerischen Ortschaften hatten ihre Gräber auf der nördlichen Seite und die Österreicher auf der südlichen.

Nach dem Kauf der Herrschaft Mattsee im Jahr 1398 durch das Erzbistum Salzburg lag Pöndorf an einer weiteren Staatsgrenze.

Die Zeit Napoleons

Grenze Bayern-Österreich 1810-1816

Zur Zeit Napoleons um 1800 standen die Bayern zuerst auf der Seite der Franzosen, dabei hat sich in verschiedenen Schlachten der bayerische Feldmarschall Wrede ausgezeichnet. Für seine Taten erhielt Wrede das kurze Zeit vorher aufgelassene Kloster Mondsee und dessen Besitzungen. Bayern selbst erhielt 1810 das Innviertel und das Mondseeland zurück und als Draufgabe auch noch das westliche Hausruckviertel und damit den westlichen Attergau. Die Grenze zwischen Bayern und Österreich verlief von 1810-1816 mitten durch den Attersee und der Ager entlang bis Schwanenstadt und dann Richtung Norden. Bei der Völkerschlacht zu Leipzig im Jahr 1813 wurde Napoleon von den Alliierten (Russland, Schweden, Preußen, Österreich) geschlagen. Bayern war kurz vorher aus dem Rheinbund mit Napoleon ausgetreten. Im anschließenden Friedensabkommen (Wiener Kongress) erhielt Österreich die verloren gegangenen Teile wieder zurück. Wrede behielt Schloss Mondsee und die dazugehörigen Besitzungen, unter anderem den gesamten Mondsee.

Das kurze Stück des Landgrabens bei Weißenkirchen im Attergau zwischen dem Fürsterzbistum Salzburg und Österreich hatte noch bis zur Eingliederung des Fürsterzbistums an Österreich im Jahr 1806 (endgültig 1816) Bedeutung. Der Salzschmuggel war bis zu dieser Zeit noch aktiv.

Der Landgraben heute

Der Landgraben blieb aber bis heute eine Flur-, Gemeinde-, Pfarr- und Mundartgrenze, der das Mondseeland vom Attergau trennt. Bis zum Juli 2013 war er auch eine Gerichtsbezirksgrenze.

Im Laufe der Zeit verfiel der Landgraben immer mehr und ist heute kaum mehr zu erkennen. Die letzten Zeugnisse sind der Grundzusammenlegung zum Opfer gefallen.

Bilder

Landgraben in der Urmappe

Quelle

Dieses Buch ist beim Heimatverein Attergau erhältlich.