Holzverarbeitung

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Die Holzverarbeitung zählt seit jeher zu einer wesentlichen Lebensgrundlage für die Menschen im Attergau. Schon die ersten Pfahlbausiedler um den Attersee bearbeiteten Holz als Baumaterial für ihre Behausungen mit Steinbeilen, stellten Werkzeuge aus Holz her und nützten es zum Wärmen und Kochen. Über dem Rauch ihrer Holzfeuer gerbten sie die Felle für ihre Bekleidung. Heute, sechstausend Jahre später, wird im Attergau mit modernen Maschinen, Werkzeugen und Methoden Holz zu verschiedensten Produkten verarbeitet. Aber auch das traditionelle Holzhandwerk wird in den vielen Tischlereien und Zimmereien des Attergaues nach wie vor gepflegt.

Holz aus dem Attergau wird hier seit Jahrtausenden zu vielen verschiedenen Produkten verarbeitet

Inhaltsverzeichnis

Die Anfänge

Im Salzkammergut und damit wohl auch im Attergau begann sich bereits um 4000 v. Chr. eine Hochkultur zu entwickeln. Grundlagen dafür waren die Salzlagerstätten in Hallstatt, die Hornsteinvorkommen am Mondsee und die Kupfervorkommen in der Grauwackenzone[1]. Als Heizmaterial und Hilfsmittel für Bergbau und Transport hatte Holz, das in großen Mengen und leicht zugänglich zur Verfügung stand, bereits damals eine große Bedeutung. Die Seenplatte des Salzkammergutes war über Seeache, Ager und Traun mit dem Donauraum verbunden und ermöglichte Kontakte und Transport zu andern steinzeitlichen Ansiedlungen.

Schneidewerkzeuge

Die scharfen Schneidekanten von Feuersteinabschlägen eignen sich für Messer und Beile und damit auch zur Holzbearbeitung.

Nach umfangreichen Untersuchungen in den Jahren 2008/2009 lagern am nahen Mondsee etwa 60 Millionen Kubikmeter qualitativ hochwertige Hornsteine auf einer Fläche von 240 Quadratkilometern. Sie dürften bereits in der Mondseekultur [2] von 3800 bis 3300 v. Chr. abgebaut und für steinzeitliche Werkzeuge und Waffen verwendet worden sein. Fundstücke in den nahen Pfahlbausiedlungen des Mondsees und Attersees aber auch in anderen steinzeitlichen Siedlungsgebieten Mitteleuropas konnten der Mondseer Herkunft zugeordnet werden. Im Gegenzug wurden auch Feuersteine aus bayerischer und norditalienischer Provenienz am Mond- und Attersee nachgewiesen. Der Feuersteindolch des Steinzeitmannes Ötzi [3] stammt eindeutig aus den Monti Lessini am Gardasee.

Wiederentdeckt wurden die Lagerstätten am Fuße der Eisenau am Mondsee nach einem starken Windwurfereignis. Der Sturm „Emma“ entwurzelte vom 29. Februar bis 2. März 2008 einen Großteil des Baumbestandes und legte das darunter liegende Felsgeröll frei. Die darauf folgenden Nachforschungen des Geoarchäologen Alexander Binsteiner lassen vermuten, dass ein gigantischer Bergsturz an dieser Stelle um 3300 v. Chr. mit einer riesigen Flutwelle die gesamte Mondseekultur schlagartig beendete. Die umfangreichen Pfahlbaufunde am Abfluss des Mondsees mit Hausrat, organischen Resten und wertvollen Kupferbeilen bezeugen, dass die Siedlungen nicht geordnet verlassen wurden.

Schneidewerkzeuge für die Bearbeitung von Holz wurden in späterer Folge aus Bronze, Eisen, legierten Stählen und Hartmetall hergestellt. Das Bearbeiten und Zerteilen von Holz mit einer scharfen Schneide ist seit urgeschichtlichen Zeiten bis heute gleich geblieben, geändert hat sich die Geschwindigkeit. Was einmal tagelange mühevolle Handarbeit beanspruchte, geschieht heute ohne Anstrengung in Sekunden. Verschleißfreie Trenntechnologien, wie etwa Laser[4], konnten sich nur in sehr geringem Maß bei der Bearbeitung von nur wenige Millimeter dicken Holzquerschnitten durchsetzen.

Lebensgrundlage - Entwicklung

In moderner Form stellt die Holzverarbeitung nach wie vor auch im 21. Jahrhundert eine bedeutende Einkommensquelle für die Menschen der Region dar. Von der Waldarbeit über Transport, Säge, Tischlerei bis zur industriellen Verwertung des Holzes für die Herstellung von Papier, Zellstoff, Textilfasern zählt die Holzwirtschaft zu den bedeutendsten Arbeitgebern rund um den Attersee. Als nachwachsender, umweltfreundlicher Energieträger gewinnt Holz zunehmend an Bedeutung.

Veränderten sich die Formen der Holzbearbeitung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nur langsam, so ging die Entwicklung in der Folge umso rascher voran. Mit dem hohen Holzbedarf für den Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg zerstörten Städte ab 1945 begann eine Industriealisierungswelle mit nachhaltigen Auswirkungen.

Die Holz verarbeitenden Betriebe, wie Sägewerke, Möbelfabriken, Tischlereien und die Papier-, Zellstoff- und Faserindustrie, der Lenzing AG[5] boten bis dahin nicht gekannte Perspektiven. Menschen, die zuvor vorwiegend in der Landwirtschaft tätig waren, sowie viele Heimatvertriebene aus Osteuropa (siehe Rosenau) fanden in der aufstrebenden Holzwirtschaft eine neue Lebensgrundlage.

Immer leistungsfähigere Produktionsmethoden, die reichliche Verfügbarkeit von Energie, kostengünstige Transportmöglichkeiten über weite Entfernungen (Eisenbahn, Autobahnen, Rhein-Main-Donau-Kanal), etc. schufen die Grundlagen für wirtschaftliches Wachstum. Die Arbeitsabläufe und die gesamte Logistik wurden mechanisiert und mit Hilfe elektronischer Steuerungen automatisiert. Hubstapler und Kräne übernahmen die schwergewichtigen Transport- und Verladearbeiten. Einige Möbelfabriken und Sägewerke erreichten eine beachtliche Größe und beschäftigten teilweise mehr als einhundert Mitarbeiter. Die Zellwollefabrik, jetzt Lenzing AG mit Fabriken in Asien und den USA wuchs zum Weltmarktführer für Textilfasern heran.

Die generelle Globalisierung der Wirtschaft führte nach den „Wirtschaftswunderjahren“ ab etwa 1970 zu erheblichen Umwälzungen. Viele kleine Holzverarbeitungsbetriebe, wie zB Wagner und Fassbinder, wurden geschlossen. Einige kleine Familienbetriebe, wie zB zwei Holzdrahterzeuger in Misling am Attersee überlebten noch einige Jahre mit Nischenprodukten. Über Jahrhunderte ausgeübtes Handwerk, altes Werkzeug mitsamt dem überlieferten Wissen über seine Handhabung gerät in Vergessenheit. Menschen, die all das noch aus eigener unmittelbarer Anwendung kennen, haben schon ein hohes Alter erreicht. Vieles ist nur mehr aus Erzählungen bekannt.

Aber auch größere Unternehmen konnten im internationalen Wettbewerb nicht mehr mithalten. Keine der Möbelfabriken überlebte. Von den ehemals zwanzig Sägewerken im Attergau arbeiten noch vier kleine Familienbetriebe und 2012 schloss das letzte größere Säge-, Hobel- und Leimholzwerk, die Raudaschlmühle in Schörfling. Ausnahmen sind die vielen familiär geführten Tischlereien, die nach wie vor im individuellen Innenausbau und als Vertriebspartner großer Möbel- und Fensterfabriken weit über den Attergau hinaus erfolgreich tätig sind.

Holzvermarktung

Die im Attergau hergestellten Holzprodukte fanden in der Frühzeit in der näheren Umgebung seine Abnehmer. Im globalen Handel ab dem 20. Jahrhundert muss sich die Holzwirtschaft der Region Attersee-Attergau weltweit behaupten.

Noch während der Monarchie dehnte sich das Absatzgebiet mehr und mehr aus. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes im 19. Jahrhundert ermöglichte Geschäftskontakte in ganz Europa. Hauptabsatzmärkte für Sägeholz liegen heute im europäischen und arabischen Raum, in den USA und Japan. Österreich ist insgesamt zu 47% mit Wald bedeckt – Tendenz steigend – und fünftgrößter Holzexporteur der Erde.

Eine Sonderrolle spielt die Lenzing AG, die zum Teil regionales Buchenholz zu Textilfasern verarbeitet und auf diesem Gebiet Weltmarktführer ist.

Nebenprodukte

Holzreste wurden früher vor Ort zu Holzkohle für die Huf- und Wagenschmieden gebrannt oder als Brennholz verwendet. Heute sind Holznebenprodukte wie Hackschnitzel, Sägespäne etc. Rohstoff für die Papier-, Spanplatten- und Holzwerkstoffindustrie sowie Energieträger.

Baumrinde dient heute überwiegend als Heizmaterial für die Holztrocknung und für Rindenmulch. Bis in die 1950er Jahre wurde Fichtenrinde zum Teil wegen seines Gerbstoffgehaltes an Gerbereien geliefert.

Holzversorgung – Vorräte

Seit 1961 werden vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald (BFW) Erhebungen über verschiedene Parameter des österreichischen Waldes, die sogenannte Waldinventur, durchgeführt. In diesem Beitrag werden Kennzahlen [6] für den Bezirk Vöcklabruck ausgewiesen. Der Attergau mit den Gemeinden um den Attersee nimmt davon etwa 35% der Fläche ein. Etwa 40% des Attergaues ist mit Wald bedeckt.

Der jährliche Holzzuwachs allein im Bezirk Vöcklabruck (515.000 fm) ist um 189.000 Festmeter höher als dessen Nutzung (327.000 fm). Österreichweit überwiegt der Zuwachs (31,3 Mio. fm) die Nutzung (18,8 Mio. fm) um 12,5 Mio. Festmeter also um 40% bzw. das 67-fache des Bezirkes Vöcklabruck. Diese Menge steht noch bis zu einer ausgeglichenen Waldnutzung für zusätzliche Möglichkeiten etwa zum Teil als umweltfreundlicher, CO²-neutraler Energieträger zur Verfügung.

Themenübersicht

Das Thema Holzbearbeitung spannt sich vom Wald bis zu den zahllosen Produkten aus Holz. Nachstehend ein Überblick über Beiträge, die nach und nach im AtterWiki entstehen sollen bzw. bereits vorhanden sind:

Holz als Bau- und Werkstoff

Sägewerk

Zimmerei, Holzbau, Wasserbau, Architektur mit Holz

Tischlerei, Möbelfabriken

Holzdrahterzeugung

Wagnerei, Fassbinderei, Holzschindelerzeugung

Bootbau, Schiffbau

Holzwarenerzeugung

Holz als Industrierohstoff

Papier-, Zellstoff-, Faserindustrie

Holzwerkstoffindustrie, Spanplatten, Faserplatten

Holz als Energieträger

Hackschnitzel/Pellets - Heizung - Nah- und Fernwärme

Scheitholz für Hausbrand

Köhlerei

Salzversiedung

Glasverhüttung, Glasfabrik Freudenthal


Bildergalerie

Die Bildgalerie zeigt Formen der Holzbearbeitung im Lauf der Geschichte:

Quellen

  • Walter Großpointner - Heimatgeschichtliche Sammlung
  • Familie Hemetsberger Nußdorf

Weblinks

  1. siehe Wikipedia Deutschland Grauwackenzone
  2. siehe Wikipedia Deutschland Mondseekultur
  3. siehe Wikipedia Deutschland Ötzi
  4. siehe Wikipedia Deutschland Laser
  5. siehe Homepage Lenzing AG
  6. Waldinventur Österreich