Ferdinand Matthias Zerlacher

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Ferdinand Matthias Zerlacher, Selbstbildnis 1906
Zerlacher (rechts stehend) mit der Nußdorfer Familie Wendl 1908


Ferdinand Matthias Zerlacher (* 10. März1877 in Graz; † 2. Jänner 1923 in Salzburg) gehörte zu den bedeutendsten Malern des österreichischen Realismus und lebte viele Jahre in Nußdorf am Attersee. Zerlacher fasste seine Kunst als „Augenkunst“ auf und gab nur wieder was er sah und so wie er es sah, ungeschönt und ausdrucksstark. Die Vermengung künstlerischer Eindrücke mit philosophischen oder sozialethischen Elementen lehnte er ab. Diese Sicht verband ihn mit dem bedeutendsten Vertreter des Realismus in Deutschland, Wilhelm Leibl.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Ferdinand Matthias Zerlacher kam als uneheliches Kind einer aus Kärnten stammenden Kellnerin am 10. März 1877 in Graz zu Welt. Von seinem Vater Matthias Mayer, einem begabter Holzbildhauer, dürfte er seine künstlerische Veranlagung geerbt haben. Zerlacher musste sich nach einer überaus entbehrungsreichen Jugend mit Beharrlichkeit seine erste künstlerische Anerkennung verdienen. Der Direktor der Grazer Zeichenakademie Heinrich Schwach verschaffte ihm einen Freiplatz in seiner Lehranstalt. Danach konnte Zerlacher durch die Vermittlung von Dr. med. Gustav Ritter von Gerl die Akademie der bildenden Künste in Wien besuchen. Gerl besaß ein Landgut in Frohnleiten in der Steiermark und war Professor an der Wiener Hochschule für Bodenkultur. Die größte Hilfe erfuhr Zerlacher aber von den Schwestern seines Gönners, Marie und Emma von Gerl, die ihm zeitlebens mütterliche Freundinnen waren. Verlobt war Zerlacher mit Helene Bauer.

Die vier Semester an der Wiener Kunstakademie konnten auf die künstlerische Entwicklung Zerlachers nicht wesentlich einwirken. Seine eigenständige künstlerische Persönlichkeit erreichte er mit einer von seiner Umgebung als übermäßig empfundenen Selbstkritik. Nach eigenem Eingeständnis hat nur der deutsche Maler des Realismus, Wilhelm Leibl sein Schaffen beeinflusst. Zerlacher war ein langsamer Arbeiter und gehemmt durch seine überstrenge Selbstbeobachtung und Unzufriedenheit. Er wurde nie zum Spezialisten und hatte sich zeitlebens eine große Vielseitigkeit bewahrt.

Zerlacher fand 1910 als 33-jähriger Aufnahme in die exklusive Wiener Sezession. Er hatte bereits eine anerkannte Stellung in der jüngeren Künstlergeneration Österreichs und war danach alljährlich in den Ausstellungen vertreten. Als Zerlacher 1923 bereits schwer erkrankt war, veranstaltete die Sezession eine Gesamtausstellung seiner Werke um ihn mit den Erträgnissen zu unterstützen. Das geschah gegen seinen Wunsch, weil er sich noch nicht reif dafür hielt. Die Ausstellung mit fünfzig seiner Werke wurde genau an dem Tag eröffnet als Zerlacher im St. Johannes Spital in Salzburg im 46. Lebensjahr verstarb. Sein vorzeitiger Tod beraubte Österreich und die deutsche Kunstwelt eines Talentes von außergewöhnlicher Stärke und vereitelte die letzte Erfüllung einer großen Verheißung, schreibt Benno Imendörffer in einem Gedenkblatt.

Nach Zerlachers Tod verfasste Marie von Gerl die "Erinnerungen an den Maler Ferdinand M. Zerlacher". Das Manuskript davon befindet sich im Archiv der Wiener Secession. In der Wiener Zeitung vom 14. Februar 1925 wurden Auszüge daraus veröffentlicht. Dr. Robert Graf hat am 14. September 1923 im Morgen- und Abendblatt der Grazer "Tagespost" eine Würdigung Zerlachers unter dem Titel, "Der steirische Maler Ferdinand Zerlacher" veröffentlicht.

Die Beziehung zu Nußdorf

Zerlachers gastfreundliche Gönnerinnen Marie und Emma von Gerl, die in Wien in der Himmelpfortgasse 9 wohnten, besaßen in Nußdorf am Attersee (jetzt Seestraße 6) eine Ferienvilla. Zerlacher verließ sein geliebtes Nußdorf nur selten um für wenige Wochen in Wien zu verweilen.

In Nußdorf war er ein ganz anderer als in der Großstadt, mit der er sich nie ganz zu befreunden vermocht hat, erinnerte sich sein Freund Benno Imendörffer, und weiter: Am Attersee entstand das reizende Bildnis meiner Tochter, das damals noch ein Kind von sechs oder sieben Jahren war, das Zerlacher leider in einem seiner Anfälle krankhafter Unzufriedenheit mit den eigenen Leistungen noch vor der Vollendung zerstört hat. Zur Entschädigung schenkte er mir dann eine landschaftliche Skizze, die ein Motiv aus Nußdorf in seiner feinen Weise behandelt und die meinen liebsten und wohl auch wertvollsten Kunstbesitz bildet. Ich kenne zufällig fast alle bäuerlichen Modelle, die Zerlachers Pinsel während seines vieljährigen Aufenthaltes in Nußdorf am Attersee so lebensvoll auf die Leinwand gebannt hat, ich weiß daher die Leistungen, die in diesen meist ganz einfach aufgefassten und stets nur eine einzige Gestalt darstellenden Bildnissen liegt zu schätzen. Die kleine Roither Resl, der Seppen Vetter, die Thommenbäuerin usw., sie alle stehen wieder leibhaftig vor mir, wenn ich die Bilder betrachte.

An der Akademie der bildenden Künste in Wien lernte Zerlacher 1897 den Bildhauer Alfred Hofmann kennen, dem er bis zu seinem Tod 1923 freundschaftlich verbunden war. Sieben Bilder Zerlachers werden in dessen Familie weiter gereicht und befinden sich jetzt im Besitz seines Enkels. Zum Freundeskreis Zerlachers gehörten auch die Maler Siegfried Troll und Sigmund Walter Hampel. Hampel verbrachte rund sechzig Jahre lang seine Sommerfrische und seinen Lebensabend in Nußdorf am Attersee.

Der älteren Nußdorfer Bevölkerung ist Ferdinand Matthias Zerlacher aus Erzählungen noch immer in Erinnerung. Nach wie vor in Ehren gehalten wird der Theatervorhang, der einen sitzenden Zitterspieler zeigt und Kulissenmalereien, die von Zerlacher für das Nußdorfer Dilettanten-Theater ab 1902 gemalt wurden.

Werke

In der Zeitschrift, Der getreue Eckart, Heft 8 vom Mai 1928, beschreibt Benno Imendörffer in einem mit Bildern illustrierten Gedenkblatt seine langjährige freundschaftliche Beziehung zu Ferdinand Matthias Zerlacher.

Quelle

Der getreue Eckart, Eckart Verlag Wien, Heft Nr. 8, Mai 1928 Dr. Ulrich Rieger, Kassel