Kirche und Religion

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Die Religion spielte zweifellos in allen Epochen eine wichtige Rolle in der Region Attersee-Attergau.

Inhaltsverzeichnis

Christianisierung

Filialkirche Berg im Attergau

Dass schon in der Spätzeit des Römischen Reiches christliche Gemeinden und Kirchen in Oberösterreich existierten, ist durch Funde belegt (Lauriacum / Enns-Lorch, St.Florian etc.). In der Endphase der römischen Herrschaft lässt sich außerdem das Wirken des heiligen Severin an vielen Orten Oberösterreichs (entlang der Donau) belegen. Ob sich aber das Christentum über die Wirren der Völkerwanderungszeit in Oberösterreich bis ins Frühmittelalter erhalten hat, kann nicht gesagt werden. Es ist jedenfalls sicher, dass die neu eingewanderten germanischen Baiern zuerst einmal "Heiden" waren und erst später durch die Arbeit von Missionaren christianisiert wurden.

Der heilige Rupert von Salzburg (gest. 715) wird mit der Missionierung des Attergaus in Zusammenhang gebracht. Allerdings gehörte der Attergau seit der kirchlichen Neuordnung Bayerns (Abgrenzung der vier Bistümer Regensburg, Freising, Salzburg, Passau) durch den heiligen Bonifatius (gest. 754) bis zur Gründung der Diözese Linz (1785) zu Passau.

Auf eine frühe Christianisierung weisen auch bestimmte Kirchenpatrone hin, vor allem Apostel und Märtyrer sind hier zu nennen (Petrus und Paulus in Berg im Attergau, Jakobus in Seewalchen, Laurentius in Abtsdorf, Mauritius in Nußdorf, Valentinus in Weyregg). Der erste Nichtmärtyrer, der zur Ehre der Altäre erhoben wurde, war der hl. Martin (gest. um 400), dem in Attersee eine Kirche geweiht war. Auch der aus Irland stammende hl. Gallus (gest. 645), dem in Schörfling eine Kirche geweiht ist, ist in diesem Zusammenhang zu nennen.

Reformation und Gegenreformation

Protestantische Kirche gegenüber Schloss Litzlberg

Aus dem Kampf gegen die weltliche Obrigkeit wird schon früh (Reformationsbeginn 1517) auch ein Kampf gegen die kirchliche Bevormundung. Die Lehre Martin Luthers findet in Oberösterreich rasche Verbreitung, da viele adelige Familien ihre Söhne an die Universität Wittenberg, an der Luther lehrte, geschickt hatten. So ist im Laufe des 16. Jahrhunderts ganz Oberösterreich in der Mehrheit evangelisch geworden. In allen Kirchen des Attergaues wurden die katholischen Priester vertrieben und evangelische Prädikanten (Prediger) eingesetzt. Auch Schulen wurden schon damals in vielen Orten errichtet, z.B. 1594 in Aurach am Hongar und 1600 in Unterach am Attersee.

Den blutigen Höhepunkt der konfessionellen Auseinandersetzungen bildete das von Graf Herberstorff befohlene "Frankenburger Würfelspiel" am Haushamerfeld (1625). Graf Herberstorff, der Statthalter des bayrischen Kurfürsten Maximilian, an den die Habsburger das Land Oberösterreich verpfändet hatten, ließ 38 aufständische Bauern um ihr Leben würfeln.

Erst nach dem großen oberösterreichischen Bauernkrieg 1626 konnte die katholische Religion von der Obrigkeit wieder durchgesetzt werden. Dazu gehörte die Vertreibung der evangelischen Prädikanten und Schulmeister, die Alternative "Bekehrung oder Auswanderung" für die Bevölkerung, die Überwachung der Teilnahme der Bevölkerung an der Osterbeichte und die Suche nach versteckten protestantischen Büchern. Trotz all dieser Maßnahmen erhielt sich aber im Attergau ein Geheimprotestantismus bis 1781, als Joseph II. durch das Toleranzpatent eine Ausübung der "akatholischen" (= nicht katholischen) Religion gestattete. Vorher aber hatten viele protestantische Familien, die zu einem Bekenntniswechsel nicht bereit waren, den Attergau verlassen müssen. Die erste Gruppe von Emigranten zog nach Norden, vor allem Richtung Franken und Mitteldeutschland. Dazu gehörte auch die Familie des Johann Beer (1655 - 1700), dem in St.Georgen im Haus der Kultur eine Ausstellung gewidmet ist. Später wurden die "Landler" (=Oberösterreicher) dann nach Siebenbürgen geschickt.

Es ist klar, dass die Niederlage bei den Aufständen und der anschließende Fortbestand der Unterdrückung in der Mentalität und im Selbstbewusstsein der hier gebliebenen Bevölkerung ihre Spuren hinterlassen haben.

Protestantismus im Attergau

Bildergalerie Protestantismus

Kirchliche Bauten

Gotischer Flügelaltar in Gampern - Mittelschrein

Die Mehrzahl der Kirchen zeigt heute – ebenso wie auch an vielen anderen Orten in Österreich – folgende architektonische Gestalt: Das Kirchengebäude wurde in der Zeit der Spätgotik (um 1500) errichtet, die Türme bekamen ihre Zwiebelhelme erst in der Barockzeit (um 1700). Bei der Inneneinrichtung, vor allem bei den Altären, überwiegen heute das Barock und die Neugotik (um 1900). Zahlreiche Umbauten und Umgestaltungen, die im Laufe der Zeit immer wieder durchgeführt wurden, erschweren das Verständnis dafür, wie man sich das Erscheinungsbild unserer Kirchen in früherer Zeit vorzustellen hat. So bietet die Pfarrkirche von Gampern mit ihrem für unsere Gegend einzigartigen Flügelaltar ein gutes Beispiel für die Inneneinrichtung einer gotischen Landkirche. Der mächtige Turm wurde aber erst 1890 vollendet. Es war dies eben die Zeit der Neugotik, in der auch die als ewige Baustellen seit dem Mittelalter bestehenden großen Dome (z.B. Köln) endlich fertig gebaut wurden.

Wie sahen die ersten Kirchen in unserer Gegend aus? Von den Bauten des Früh- und Hochmittelalters ist außer einigen Grundmauern (vgl. St. Johann am Ahberg) kaum etwas erhalten geblieben. Wir können aber annehmen, dass es sich ursprünglich überall um Holzbauten gehandelt hat. Als im Zuge der Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft im Hochmittelalter (12. und 13. Jh.) die Bevölkerung anwuchs, wurden diese Kirchen zu klein und im 15. und 16. Jahrhundert durch gemauerte Bauten im Stil der Spätgotik ersetzt. Der wichtigste Baumeister im Attergau war Stephan Wultinger.

Von der Raumgestaltung her handelt es sich bei den größeren Innenräumen entweder um zweischiffige Hallenkirchen mit mehreren Mittelsäulen:

oder um sogenannte Einstützkirchen mit einem einzigen Mittelpfeiler:

Weiters gibt es dann noch Beispiele für kleinere gotische Innenräume ohne die später so störenden Mittelpfeiler:

Wohin ist die gotische Inneneinrichtung unserer Kirchen gekommen? Wie bereits erwähnt, ist die Pfarrkirche von Gampern das einzige Beispiel für einen original erhaltenen Flügelaltar in unserer Gegend. Nachdem viele Bauten schon in der Reformationszeit eines Teiles ihres gotischen Inventars beraubt worden waren (Bilderstürme, vgl. dazu die Geschichte des Gnadenbildes von Attersee), bekamen die Kirchen im Zuge der Gegenreformation eine neue, dem nun herrschenden Geschmack angepasste barocke Inneneinrichtung. Beispiele für die Wiederverwertung von gotischen Statuen, welche ehemals auf Flügelaltären gestanden waren und die man jetzt barock überarbeitete, finden sich in mehreren Kirchen:

Beispiele für eine original erhaltene Barockeinrichtung sind die Kirchen von:

Als dann im 19. Jahrhundert der Barockstil wieder aus der Mode gekommen war, riss man vielerorts die Barockaltäre heraus und ersetzte sie durch neugotische Altäre. Was das 20. Jahrhundert betrifft, so hat es im Atterseegebiet nur einen Neubau gegeben, die

ansonsten dominierten Umbauten und Erweiterungen:

Erwähnt sei abschließend noch, dass auch die Orgeln größtenteils in den letzten Jahrzehnten erneuert wurden und dass der bauliche Zustand der Kirchen durch umfangreiche Renovierungen sehr gut ist.

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Quelle