Kaiser Franz Joseph I.

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Kaiser Franz Joseph in Weißenbach
Kaiser Franz Joseph im Gespräch mit Leo Schmidt (dem Bruder von Max Schmidt, dem Besitzer der Villa Daheim in Seewalchen) anlässlich der Attersee-Rundfahrt mit König Carol von Rumänien am 4. August 1902. Das Schiff wurde zu diesem Zweck von der Fa. Schmidt dekoriert.
Die Rundfahrt fand nur am südlichen Attersee statt.

Kaiser Franz Joseph I., Franz Joseph Karl von Habsburg (* 18. August 1830, † 21. November 1916) war der längst regierende österreichische Kaiser.

Er wurde als Sohn von Erzherzog Franz Karl, dem jüngeren Sohn von Kaiser Franz I., und Prinzessin Sophie von Bayern in Wien geboren. Mitten im Ersten Weltkrieg verstarb er am 21. November 1916. Die Begräbnisfeierlichkeiten waren der letzte große Auftritt der Donaumonarchie, die vom Kaiser zusammengehalten worden war. Nachfolger wurde sein Großneffe Karl I.. Dieser regierte bis zum Zerfall der Monarchie am Ende des Weltkrieges 1918.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Politik

Nach der Niederschlagung der Revolution 1848 sollte die Monarchie ein neues Gesicht erhalten. Kaiser Ferdinand dankte ab, Erzherzog Franz Karl, Franz Josephs Vater, verzichtete auf die Thronfolge und Franz Joseph wurde mit 18 Jahren Kaiser von Österreich - er sollte es nun 68 Jahre bleiben.

Die Krönung erfolgte am 2. Dezember 1848 in kleinem Kreis im Palast des Erzbischofs von Olmütz (heute Olumouc, Mähren, Tschechische Republik).

Von Anfang an sah Franz Joseph seine Hauptaufgabe darin, eine weitere Revolution zu verhindern, und stützte sich dabei hauptsächlich auf das Militär (Armee, Kriegsmarine), die römisch-katholische Kirche und die Beamten. Auch er selbst sah sich in erster Linie als Beamter und Soldat. Er war frommer Katholik, aber tolerant.

Die nach Revolution erlassene Reichsverfassung (Oktroyierte Märzverfassung) wurde nie voll umgesetzt und am 31. Dezember 1851 mit den Silvesterpatenten wieder abgeschafft. Von nun an regierte der junge Kaiser wieder absolutistisch und zentralistisch.

Erst die Niederlagen 1859 gegen Frankreich und in Italien brachten ihn dazu – höchst widerwillig – konstitutionellen Verfassungsänderungen zuzustimmen. Durch die Niederlage gegen Preußen im Deutschen Krieg 1866 wurde sein Machtanspruch neuerlich geringer und es kam in der Folge zum sogenannten Österreichisch-Ungarischen Ausgleich, wobei der Doppelstaat Österreich-Ungarn entstand. Nach 1879 lehnte sich die Monarchie eng an das Deutsche Reich an. Die folgenden Jahre waren durch die Veränderungen am Balkan gekennzeichnet. Die dortigen Interessenskonflikte und Probleme, die durch die Bündnispolitik Österreich-Ungarns, dem Deutschen Reich und Italien entstanden, führten letztlich 1914 zum Ersten Weltkrieg und zum Untergang der „alten Welt“.

In den letzten 20 Jahren seines Lebens war er die politische Integrationsfigur des Vielvölkerstaates und wurde von vielen Zeitgenossen als einzige Stütze des Zusammenhalts der Monarchie gesehen.

Kultur und Wirtschaft

Der wirtschaftliche Aufschwung der Donaumonarchie ist eng mit Franz Joseph I. verbunden. Nach der Schleifung der mittelalterlichen Stadtbefestigungen in Wien wurde auf seine Anordnung die Ringstraße mit ihren Prachtbauten errichtet. Und viele Städte der Monarchie eiferten dem Beispiel der Hauptstadt nach.

In seiner Zeit blühte die Geisteskultur in Österreich-Ungarn wie nie vorher und nie nachher, ohne dass der Monarch selbst an den kulturellen und intellektuellen Strömungen, die ihm völlig fremd waren, Anteil genommen hätte. Wissenschaft, Musik, bildende Kunst erlangten Weltruf.

Kaiserliche Familie

1853 lernte er in seiner Sommerresidenz in Ischl seine erst 15-jährige Cousine Elisabeth („Sisi“), die Tochter des bayrischen Herzogs Max Joseph kennen, die er am 24. April 1854 in Wien heiratete. Der Ehe entsprangen 4 Kinder.

1879 wurde die Silberhochzeit des Kaiserpaars mit dem vom Salzburger Maler Hans Makart gestalteten Festzug über die Wiener Ringstraße gefeiert.

1889 verübte sein Sohn, Kronprinz Rudolf, Selbstmord; 1898 fiel Kaiserin Elisabeth in Genf einem Attentat zu Opfer.

Nach dem Scheitern seiner Ehe ging er eine enge Beziehung mit der Schauspielerin Katharina Schratt ein.

Sommeraufenthalte

Von 1849 bis 1914 verbrachte er alle seine Sommeraufenthalte in Bad Ischl. Die kaiserliche Sommerresidenz führte diesen Ort zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte.

Ausflüge (meist zur Jagd) brachten den Kaiser auch ins Höllengebirge und in das südliche Atterseegebiet. Den Norden und die Herrschaft Kammer mit den Khevenhüllern mied das Kaiserhaus.

In der Chronik von Seewalchen liest man:
„Als im Jahre 1848 die Freiheitsbewegung ganz Österreich in Aufruhr brachte, hat auch Graf Khevenhüller, Besitzer des Schlosses Kammer, durch Aufstellung einer Nationalgarde in die Bewegung eingegriffen und sich dadurch die Ungnade des Kaisers und des gesamten kaiserlichen Hofes und hiedurch auch das gesamte nördliche Atterseeufer und seine Bewohner in Mitleidenschaft gezogen.“

Zum Verhältnis zwischen Kaiserhaus und Khevenhüller gibt es eine Reihe von Geschichten und Legenden, der Konflikt konnte aber nicht geschichtlich belegt werden.

Attersee/Attergau-Bezüge

  • Am 4. August 1902 unternahm Kaiser Franz Joseph I. mit König Carol von Rumänien eine Rundfahrt[1] mit dem Atterseedampfer (siehe Bild).
  • Das 60-Jahre-Jubiläum des Regierungsantritts Franz Josephs wurde im Jahr 1908 in Österreich gefeiert.
    In Schörfling am Attersee fand am 29. Juni 1908 die „Kaiserhuldigungsfeier“ statt. 2000 Menschen nahmen an der Feierlichkeit teil. An der Jubiläumsallee wurde das vergrößerte Denkmal enthüllt. In Weißenkirchen im Attergau wie auch in St. Georgen im Attergau wurde eine Jubiläumslinde gepflanzt. Das Jubiläum wurde in fast jeder Gemeinde mit einem Fest gefeiert.
  • Zum 40-jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers im Jahr 1888 wurden die Kleinkinder-Bewahranstalt in St. Georgen im Attergau gegründet, die Armen Schulschwestern nach St. Georgen berufen und das Gasthaus Nr. 143 dafür angekauft und umgebaut.

Fußnote

  1. Bericht in der Neuen Freien Presse vom 5. August 1902

Quellen und Weblinks